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Wenn Bill fällt - fällt TokioHotel!


Wortlos
Sorry for all the things I could do
Wenn Alpträume fliegen lernen
Bonus FF
Geht das überhaupt?

Wenn Alpträume fliegen lernen

Angst. Was verbindet ein Jeder mit diesem Wort?
Was ist Angst?!
Ihr wollt es wissen? Seid Ihr euch sicher?
Denkt drüber nach – was ist Angst.
Was verbindet Ihr mit Angst?

Wovor habt Ihr Angst?
Vor schlimmen Unfällen? Vor Mördern? Vor dem Tod?

 

Ich verrate es Euch.
Ich erzähle Euch, was manche Menschen in den Wahnsinn treibt.
Was sie nicht mehr los lässt.
Was ihnen den Schlaf raubt und vielleicht sogar das Leben.

Angst.
Ein Gefühl – es ist ein unerträgliches Gefühl.
Es schnürt einem die Luft ab, es bringt einen um den Verstand.

 

Doch was passiert, wenn diese Angst weit über die Vorstellungen Aller geht?
Wenn diese Angst zu etwas Übermenschlichen wird.
Wenn diese Angst etwas noch nie da gewesenen ist.
Wenn diese Angst nicht zu stoppen ist?!
Was ist dann?
Was würdet Ihr machen?

Euch das Leben nehmen…?
 
Ihr wisst es nicht?! Ihr wisst nicht was Ihr machen würdet?!
Ihr könnt es nicht wissen!
Denn Ihr habt das Gefühl Angst noch nie gespürt!
 
 
 
….
Denkt drüber nach!
 
 

***

 
„Na wie ist es als Psycho abgestempelt zu werden? Psycho, Psycho, Psycho!“, ein Junge lief neben mir her zum Auto und hörte einfach nicht auf zu nerve. „Psycho!“, rief er immer und immer wieder.
„Halt die Klappe!“, fuhr ich ihn böse an, schmiss meine Koffer in den Wagen und warf ihm böse Blicke zu.
„Warum denn? Haben dir deine ´Freunde` etwa gesagt, dass sie mich sonst holen?!“, ärgerte er mich weiter und grinste breit. Langsam brachte er mich wirklich zur Weißglut.
„PSYCHOOOHOOOO!“, sang er plötzlich in den höchsten Tönen. Jetzt war es vorbei! Jetzt hatte der Junge endgültig den Fade überspannt! Mit schnellen Schritten ging ich auf ihn zu, er war ein ganzes Stück kleiner als ich und beugte mich zu ihm runter, „Soll ich dir sagen, was mir meine ´Freunde` gesagt haben?“, hauchte ich ihm ins Ohr und machte eine kleine Pause, denn ich sah, wie sich seine Nackenhaar aufstellten, „…Sie haben mir gesagt, dass du ein böser Junge warst, dass du den Mädchen aus deiner Klasse immer die Pausenbrote wegnimmst und dafür sollst du bald schon bestraft werden…!“, flüsterte ich leise und berührte mit der Nasenspitze schon sein Ohr.
Der kleine Junge wich erschrocken zurück und sah mich mit aufgerissenen Augen an, „Woher weißt du… weißt du das?!“, stotterte er und wurde schon bleich im Gesicht.
Ich lachte einmal kurz auf, „Ich wusste davon nichts… das haben mir alles meine ´Freunde` erzählt!“, und wieder kam ein raues Lachen von mir.
„Das stimmt nicht! Das habe ich nie gemacht! Ich … ich erzählen allen, dass du so eine Psychotante bist! Ich erzähl es allen!!!“, drohte er mir und mit Tränen in den Augen lief der Kleine so schnell es ging die Straße entlang und zu sich nach Hause.
„Hey Cathrin, erschreck die kleinen Kinder nicht immer!“, ermahnte mich auf einmal meine Tante. Etwas erschrocken fuhr ich herum, da ich sie nicht kommen hören hab. Sie  kam mit den letzten Sachen aus dem Haus und schloss die Tür ab.
„Nur weil du hier jedem deine Horrorgeschichten erzählst, müssen wir immer wieder umziehen. Das macht langsam auch schon kein Spaß mehr.“, hielt sie mir weiter vor und stellte die Kisten zu dem Rest der Einrichtung in den Umzugswagen. „Und dabei fand ich es so schön hier…“, ich vernahm ein leises Stöhnen meiner Tante die sich ein letzte Mal unserem alten Haus zuwandte.
Ich verdrehte die Augen, dass hatte sie bei den letzten 8 Häusern wo wir ausgezogen sind auch schon immer gesagt. Denn als meine Mutter vor 5 Jahren an einem mysteriösen Unfall gestorben war, lebte ich bei ihr, bei Tante Klara und dass nun schon seid ich 11 war. Was mit meinem Vater ist, davon hab ich keine Ahnung, ich kenne diesen Mann nicht einmal, der sich als mein Vater bezeichnen darf – aber das ist mir eigentlich auch egal. Seid meiner Geburt bin ich nur bei Frauen aufgewachsen und so fand ich es auch am besten. Ich wüsste nicht, was ich mit einem Mann anstellen sollte, der plötzlich in der Tür stehen würde und behauptet mein Vater zu sein. Vielleicht würde ich einmal kurz auflachen, ihm dann aber den Rücken zu wenden und mein Leben weiter leben.
„Lass uns los fahren.“, ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah Tante Klara in das Auto steigen. Ich blickte noch einmal die Straße hinunter, bevor ich die Wagentür öffnete und erblickte den kleinen Jungen von vorhin, wie er in meine Richtung zeigte und eine Frau zu ihm kam.
„Ts…“, machte ich nur verächtlich und stieg ein – auf den Weg zu unserem neuen zu Hause.
 
„Müssen wir denn immer gleich so weit weg ziehen?!“, nörgelte ich jetzt schon zum 10 Mal, denn mal wieder standen wir in irgendeiner Großstadt im Stau und hier ging gar nichts mehr. „Tja, musst du dir halt vorher überlegen wem du hier welche Geschichten erzählst, dann müssen wir auch nicht immer von einer Stadt zur anderen.“, meinte meine Tante nur und ließ ihren Kopf wieder gegen die Seitenscheibe sinken.
„Was ist hier eigentlich los?“, fragte ich und versuchte um die vielen Wagen vor uns herum zu gucken. „Ein Unfall. Hast du die Sirenen vom Krankenwagen nicht gehört? Scheint ein ziemlich schlimmer Unfall gewesen zu sein, wenn sie die ganze Straße sperren lassen.“
Plötzlich wurde es überall neblig und dunkel. „Nein…“, flüsterte ich. „Hast du was gesagt?“, fragte Klara ruhig und sah mich an, doch auf einmal veränderte sich ihr Blick in Besorgtheit, „Was ist denn?“, fragte sie erschrocken, als sie meine angsterfüllten Augen sah.
Schnell schloss ich diese um nichts zu sehen und wünschte, dass ich von hier weg kam, doch das ging nicht. „Hast du wieder eine deiner Fantasien?!“, fragte Klara jetzt schon fast genervt. „Siehst du sie?“, fragte ich flüsternd und hielt mir die Hände gegen den Kopf. „Wen?“, fragte sie.
„Siehst du sie denn nicht?!“, Tränen stiegen mir in die Augen und mein Gesicht fing an zu glühen. „Mensch Kind! Wen soll ich denn sehen? Wir stehen im Stau und das einzige was ich sehe sind Autos und ein paar Passanten!“
plötzlich hörte ich leises Wispern und mein Atem wurde lauter – ich fing an immer schneller zu atmen. „Sie kommen…!“, flüsterte ich, „Sie kommen…!“ Das Wispern wurde lauter und lauter – es kam immer schneller auf mich zu und auf einmal verstummte es. Ich hielt den Atem an und lauschte. Schweiß perlte von meiner Stirn ab.
Nichts zu hören. Langsam, ganz langsam öffnete ich die Augen und nahm die Hände herunter. Der dunkle Nebel war immer noch da, vor mir standen die Autos im Stau und neben mir sah ich meine Tante auf mich ein reden, doch ich hörte sie nicht, ich hörte gar nichts. Es schien als wäre jeder Ton, jedes Geräusch weg.
Ich wandte meinen Kopf zu meinem Seitenfenster und schrie auf. Erschrocken rutschte ich von meinen Sitz auf den von Klara und konnte nicht mehr auf hören zu schreien. Panik machte sich in mir breit und ich fing an zu zittern.
Neben dem Auto stand eine Frau. Ihr Blick fiel auf den Boden vor ihr. Ich erkannte dunkle Ränder unter ihren Augen und ihr Gesicht war weiß wie Schnee. Ihre Haare hingen zerzaust von ihr herab und die Kleidung war Blutüberströmt. Sie bewegte sich nicht einen Zentimeter, stand einfach da und sah auf den Boden.
Ich spürte, wie mich meine Tante von ihrem Sitz runter schieben wollte und mir irgendetwas wütend entgegen schrie, doch ich hörte nichts – gar nichts, Stille. Ich wehrt mich mit aller Kraft gegen das Wegschieben von Klara und klammerte mich an ihr fest.
„Geh weg! Verschwinde!“, schrie ich der Frau neben dem Auto entgegen, doch sie bewegte sich immer noch nicht. „VERSCHWINDE!“, schrie ich immer lauter, Tränen flossen an meiner Wange herunter und immer noch klammerte ich mich an meiner Tante fest, dich mich mit Leibeskräften weg zuschieben versuchte und mich anschrie.
„Bitte…. Bitte…“, ich wurde leise und flehte schon fast, als plötzlich ein Mann mit langsamen Schritten dazu kam. er schien schon fast zu gleiten. Auch seine Kleidung war Blutbeschmiert und ich sah, dass sein Hinterkopf aufgeplatzt war- dickes Blut quoll daraus hervor. Sein Blick war genauso leer wie der der Frau.
„Nein… bitte! Verschwindet!“, ich verfiel in einen Weinkrampf und konnte nicht mehr. Mir wurde schlecht und ich konnte nicht hinsehen, als ich ein Klicken der Seitentür hörte und wieder anfing zu schreien.
„HEY!“ Klaras Stimme. „CATHRIN! VERDAMMT NOCH MAL!“, schrie sie mich wütend an, als ich meine Augen wieder öffnete, war der dunkle Nebel verschwunden und ich hörte die Autohupen hinter uns. „Setz dich auf deinen Platz!!“, Klara verpasste mir eine leichte Ohrfeige und ich sah sie total fertig an. sie kannte diese Zustände schon bei mir – nahm sie jedoch nicht wahr und verstand mich nicht, wenn ich ihr erklären wollte was passiert sei – vielleicht wollte sie mich auch nicht verstehen.
„Mäm, fahren sie bitte weiter. Wir wollen heute noch zu unserer Arbeit kommen!“, hörte ich einen Mann sagen, der meine Wagentür geöffnet hatte und den Kopf ins Auto hielt. „Tut mir leid. Ich fahre sofort weiter.“, sagte meine Tante schnell und sah mich wütend an.
Der Mann nickte kurz und schloss die Tür wieder. Ich setzte mich zurück auf meinen Sitz, zog die Beinen an den Körper und versuchte das Zittern meines Körpers zu unterdrücken.
 
***
 
Das neue Haus. Alt, verlassen und einfach nur kaputt – das war mein Fazit. „Hier sollen wir wohnen?“, fragte ich skeptisch und hielt meine Koffer unterm Arm. „Meckere nicht rum! Pack aus!“
Ich stöhnte und ging die kleinen Stufen zur Verander empor. Alles knarrte bei jedem Schritt den ich machte und als mein Blick in den Garten schweifte, stand es fest: das ist kein normales Haus! Der Garten war über und über mit Rosenranken und Dornenbüschen überwuchert und war riesen groß. Man erkannte eigentlich gar nicht wo der Garten anfing und aufhörte – irgendwo in der Ferne beschloss ich einfach mal eine Mauer zu sehen, die aber auch über und über mit Ranken bewachsen war.
 „Na los schließ die Tür auf, oder willst du hier Wurzeln schlagen? Dann stell dich aber bitte da hinten in den Garten.“, meine Tante nahm mir den Schlüssel aus der Hand und schloss selber das Haus auf. Jedenfalls versuchte sie die Tür aufzuschließen.
„Soll ich mal versuchen?“, fragte ich, als meiner Tante langsam der Geduldsfaden riss und mir den Schlüssel übergab.
Ich trat neben sie, steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte einmal leicht nach rechts –Klick- und die Tür war offen. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, „Das Haus hat sich gegen dich verschworen, ich sag’s dir.“, lachte ich auf und stoß die Haustür auf.
Ein lautes Quietschen und wir sahen in den alten Flur. „WOUW!“, rief ich erstaunt und setzte einen Fuß in das Haus. Es roch nach Maus und die wenigen alten Möbel die noch übrig waren, waren nur so von Staub bedeckt. Ich sah um die Ecke in eine alte Küche, auf der anderen Seite war das Wohnzimmer, grade aus der Wintergarten und eine Wendeltreppe nach oben in die nächste Etage. „Nicht staunen! Erst ausräumen!“, rief mir meine Tante schon wieder vom Auto aus zu. Zum Glück käme erst morgen der Möbelwagen und so mussten wir nur ein paar persönliche Sachen auspacken.
 
„Kann ich mir oben ein Zimmer aussuchen?“, fragte ich und ließ den letzten Koffer im Flur auf den Boden sinken. „Mach doch…“, kam eine abgelenkte Antwort aus der Küche und lautes Geschirrgeklapper war zu hören.
Ich nahm meine paar Sachen und stieg die Wendeltreppe hinauf in einen kleinen Flur. Zuerst entdeckte ich ein kleines Bad und zwei weiter Räume – doch die interessierten mich nicht groß, denn etwas anderes hatte meine Aufmerksamkeit geweckt und zwar ein Schrank.
Nicht nur irgendein Schrank, sondern ein Schrank, in dem es eine zweite Wand gab – wie in Krimis.
Ich stellte meine Sachen ab und öffnete die Türen des Schrankes etwas weiter und schob die zweite Wand beiseite. Es führte eine kleine Leiter nach oben ins Dachgeschoss.
„Cathrin?“, rief es aus dem Flur, schnell stieg ich aus dem Schrank und schloss die Türen. „Hast du dir ein Zimmer ausgesucht’?“, Klara steckte den Kopf in mein Zimmer. „Das hier!“, grinste ich breit, „Genau das hier…“
„Na gut.“, meinte meine Tante etwas misstrauisch und schloss die Tür. Ich grinste breit und sah mich in meinem neuen Zimmer um – ein Himmelbett und einen alten Schreibtisch mit Stuhl hatte ich, der Rest würde dann morgen kommen und dann könnte ich es mir hier gemütlich machen.
Da ich schon dabei war mir mein Zimmer in Gedanken einzurichten, vergas ich die geheimnisvolle Treppe und beschäftigte mich mit den anderen Sachen.
 
Ein Quietschen und ich wurde wach. Erschrocken fuhr ich hoch und sah mich in dem dunklen Zimmer um. Von draußen schien der fahle Mond durchs Zimmer und erleuchtete es ein wenig. Wieder das Quietschen und dann fiel die Schranktür ins Schloss.
Mein Herz machte einen Aussetzer und ich lauschte in die Stille. Nichts zu hören – doch was hatte die Tür zu gestoßen? Was war das?
Und mal wieder siegte meine Neugier über die Vernunft. Ich warf die Bettdecke auf und stieg vom Bett auf den kalten Holzboden. Ich musste aufpassen, dass nicht bei jedem Schritt den ich machte die alten Dielen knackten und so schlich ich vorsichtig und nur auf Zehenspitzen zu meinem Schrank.
Ein Schauer lief mir über den Rücken, es war Eiskalt im Zimmer und ich hatte nur ein dünnes Nachtkleid an. Schnell unterdrückte ich das Zittern und trat auf die Türen zu. Vorsichtig zog ich eine von ihnen auf und entdeckte wieder den Nebel – den Nebel, den ich schon beim Stau gesehen hatte.
„Geh da nicht rein Cathrin! Du weißt was da ist!!!“, ermahnte ich mich selber und sah die kleine Leiter hinauf. Eine schwere Falltür war zu sehen, wo aus den Spalten der Nebel heraus quoll.
Ich wusste, dass es falsch war, doch ich war so verdammt neugierig. Es ist ein Fehler! Es ist ein Fehler! Es ist ein Fehler! Du wirst es bereuen!! Doch ich fasste Mut, stieg in den Schrank und stellte einen Fuß auf die erste Leitersprosse, plötzlich vernahm ich das leise Wispern und da verließ mich der eben gefasste Mut wieder. Ängstlich sah ich hinauf auf die Falltür und stieg dann schnell wieder aus dem Schrank hinaus, schloss die Türen und lief zurück ins Bett, wo ich mich unter der Decke verkroch und hoffte, dass sie nicht kommen würden.
 
***
 
Am nächsten Tag saß ich mit tiefen Augenringen am Frühstückstisch und stocherte lustlos in meinem Rührei herum. Ich konnte die ganze Nacht nicht mehr schlafen – zu groß war die Angst, dass sie wieder komm en würden. Meine Tante fragte schon gar nicht mehr, was mit mir los sei – was mir eigentlich auch ganz Recht war, denn sie würde es sowieso nicht verstehen.
Es klingelte und ich blickte auf, aus dem Fenster: der Umzugswagen. „Na los! Die Sachen sind da!“, ermahnte mich Klara und legte die Zeitung beiseite, ging zur Tür und öffnete diese.
Ich stöhnte und wollte eigentlich nur noch schlafen – doch bevor ich ärger bekam, tat ich lieber was mir gesagt wurde und so schlurfte ich langsam nach draußen auf die Verander und sah schon die ersten Möbel auf der ruhigen Straße.
Hier in der Gegend war ja echt mal gar nichts los Etwas weiter hinten, die Straße hinunter entdeckte ich eine schwarze Katze, das war dann aber auch alles was hier passierte.
Ich lief die paar Stufen hinunter und zum Wagen, schnappte mir die ersten Sachen und trug sie ins Haus zurück. Das wird ein langer Tag!, stöhnte ich schon wieder innerlich.
 
Nach 5 Stunden war alles im Haus und die Möbelpacker wieder verschwunden. Erschöpft ließ ich mich auf einen großen Sessel im Flur fallen und sah mich im Chaos um. Meine ganzen Sachen hatte ich schon nach oben in Sicherheit gebracht, doch da herrschte genau wie hier das totale Chaos.
Tante Klara war schon wieder dabei alles einzuräumen und zu dekorieren. Und schob die Möbel im Wohnzimmer zu Recht. Plötzlich fiel etwas Hartes zu Boden, „Was ist das denn?“, fragte sie erstaunt. Ich sprang von meinem Platz im Flur auf und ging ins Nebenzimmer, wo ich den Aufprall gehört hatte.
„Was denn?“, fragte ich und ging zu Klara, die jetzt auf dem Boden hockte und irgendetwas ansah. „Irgendeine dumme Kiste. Wahrscheinlich haben die Vormieter das Ding hier vergessen – schmeiß sie weg!“, meine Tante nahm die kleine Truhe und reichte sie mir. „Weg schmeißen?“, fragte ich skeptisch. „Ja!“
ich sah sie an, doch Klara war wieder mit ihren Möbeln beschäftigt. „Ich fange oben mit einrichten an.“, sagte ich schnell, nahm die Kiste, lief die Wendeltreppe im Wintergarten nach oben und in mein Zimmer, wo ich die Tür hinter mir schloss und mich auf das Bett schmiss.
Ich stöhnte, als ich das Chaos in dem Raum sah, widmete mich dann aber sofort wieder Kiste zu. Was mag darin bloß sein? Und wieso war sie noch hier? Als ich mir die Truhe näher ansah, bemerkte ich ein kleines Schloss am Deckel – sie war verschlossen.
Enttäuscht nahm ich die Truhe, beugte mich vom Bett herunter und verstaute sie darunter damit meine Tante sie nicht gleich finden würde – denn sie hasst es, wenn man nicht das machte was man von ihr aufgetragen bekommen hat.
„Gut. Mein Zimmer!“, sagte ich dann und sah mich suchend um. Ich lief langsam durch die fielen Kisten und sah in jede hinein und wieder ärgerte ich mich, dass ich die ganzen Kartons nicht beschriftet hatte – bei den letzten Umzügen war das auch schon immer ein Problem gewesen doch ich lernte einfach nicht dazu.
„Ahh!“, endlich hatte ich das gefunden wonach ich gesucht hatte und zog meinen CD-Player aus einem der Kartons, suchte eine Steckdose und schaltete das Ding ein. Die Musik fing an zu spielen und zufrieden wandte ich mich meiner Einrichtung zu.
Als erstes räumte ich meine paar Möbel an ihren Platz. Über den Schreibtisch hängte ich meine Regal und die kleine Kommode zum Bett. Doch bevor ich das schwere Ding an die Wand schob, viel mir etwas daran auf. Irgendetwas war in die Wand geritzt.
Schnell schob ich das Möbel wieder zur Seite und sah mir die merkwürdige Stelle genauer an. Ich konnte Buchstaben erkennen und strich mit einem Finger vorsichtig darüber. „Ka…. tri…n? + B…“, las ich und erkannte ein Herz um die Buchstaben. Wahrscheinlich waren es zwei Namen und noch einmal versuchte ich es zu lesen, „Ka..trin… Kathrin + B…“, der Rest war nicht mehr vorhanden. Katrin +B
Ich grinste und fand das total süß, hier hatten sich zwei Verliebte verewigt. Ich strich ein letztes Mal darüber und schob dann die Kommode davor.
 
Nach 2 weiteren Stunden war mein Zimmer fertig. Ich hatte alles eingerichtet, dekoriert und auf den richtigen Platz gestellt, dass ich mich hier wohl fühlen konnte. An den Wänden hingen hier und da ein paar selbstgezeichnetete Skizzen – jede war in einer anderen Stadt entstanden, worauf ich sehr stolz war, denn bei jeder hatte ich alte Erinnerungen.
Ich stand in der Mitte des Zimmers und sah mich um. Auf dem Holzboden lag ein roter, runder Teppich und an den Fenstern hingen orange Gardinen, genau wie an dem Himmelbett, das ich auch noch mit orangener Bettwäsche bezogen hatte. Orange war meine Lieblingsfarbe.
Mein Schreibtisch war mit Krimskram voll gestellt – vor allem mit Stiften aller Art und in den Regalen passten grade mal meine ganzen Büchersammlungen hinein. Ein Regal war auch voll mit nur CDs.
Auf meiner Kommode waren Schminksachen und daneben an der Wand hing mein Schmuck an Nägeln, die ich in die Wand auf ein Bild geschlagen hatte. Neben dem Bett hatte ich alte Nachtische gestellt und eine selbst gemachte Lampe stand dort - natürlich auch in Orange.
„So kann es sich leben lassen.“, grinste ich zu mir selber und hing nur noch als letztes meinen Spiegel neben den Schrank.
Der Schrank! Jetzt erst fiel mir wieder ein, was in der Nacht passiert war und ich bemerkte, das ich noch gar nicht meine Klamotten ausgepackt hatte, sie standen immer noch in Kartons neben der Tür.
Kurz zögerte ich, doch dann drehte ich die Türknaufe des Schrankes um und öffnete ganz langsam die Türen. Alles ganz normal, Regalböden und eine Stange für Bügel zum aufhängen. Ich trat in den Schrank und schob die Rückwand zur Seite – die Leiter und die Falltür in der Decke erschienen, auch hier sah alles normal aus.
Langsam trat ich auf die ersten Sprossen der Leiter, stieg Stufe für Stufe höher und drückte mit einer Hand gegen die Falltür über mir. Sie ließ sich nicht öffnen. Ich wunderte mich, denn kein Schloss oder sonst irgendetwas zum verriegeln war zu sehen.
Ich stellte mich mit den Füßen fester hin und drückte nun mit beiden Händen gegen die Falltür. Es rührte sich immer noch nichts – anscheinend klemmte sie.
„Mensch!“, ich versuchte es noch einmal und schlug mit voller Kraft gegen die Türen und mit einem lauten Knacken sprangen sie nach oben auf und der Staub fiel auf mich herunter.
Ich fing an zu husten und wedelte mit den Armen um mich. Der Staub brannte richtig in meinem Hals und das Husten hörte gar nicht mehr auf. Ich sprang die Leiter herunter und aus dem Schrank heraus, wo ich wieder normale Luft atmen konnte.
„Bähhh!“, ich hatte einen widerlichen Geschmack auf der Zunge und musste ins Bad laufen um mir den Mund auszuspülen. Als ich zurück in den Flur ging, hörte ich unten meine Tante irgendwelche alten Lieder singen. Das tat sie oft.
Ich musste lächeln und ging zurück in mein Zimmer. Langsam hatte sich der viele Staub im Schrank gelegt und ich sah die Öffnung nach oben hinauf. Von unten war es ein ganz normaler Dachboden – nichts Besonderes.
Trotzdem kletterte ich die Leiter wieder hinauf und stieg durch die Falltür. Staunend blieb ich auf dem Rahmen sitzen. Hier oben war alles voll von Kartons, Körben mit Zetteln und sogar Instrumente standen hier – eine Gitarre, ein Bass und vereinzelt Teile von einem Schlagzeug konnte ich weiter hinten erkennen.
„Wouw…“, sagte ich leise vor mich hin. „CATHRIN!“, rief es auf einmal laut von unten. Zuerst bekam ich gar nicht mit, dass ich gerufen wurde, denn ich war von den Mengen an Kartons und Zetteln so fasziniert, dass ich am liebsten sofort darin rum gestöbert hätte.
„CATHRIN! KOMM RUNTER!“, langsam wurde das Rufen immer aggressiver  und schnell sprang ich die Luke hinunter, schloss den Schrank und hechtete die Stufen nach ganz unten zu meiner Tante.
 
***
 
Der erste Schnee fiel und ich stand in dicken Stiefeln und Mantel vor meiner neuen Schule. Ein stöhnen war von mir zu vernehmen. Ich hasste es als Neue in die Klasse zu kommen und von jedem angeguckt zu werden, doch eigentlich hätte ich mich schon längst dran gewöhnen müssen.
Ich hielt meine letzten Zeugnisse in der Hand und hatte meine Tasche um die Schulter geworfen, „Na dann wollen wir mal.“, meinte ich leise und stapfte durch den Schnee zum Eingang, zog die Glastüren auf und sah mich suchend in der Halle um.
„Kann ich Ihnen helfen?“, hörte ich jemanden hinter mir fragen und ich wandte mich um, vor mir stand ein Lehrer, er sah blass aus und zu erste war ich etwas über die förmliche Anrede verwundert, „Ähm. Ich bin neu hier und…“ „Da vorne.“, er deutet auf eine Tür wo ´Lehrerzimmer` zu lesen war und lächelte mich an, „Danke.“, stotterte ich immer noch etwas verwirrt und als sich der Mann umdrehte, um wieder zu gehen, stockte mir der Atem.
Ich wankte ein paar Schritte zurück und mir wurde schlecht. Jetzt erst fiel mir auch der Nebel auf, der den Mann umgab, der schon gar keinen Rücken mehr hatte. Sein ganzes Hemd war voll von getrocknetem Blut und Glasscherben steckten ihm im Rücken und als ich weiter hinunter sah, musste ich mich abwenden. Anstatt die Knie nach hinten durchzudrücken, waren seine gebrochen und knickten nach vorne durch.
Ein leiser Schrei entfuhr mir und der Mann drehte sich um, „Ist etwas?“, fragte er freundlich. Ich schüttelte den Kopf. „Soll ich Sie vielleicht herum führen, damit Sie die Schule besser kennen lernen?“, der Mann machte ein paar Schritte auf mich zu, die ich schnell zurück wich.
Dann plötzlich lächelte er, beugte sich zu mir vor, „Soll ich dir verraten was das hier vorher für ein Gebäude war?“, grinste er hämisch. „Soll ich es dir verraten?“, er wurde immer leiser.
Ich schüttelte schon mit Tränen in den Augen den Kopf, „Nein… bitte nicht!“, flüsterte ich und ging immer weiter zurück, bis ich auf einmal gegen eine Wand stieß.
Der Mann nickte und kam langsam auf mich zu. Ich wollte schreien, doch meine Stimme versagt, schnell schloss ich die Augen in der Hoffnung er würde verschwinden und ich spürte, wie Tränen an meiner Wange herunter flossen.
„´Tschuldigung?!“, eine Frau umfasste meinen Arm und ich riss die Augen auf – der Mann war weg. „Ist alles in Ordnung?“, fragte die Frau besorgt neben mir. Ich sah sie an, schüttelte schnell den Kopf, löste ihren Griff und rannte in die gegenüberliegenden Toiletten, schmiss die Tür hinter mir zu und sank weinend daran herunter. „Warum? Warum ich?!“, schrie ich und schlug mit der Faust auf den Boden. Ich konnte nicht mehr. Ich verstand nicht was hier passierte und warum das überhaupt ausgerechnet mir passierte. Ich wollte nur noch weg, weg von all dem hier – nicht mehr da sein!
 
Es klingelte und ich schreckte auf, denn plötzlich wurde die Tür hinter mir auf gedrückt, schnell rutschte ich bei Seite, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und stand auf. Ein Mädchen kam herein, sie sah mich etwas erstaunt an, sagte aber nichts und verschwand in einer Toiletenkabine.
Nach einem schnellen Blick in die Spiegel, verließ ich das Mädchenklo und ging langsam zum Sekretariat an den ganzen Schülern vorbei, die nach draußen in die Pause stürmten.
Immer wieder sah ich mich um und hatte Angst, dass dieser Mann wieder kommen würde. Einige Mädchen sahen mich schon abschätzend an, als ich mich immer wieder umsah. Was die wohl von mir denken müssen… stöhnte ich innerlich und klopfte an das Sekretariat.
Ich hörte ein leises ´Herein!`, drückte die Klinker herunter und trat ein. „Guten Tag.“, sagte ich leise und schloss die Tür hinter mir.
Eine Frau am Schreibtisch sah mich fragend an, sagte aber kein Wort – unhöfliche Frau! „Ich bin neu hier und weiß nicht so recht wohin…“ „Ja, ja, ja. Gib mir deine Zeugnisse und Unterschreib das hier“, sie machte eine kurze Pause, „Ist deine Mutter oder dein Vater nicht da?“ Ich schüttelte den Kopf und nahm den Zettel entgegen den sie mir reichte. „Die müssen das hier aber auch unterschreiben… na ja, dann nimm es halt mit nach Hause.“, meinte sie nur, nahm meine Zeugnisse und setzte sich wieder.
Ich sah auf den Zettel, nahm mir einen Stift und unterschrieb ganz unten. Ich musste mir schon gar nicht mehr durchlesen, was da stand, das kannte ich schon langsam auswendig von den anderen Schulen her.
„Fertig? Dann komm. Ich zeig dir deine Klasse.“, die Frau, die sich nicht einmal vorgestellt hatte, stand von ihrem Platz auf, nahm die Zeugnisse von mir und ging voran – ich folgte ihr stumm.
Die Pause war noch gar nicht zu ende und ich wurde nun durch leere Flure zu meinem neuen Klassenraum geführt. Ich war total sprachlos von dieser Schule – was ist das hier??
Ich ging auf einem kalten Fliesenflur entlang, an jeder Seite waren Klassenräume und nur ganz hinten ein kleines Fenster mit einem Gitter davor. Auch die Türen sahen nicht anders aus – sie waren aus schwerem Eisen und hatte jeweils ein kleines Fenster mit auch einem Gitter davor.
Ich kam mir wie im Gefängnis vor, alles grau und kalt.
„Was ist?“, fragte die Frau auf einmal und ich stieß fast gegen sie, denn ich war ihr mit offenem Mund fassungslos gefolgt und hatte gar nicht mitbekommen, dass sie stehen geblieben war. „Nichts!“, stotterte ich schnell und bekam einen finsteren Blick von ihr. „Das hier ist deine neue Klasse, 10c. dein Klassenlehrer ist Herr Rau, von dem du den Rest erklärt bekommst. Und hier hast du die Schulordnung – lies sie!“, sie drückte mir ein kleines Heft in die Hand, öffnete die schwere Tür und ließ mich in den Klassenraum, wo ich wieder fassungslos stehen blieb.
Ich konnte einfach nicht glauben, dass das hier eine Schule sein sollte und hier Kinder zur Schule gingen.
Der Klassenraum war genau so grau und kalt wie der Flur. Auch hier waren Gitter vor dem Fenster. Die Stühle und Tische waren aus kaltem Eisen und standen korrekt hinter einander.
Es klingelte und ich hörte die Schüler im Flur heran laufen, der ganze Raum hallte die Geräusche aus dem Flur wieder.
Die Tür ging auf und der erste Junge kam herein, nach einem kurzen Blick zu mir, setzte er sich wortlos auf den ersten Platz, bei den anderen Kindern war es genau so. Keiner sagte etwas, alle setzten sich sofort auf ihren Platz und warteten stumm auf den Lehrer.
Ich stand vorne an der Tür und sah mich verwirrt um Was ist das hier?? Fragte ich mich wieder. Von außen sah diese Schule ganz normal aus, aber von innen…
Alles wurde ruhig. Nicht ein Schüler sah mich an, sondern alle hatten stur ihren Blick auf die Tafel gerichtet.
Plötzlich wurde die Klinke herunter gedrückt und die Tür ging auf. Ein Mann kam herein, er sah streng aus, sehr streng und trug einen alten Anzug. Er sah mich verwirrt an, „Wer bist du denn?“, fragte er abschätzend und schloss die Tür hinter sich.
„Ich bin neu hier… Cathrin…“, sagte ich und wollte ihm die Hand reichen. Doch der Lehrer ging ohne ein Wort an mir vorbei und sah sich in der Klasse um.
„Da hinten.“, er zeigte auf einen freien Platz und ich schlich leise darauf zu. immer noch sah mich keiner der Schüler an und ich ließ mich wortlos auf dem Stuhl nieder.
„Du fragst dich sicher, was das hier für eine Schule ist…“, fing Herr Rau an und blätterte in meinen Zeugnissen herum. „Na ja. Wie es scheint wirst du ziemliche Probleme mit dem Unterrichtsstoff bekommen.“, machte er weiter. „Wie bitte? Warum dass denn?“, fiel ich ihm ins Wort und der Lehrer sah auf. „Eine zwei in Mathe und eine drei in Englisch, so wie der Rest zweien reicht hier nicht aus!“, sagte er streng und ich schluckte.
„Das hier ist nämlich keine normale Schule… hier wird alles von den Schülern abverlangt.“ Und bei diesen Worten drehte sich die ganze Klasse nach mir um – alle hatten ein leichtes Lächeln im Gesicht und leere Augen.
Aber hier ist doch kein Nebel??!!!! Oder hab ich ihn übersehen? Schoss es mir durch den Kopf.
-Stille- nervös ließ ich meine Tasche auf den Boden sinken und sah zum Lehrer, der auch lächelte. „Was?“, fragte ich nervös und ich hörte, wie sich meine Stimme überschlug.
„REIN GELEGT!“, schrieen auf einmal alle und fingen an zu lachen. „Was?“, ich wusste gar nicht was los war – alle lachten und der Lehrer setzte sich. „Hattest du Angst?“ Du hast nichts gemerkt, stimmts?“ „Du dachtest wir wären wirklich solche Schüler?!“, kam es auf einmal von allen Seiten und langsam bekam ich mit, dass das alles nur ein Scherz war und musste erleichtert grinsen.
„Mensch, ich dachte echt ihr seid so drauf.“, lachte ich etwas beleidigt und enspannte mich. „Tut uns leid. Aber als wir hörten, dass eine Neue in die Klasse kommt, wollten die Schüler unbedingt am Anfang einen Streich spielen und haben Frau Jan aus dem Sekretariat mit eingeweiht… es tut uns leid.“, der Lehrer kam auf mich zu und gab mir die Hand, „Herzlich Willkommen. ich hoffe du willst noch bei uns bleiben.“ Ich nickte grinsend und schüttelte Herrn Rau´s Hand.
 
***
 
Mir fiel echt ein Stein vom Herzen, als ich merkte, dass alles nur ein großer Scherz war, was die Schüler veranstaltet hatten und es stellte sich heraus, dass sie sogar alle ziemlich nett waren – bis jetzt. Niemand wusste von meinen vergangenen Schulen und was dort alles passiert ist und das sollten sie auch nicht erfahren.
Ich war auf dem Weg zurück nach Hause. die Busse fuhren mit den Schülern in ihre Dörfer und andere wurden von ihren Eltern abgeholt. Ich verließ den Pausenhof und schlenderte die Straße entlang.
„Hey!“, rief es hinter mir und ich blickte mich um. Ein Mädchen kam auf mich zu gelaufen und lächelte – sie war aus meiner Klasse, doch wie sie hieß wusste ich nicht mehr.
„Musst du auch hier lang?“, fragte sie freundlich und holte mich ein.
Ich nickte als Bestätigung und war schon die ganze Zeit am überlegen, wie sie denn nun hieß, Sarah? Lisa? Oder doch Anna?... nee, Annika! Genau!
„´Tschuldige wenn ich noch mal frage, aber ich hab deinen Namen schon wieder vergessen.“, sie sah mich entschuldigend an. Ich musste grinsen, „Cathrin…“, sagte ich dann und wir gingen gemeinsam nach Hause.
„Wo wohnst du?“, fragte Annika um keine Stille zwischen und auftreten zu lassen. „Joa, ich weiß nicht wie die Straße heißt. … bei diesem alten Haus hier vorne um die Ecke…“ „… mit dem zugewachsenem Garten?“, fragte sie und ich nickte „Wirklich? Ich hätte nie gedacht, dass da noch jemand einzieht.“, sagte sie erstaunt und blieb stehen, „Ich muss hier lang.“, sie zeigte in die entgegen liegende Richtung und wir verabschiedeten uns.
Ich bog um die Ecke und sah schon vom Weiten unser Haus, es fiel total auf, denn die umliegenden Häuser waren alle Neubauten. Und jetzt erst fragte ich mich, was Annika meinte, als sie sagte, dass sie sich wunderte, dass dort noch jemand einziehen würde.
Ich wandte mich um, doch das Mädchen aus meiner Klasse war nicht mehr zu sehen.
 
Ich schloss die Haustür hinter mir und sah schon einen Zettel auf dem Boden liegen: Bin heute Abend zurück! Klara. So war ich nun alleine zu Hause.
Ich ließ meine Tasche im Flur auf den Boden sinken und ging in die Küche, auf der Suche nach etwas zum essen. Ich fand außer ein paar Stücken Kuchen nur Aufschnitt und so entschied ich mich doch lieber für den Kuchen. Ich nahm den Teller und noch etwas zu trinken mit und lief die Treppe nach oben in mein Zimmer, wo ich die Tür hinter mir ins Schloss fallen ließ und alle Sachen auf dem Schreibtisch abstellte.
Nach einem kurzen Blick nach draußen, bemerkte ich, dass sich der Himmel zu zog und es dunkel wurde – ein Gewitter war im Anmarsch.
Schnell schaltete ich hier und da ein paar kleine Lampen an und machte es mir mitten im Zimmer auf dem roten Teppich gemütlich.
Durch eine Fernbedienung schaltete ich den CD-Player ein und aß den Kuchen.
Plötzlich ließ mich ein Poltern aufhorchen. Es kam von oben aus dem Dachboden. Ich sah hinauf und lauschte. Außer der Musik hörte ich nichts weiter – wahrscheinlich waren es nur Ratten oder Mäuse die da oben rum krochen und so wandte ich mich wieder meinem Kuchen zu.
Und wieder ein Poltern. Jetzt schaltete ich aber die Musik aus und horchte wieder –Stille-
Auf einmal klingelte es an der Haustür und ich fuhr erschrocken zusammen. Ich ließ den Teller mit dem Kuchen fallen und fluchte leise auf. Es klingte wieder.
Schnell sprang ich auf, hechtete die Treppe hinunter und riss die Tür auf. Ein erstaunter Postbote stand vor mir, „Post…“, sagte er und war total überrumpelt von meiner ruppigen Art die Tür zu öffnen.
Ich lächelte verlegen und nahm ihm die Briefe aus der Hand, bedankte mich schnell und schloss die Tür mit einem lauten Quietschen wieder. „Memo an mich selber: Tür ölen!!!“, sagte ich vor mich hin und verdrehte die Augen.
Die Post legte ich auf ein kleines Schränkchen im Flur und lief zurück in mein Zimmer.
Erstaunt blieb ich in der Tür stehen und sah auf dem Platz, wo ich vorhin noch den Kuchen fallen lassen hatte – er war verschwunden. Nur ein paar Krümel lagen noch auf dem Teppich. Ich sah mich verwirrt um, was war hier bloß los?
Etwas zögernd betrat ich mein Zimmer und sah mich um. Eigentlich sah alles aus wie immer, eigentlich – denn die Türen von meinem Schrank waren offen und di zweite Wand etwas zurück geschoben.
Ich bekam etwas Angst – war dort oben vielleicht jemand? Aber wie sollte dieser Jemand dort hinauf gekommen sein?
-Knack- -Knack- -Knack- erschrocken fuhr ich zusammen und bewegte mich keinen Zentimeter. Irgendjemand ging über mir auf dem Dachboden entlang, denn die Holzdielen gaben nach und Knackten. Die Geräusche bewegten sich in Richtung Falltür.
Plötzlich war alles leise, die Schritte hatten aufgehört und nichts war mehr zu hören. Eine Zeit lang blieb ich wie angewurzelt stehen, doch als ich merkte, dass nichts mehr passierte, atmete ich etwas erleichtert auf.
„Ich hätte nie gedacht, dass da noch jemand einzieht“ „Ich hätte nie gedacht, dass da noch jemand einzieht“, Die Worte von Annika hallten in mir wieder und ein Schauer lief mir über den Rücken, „Wie konnte hier bloß wieder jemand einziehen?“, fragte ich ironisch und schüttelte lächelnd den Kopf.
 
Nun gut. Wir hatten also einen Unbekannten bei uns auf dem Dachboden. Komischerweise störte mich das gar nicht, obwohl es ja auch ein gefährlicher Massenmörder sein könnte. Aber oben nach zu schauen traute ich mich auch nicht recht – denn ich dachte mir wenn ich ihm nichts tue, tut er mir auch nichts… Doch wie kam ich überhaupt darauf, dass es ein Er wäre und nicht eine Sie?!
Gegen Abend saß ich im Wintergarten und war grade mit meinen restlichen Hausaufgaben fertig geworden. Vor mich flackerte noch ein wenig die Glut aus dem Kamin und ein paar kleine Lampen waren eingeschaltet, da es draußen schon seit ein paar Stunden stockdunkel war.
Als ich aus den Fenstern des Wintergartens sah, erkannte ich schon eine leicht gefrorene Eisschicht an den Rahmen und von innen perlten ein paar Tropen an der Scheibe herunter.
Plötzlich hörte ich ein Klicken und die Haustür ging auf – Tante Klara war mit einem riesen Einkauf zurück. Schnell legte ich meine Schulsachen beiseite und lief mit dem Zette, den sie für die Schule noch unterschreiben musste zu ihr hin.
„Hi.“, begrüßte ich sie fröhlich und nahm eine der Einkaufstaschen. „Und wie war es in der Schule?“, fragte Klara sofort und schloss die Tür hinter sich. „Gut. Du musst hier aber noch einen Zettel unterschreiben…“, ich hielt ihr das Blatt hin, was sie sofort nahm mit einem Kuli ihre Zeichen drunter setzte und mir zurückgab.
„Ich hoffe du hast deine Hausaufgaben schon gemacht.“, sie sah mich prüfend an und als ich nickte, nahm sie mir die Tasche aus der Hand und ging in die Küche.
Ich lief zurück zum Wintergarten, packte meine Sachen zusammen und hinauf in mein Zimmer. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr und einem schnellen Sprung ins Bad war ich tot müde und wollte eigentlich nur noch schlafen.
Doch plötzlich, als ich schon die Augen geschlossen hatte und mich unter die Decke kuscheln wollte, wurde ich ganz still und hielt den Atem an. Das Wispern. Es war wieder da.
Ich hörte mein Herz immer schneller schlagen und zog die decke bis unter die Nasenspitze hoch.
Ein lautes Quietschen und die Schanktüren fielen mit einem lauten Knallen auf. Das Wispern wurde lauter und ich musste ein Schreien unterdrücken – schnell biss ich auf die Zähne und kniff die Augen zu, damit ich niemanden sehen musste.
Ich spürte einen leichten Windhauch durch meine Haare gleiten und das Wispern verstummte urplötzlich. Eine Zeit lang war es ruhig, doch ich spürte, dass ich nicht alleine war.
Ganz vorsichtig öffnete ich eins meiner Augen einen Spalt breit und sah vor mir die Bettdecke. Langsam griff ich mit einem Finger danach und zog sie herunter.
Nichts zu sehen außer meiner Kommode. Ich fasste Mut und zog die Decke noch etwas weiter hinunter um wieder frische Luft einzuatmen.
Doch plötzlich hörte ich ein ganz lautes Wispern und auf einmal schoss ein blasses Gesicht vor mir auf und ich fing an zu schreien, mein Herz machte einen Aussetzer, ich warf die Decke über den Kopf und kroch noch weiter darunter. Mein ganzer Körper fing an zu zittern und ich zog die Beine an den Körper.
Das Wispern wurde leiser und leiser und verschwand – zurück auf den Dachboden. Die Schranktüren fielen ins Schloss und es war ruhig.
Trotzdem blieb ich noch lange so im Bett liegen und traute mich nicht zu bewegen und auch nur sehr langsam hörte das Zittern auf – ich entspannte mich wieder.
 
***
 
Zum Glück hatten wir am nächsten Tag keine Schule, weil wegen Wochenende.
Total müde lag ich auf meinem Bett und starrte die Decke an – wer war das da oben? Es gab nur zwei Möglichkeiten für mich: entweder ich werde mich so lange fürchten und kein Auge mehr zu bekommen, bis wir hier wieder ausziehen, oder ich nehme all meinen Mut zusammen und schaue oben nach.
Theoretisch zog ich die zweite Möglichkeit vor, doch Praktisch sah das ganze anders aus. ein Seufzer war von mir zu vernehmen und ich richtete mich auf, sah zum Schrank und spielte an einer Haarsträhne herum. Meine Klamotten hatte ich immer noch nicht eingeräumt und so standen sie nun schon seit einer Woche in diesem Umzugskartons.
Ich überlegte „Was soll mir denn groß passieren?“, fragte ich mich selber, stand auf und ging zum Schrank.
„Wer kann da oben denn schon sein?! Wenn es einer dieser Toten ist... die können mir nichts tun. Aber wenn es doch ein echter, ein Lebender ist…“, sagte ich leiser zu mir und stapfte von einem Fuß auf den anderen.
Mein Blick schweifte zur Tür, die offen stand. „KLARA?!“, rief ich laut. Keine Antwort. „KLARA?!!!“ Immer noch keine Antwort – sie war nicht im Haus.
Schnell schloss ich meine Tür und öffnete meinen Schrank. Die Rückwand war beiseite geschoben und die Falltür zum Dachboden war offen.
Wahrscheinlich ist deswegen auch dieser Jemand herunter gekommen.
Zuerst lauschte ich hinauf, es war nichts zu hören, außer dem Wind, der schon den ganzen Tag ums Haus fegte.
„Mir kann nichts passiere…“, redete ich mir noch einmal zu und stieg dann langsam die kleine Leiter hinauf und durch die Falltür auf den Dachboden.
Ich hatte grade genug Platz um hier oben zu stehen und jetzt erst sah ich, dass etwas weiter hinten noch ein paar Möbel standen. Ein Sofa, Schreibtisch und ein kleiner Schrank waren zu sehen – sonst war alles voller Kisten zu gestellt, wo schon die ganzen Briefe und Zettel heraus quollen.
Durch ein kleines Fenster am Ende des langen Dachbodens schien etwas licht herein, was eigentlich auch nicht fiel brachte und ich sah mich nach einem Lichtschalter für die Lampe die in der Mitte hin um.
Ich tapste vorsichtige ein paar Schritte um die Luke herum und fand einen Schalter am Rahmen, sofort drückte ich darauf und das Licht flackerte auf.
Komischerweise waren hier oben kaum Spinnweben oder Staub. Ich stieg zwischen den vielen Kisten umher zu dem Sofa und ließ mich darauf fallen. Sofort sprang eine Eisenfeder daraus und erschrocken sprang ich auf.
„Oh mein Gott.“, musste ich leise über mich selber lachen – weil ich total schreckhaft war.
„Na toll! Sie hat es kaputt gemacht!“, hörte ich eine leicht verärgerte aber auch ironisch gemeinte Stimme hinter mir. Und ich zuckte erneut zusammen.
Mein Herz fing an zu rasen. Irgendjemand war hinter mir – ein Junge. Und als ich auf den Boden sah, bemerkte ich den Nebel wieder. Ich wagte nicht zu atmen.
„Ist doch egal, das Ding war sowieso scheiße.“, hörte ich jetzt jemand anderes sagen.
Immer noch blieb ich wie angewurzelt stehen. „Seit mal leise. Guckt doch – ihr erschreckt das Mädchen…“, wieder jemand anderes. „Ich glaube sie traut sich schon gar nicht mehr sich zu bewegen.“, lachte eine vierte leise auf.
Der Nebel um meine Füße wurde immer dicker und dicker „Lass sie nicht zu mir kommen… lass sie bitte verschwinden!“, flüsterte ich ganze leiser immer wieder vor mich hin.
„Hey…“, plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und schrie auf. Angsterfüllt wirbelte ich herum, erblickte vier Jungs vor mir, rannte an ihnen vorbei, fiel die Falltür hinunter, rollte mich aus dem Schrank und schmiss die Türen hinter mir zu.
ich spürte mein Herz bis zum Hals schlagen und ich zitterte am ganzen Körper.
Nach einer Weile, stand ich mit wackeligen Beinen auf und trat ein paar Schritte zurück. Es war wieder ruhig geworden und ich atmete erleichtert aus.
 
Ich sah mit Klara m Esstisch und schälte Kartoffeln für das Abendbrot. Nur mit zwei schwachen Lampen in der Küche mussten wir arbeiten und draußen fiel schon wieder der dicke Schnee.
„Ich glaube wenn es so weiter schneit, kann ich morgen nicht zur Schule.“, sagte ich verträumt und sah aus dem Fenster. „Du gehst auf jeden Fall zur Schule!“, kam es nur von Klara, die mir die fertigen Kartoffeln weg nahm und in einem Kochtopf warf.
Ich lehnte mich zurück und sah mich um – ich fand die Küche von unserem Haus am gemütlichsten, gleich nach meinem Zimmer und dem Wintergarten. Im Wohnzimmer war es zu leer für meinen Geschmack.
 
Nach dem Abendbrot, nahm ich mir heimlich noch etwas mit nach oben und sagte meiner Tante, dass ich schlafen gehen würde.
Schnell schloss ich die Tür hinter mir und kam mit einem Teller und etwas zu essen herein, stellte alles auf dem roten Teppich ab und setzte mich auf mein Bett.
Eine Zeit lang, starrte ich den Teller an und wartete darauf, dass etwas passieren würde. „Ach…“, seufzte ich, stand auf, machte die Schranktüren auf und sah zur Leiter – die Falltür war wieder zu, worüber ich mich sehr wunderte, denn ich war mir ganz sicher, dass ich sie offen gelassen hatte.
Und als ich genauer hinhörte, vernahm ich leiser Geräusche – sie gaben einen Takt an und ich hörte eine Melodie. Die Instrumente! Jemand spielte auf den Instrumenten.
Eine leise Stimme sang etwas, ich konnte Bruchstücke von einem Text hören, „Sag dass das nicht wahr ist … sag es mir…. mein SOS… hörst du mich…“ es hörte sich total traurig an und für einen kurzen Augenblick spielte ich wieder mit dem Gedanken hinauf zu gehen und endlich zu gucken, wer dass da oben war – wer der Unbekannte Mitbewohner war.
Ich war total in Gedanken versunken und bekam gar nicht mit, dass die Instrumente aufgehört hatten zu spielen und es oben auf dem Dachboden wieder ganz leise wurde.
Ich sah wieder hinauf zur Falltür und ein Schrei entfuhr mir. vor mir sah ich ein Jungengesicht, sein Kopf schaute aus der geschlossenen Falltür hindurch auf mich. Schnell taumelte ich zurück aus dem Schrank und kroch zum Bett. Ich spürte mein Herz schneller schlagen.
Eine Gestalt schwebte die Leiter herunter und stand nun vor mir im Schrank – sah mich ruhig an und sagte kein Wort. Der Junge sah blass aus und hatte tiefe Augenringe. Doch als ich genauer hinsah, bemerkte ich, das er geschminkt war, er hatte schwarz ummalte Augen und auf einmal streckte er mir die Zunge raus „Bähh!“ und ein Pircing kam zum Vorschein.
Ich stutze, wagte es aber nicht mich zu bewegen. Ich sah weiter wie gebannt auf den Jungen vor mir, der den Kopf nun schräg legte und zurück starrte. Er trug ein schwarzes Shirt mit einem roten Totenkopf darauf und eine zerrissene Hose. Außerdem hatte er unnatürlich viel Schmuck für einen Jungen um.
Auf einmal machte er einen Schritt auf mich zu und ich wich erschrocken zurück, sofort blieb der Junge wieder stehen und sah mich weiter hin an.
„Und? Kann sie uns wirklich sehen?“, hörte ich plötzlich eine andere Stimme von oben und blickte auf. Zwei weitere Köpfe schauten aus der Decke zu mir herunter.
Es waren wieder zwei Jungs, der eine trug ein Käppi und der andere hatte braune längliche Haare.
Ein Poltern und erschrocken blickte ich wieder zu dem geschminkten Jungen vor mir, neben ihm stand jetzt noch ein Vierter, er trug Dreads und weite Kleidung.
Ich öffnete den Mund und wollte irgendetwas sagen, fragen, was weiß ich, doch ich fand meine stimme nicht.
Langsam füllte sich mein Zimmer mit Nebel und es wurde etwas Kalt.
„Anscheinend kann sie uns sehen – so wie sie guckt.“, sagte endlich der Junge mit den Dreads und setze sich vor den Schrank auf den Boden.
„Aber wieso?“, fragte es über mir und die beiden Jungs kamen aus der Decke herunter geschwebt und gesellten sich zu dem mit den Dreads. Der geschminkte Junge stand immer noch im Schrank und sah mich an.
„Ich…Ich…“, stotterte ich und bekam erwartungsvolle Blicke der Vier. „Wer seid ihr?“, fragte ich endlich leise und starrte sie weiter hin an.
„Also, das ist Gustav…“, der Junge mit dem Käppi machte eine leichte Verbeugung und grinste breit. „…Das ist Tom….“, Tom wischte einmal durch die Luft zur Begrüßung – ich deutete diese Bewegung mal als ein Winken, „… Ich bin Georg…“, der Junge mit den braunen  Haaren lächelte und wandte sich um, „Und der da im Schrank ist Bill.“, stellte er nun den geschminkten und letzten Jungen vor.
„Aber wer seid ihr?!“, fragte ich wieder. „Mit wem haben wir es hier denn zu tun?“, fragte Tom und rutschte ein Stück weiter zu mir.
„Ähm, ´tschuldigung… Cathrin.“, sagte ich dann etwas verlegen, weil ich mich nicht vorgestellt hatte. „Also Cathrin. Darf ich das essen?“, fragte Tom weiter und stierte den Teller an, den ich mit hoch gebracht hatte. „Klar…“, nickte ich immer noch total fasziniert.
Als sich Tom etwas vorbeugte um den Teller zu nehmen, traute ich meinen Augen nicht – ich sah zwei Einschusslöcher in seinem weiten Shirt und getrocknetes Blut klebte daran.
„Seid ihr…“, fing ich an und sah die blassen Jungs vor mir an, „…tot?“, flüsterte ich fassungslos. Die Vier sahen sich gegenseitig an und endlich kam auch Bill aus dem Schrank und setzte sich dazu.
Plötzlich zog Georg sein Shirtkragen etwas herunter und ich sah eine tiefe Schnittwunde in seinem Hals und das Blut war nur so an seinem Körper herunter geflossen und getrocknet. Gustav hielt mir seine Hände hin und ich sah wieder tiefe Schnittwunden an seinen Pulsadern. Als ich zu Bill blickte, sah ich traurige Augen – sehr traurige Augen, doch woran er gestorben ist, konnte ich nicht erkennen.
„Aber… was seid ihr… wie… warum…“, mir flogen so viele Gedanken im Kopf herum und wusste gar nicht was ich jetzt glauben sollte – war das hier alles Real oder träumte ich es?!
„Tja. Wir glauben, dass wir Geister sind. Doch eigentlich wissen wir es gar nicht so genau.“, sagte Tom und aß fleißig das Abendbrot von uns.
„Geister?!“, sagte ich leise vor mich hin. „Aber wieso du uns sehen kannst, wissen wir auch nicht. Du bist die Erste.“, sagte Bill nun endlich.
„Und warum seid ihr gestorben?“, fragte ich vorsichtig. Schweigen. „Warum seid ihr hier?!“, fragte ich weiter. „Das war mal unser Haus.“, sagte Tom und stopfte sich das letzte Stück in den Mund, „War lecker.“, sagte er und lächelte.
„Und wie lange seid ihr schon … tot?“, ich konnte immer noch nicht glauben, dass ich hier wirklich mit Toten sprach – mit Zombies, mit... ich weiß nicht was.
„Tja.. welches Jahr haben wir? 2021?“, fragte Gustav und sah mich fragend an. schnell nickte ich. „Seid 15 Jahren.“, kam die Antwort. „Und wie alt wart ihr als…“ „16“, kam es von Tom. „Grade 18 geworden.“, sagte Gustav. „19“, Georg „Auch 16, wie Tom“, meinte Bill. „Ihr seid Zwillinge?!“, stellte ich auf einmal fest und erkannte die gleichen Gesichtszüge wenn man sich die beiden genauer ansah.
plötzlich ließ Tom den Teller ausversehen fallen, weil er ihn eigentlich zurück stellen wollte und er zersprang in tausend Scherben. „Oh tut mir leid!“, sagte er schnell und wollte da Zerbrochenen aufheben.
„Lass schon. Ich mach das.“, sagte ich schnell, stand auf und wollte die Scherben aufheben. „CATHRIN? WAS IST DA LOS?“, schrie es auf einmal von unten – meine Tante.
Erschrocken blickte ich auf, „Verschwindet!“, zischte ich leise und sammelte den kaputten Teller auf. „Na los! Verschwindet!“, zischte ich wieder, als sich keiner der Jungs bewegte. Doch als wir die wütenden Schritte auf der Treppe hörten, liefen die vier so schnelles ging zurück in den Schrank und schlossen die Tür hinter sich.
„WAS IST HIER PASSIERT?“, schrie meine Tante und kam ins Zimmer geplatzt. „Es tut mir leid. Der Teller ist mir herunter gefallen.“, sagte ich schnell und schmiss die Scherben weg.
„Wie konnte das passieren? Und warum bist du noch nicht im Bett?“, Klara kam auf mich zu, holte aus und es klatschte lauf – ich bekam wie so oft eine Ohrfeige.
„Geh schlafen!“, befahl meine Tante und schmiss die Tür hinter sich zu. ich spürte wie meine Wange anfing zu brennen und hielt eine Hand dagegen.
Von oben hörte ich wieder die leise Musik und lächelte leicht.
 
***
 
„Bitte was?“, Annika sah mich fragend an. ich hatte ihr von den Vier toten Jungs erzählt, doch wie alle, glaubte sie mir natürlich auch nicht. „Du spinnst doch!“, sagte sie, musste aber lächeln und wandte mir den Rücken zu.
wie dumm konnte ich denn eigentlich sein? Wieso erzählte ich immer wieder von diesen Erscheinungen? Immer endete es damit, dass mich die Leute für verrückt erklärten oder nur belächelten.
Doch plötzlich drehte sich Annika wieder zu mir um, „Zeig sie mir! dann glaube ich dir…“, sagte sie und lief in unseren Klassenraum, wo der Lehrer grade hinein gegangen war. Toll… wie soll ihr die vier denn zeigen?! Sie sieht sie doch gar nicht.
Zum Glück vergingen heute die Unterrichtsstunden schnell und die letzte war nur noch Kunst – wo man sowieso kaum etwas machen musste.
Ich folgte meiner Klasse in den Kunstraum, irgendwo in dieser kalten Schule. Wir liefen ein paar Stockwerke höher und dann wieder einen langen, leeren Gang entlang. Plötzlich stutze ich, weiter hinten sah ich einen bunten Raum. Bunt – nicht zu fassen.
Ein Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit und ich betrat den Kunstraum. Hier war aber auch wirklich alles bunt – von den Wänden bis hin zu den Tischen und Stühlen, alles in bunten Farben und Mustern. Das hätten sie mal auf den Rest der Schule verteilen sollen, dachte ich mir und suchte schnell einen freien Platz.
„Seid ruhig! Seid ruhig!“, hörte ich einen Lehrer rufen und alle setzten sich schnell auf einen Stuhl.
Auch in diesem Fach schienen wir Herr Rau zu haben, langsam fragte ich mich schon, ob es hier auch andere Lehrer gab, denn wir hatten bis jetzt immer nur unseren Klassenlehrer gehabt.
„Gut. Ihr habt alle einen Platz!“, stellte er fest und ließ einen großen Stapel weißer Blätter auf den Lehrertisch fallen. „Tuschen. Das ist unser Thema für dieses Jahr.“ Die Klasse fing an zu stöhnen, „Nicht schon wieder!“, rief jemand.
Herr Rau überhörte diese Aussage und wandte sich wieder dem Unterricht zu. „Wer holt denn mal Wasser?“, rief er und sah sich um, sofort taten alle, als hätten sie etwas Wichtiges zu tun und so viel sein Blick auf mich.
Ich nickte widerwillig, nahm den großen Eimer, den mir der Lehrer gab und machte mich auf den Weg. Ich musste bis nach ganz unten zu den Klos laufen und da Wasser holen.
Im Mädchenklo angekommen, ging ich zu den Waschbecken, hielt den Eimer darunter und drehte das Wasser auf. „Wie lange soll das denn dauern?“, seufzte ich, als ich sah wie wenige Wasser aus der Leitung kam und wie groß der Eimer war.
Ich blickte in den Spiegel vor mir und erschrak – der Nebel. Ich riss den Kopf herum und erstarrte, der Mann vom ersten Tag stand hinter mir und lächelte leicht.
„Na willst du jett wissen, was das hier früher für ein Gebäude war?“, fragte er leise und lächelte weiter dieses gruselige Lächeln. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken und spürte plötzlich, dass das Wasser im Eimer überlief, schnell drehte ich den Hahn wieder zu und hievte den Eimer auf den Beckenrand.
Als ich mich wieder dem Mann zuwandte, schrei ich auf, er stand direkt hinter mir und ich ließ vor Schreck den Eimer fallen. „Pscht..!“, hauchte er und kam näher zu mir heran. Ich rutschte zurück auf die Waschbecken, wollte nur noch weg.
„Was glaubst du war das hier?“, fragte er leise und sah mir mit seinen leeren Augen in meine. Er kam mir immer näher und berührte fast schon meine Nase.
„Eine Schule!“, stotterte ich leise und meine stimme brach ab. „Eine Schule? Nein!“, er lächelte und ging wieder etwas auf Abstand zu mir.
„Das hier war keine Schule!“, er sah sich im Raum um. „Ich kann die Schreie immer noch hören… sie hallen immer noch in meinem Gedächtnis wieder. Diese Schreie um Hilfe – diese Schreie um Gnade. Doch es hat alles nichts genützt.“, sein Blick fiel wieder auf mich.
„Das hier.. meine Kleine… war mal ein Flüchtlingslager, doch leider dachten dass nur die Flüchtlinge. Weißt du, wie es ist den Menschen hier beim sterben zu zusehen? Mitten in der Nacht wach zu werden und diese Schreie zu hören?!“, erzählte er mit ruhiger Stimme weiter.
Ich schüttelte angsterfüllt den Kopf.
„Hast du sie noch nicht gesehen?“, fragte er und wieder schüttelte ich den Kopf. „Hast du sie wirklich noch nicht gesehen, draußen im Eingang?“ Plötzlich kam er mit schnellen Schritten wieder auf mich zu und ich drückte mich gegen die kalte Wand hinter mir. Ich spürte sein Atmen auf meiner Haut. Lange, sehr lange war es ruhig.
„Hast du nicht ihre schmerzverzerrten Gesichter gesehen?!“, flüstert er.
„NEIN!“, schrie ich auf einmal, schubste den Mann mit Tränen in den Augen weg, „NEIN, NEIN, NEIN!“, schrie ich, riss die Tür auf und hörte ein raues Lachen hinter mir. „NEIN!“, schrie ich immer noch und lief in die Eingangshalle, wo ich nur noch schreien konnte.
An der Decke hingen tote Mensche – erhängt. Sie sahen mich mit leeren Augen an. Blut tropfte von der Decke herunter und als ich auf den Boden sah, stand ich Blutlachen. „NEIN!“, ich wollte nur noch weg. Lief angeekelt zur Tür.
„Hilf uns…“ „Wir wollen nicht sterben!“, ich hörte von allen Seiten klägliche Hilferufe und irgendwo weinten Kinder.
Ich lief weiter, versuchte die Rufe zu ignorieren, riss die Glastüren auf und lief, lief, lief ganz weit weg!
 
***
 
Durch den ganzen Stress der letzten Tage bekam ich jetzt auch noch hohes Fiber. Und das ich nach der Schule in einen Regen gekommen war, verschlimmerte meinen Zustand nur noch.
Ich kam trief nass bei uns zu Hause an, lief die paar Stufen zur Tür hinauf, kramte meinen Schlüssel heraus und schloss sie schnell auf. Endlich im Trocknen.  Zum Glück war meine Tante nicht da und käme erst wieder spät Abends. Ich zog mir meine nassen Klamotten bis auf die Unterwäsche aus, hängte sie in das kleine Bad hier unten und lief frierend rauf in mein Zimmer, durch wühlte meine Kartons und zog mir trockenen Kleidung an.
„Hatschuuu!“, ich musste niesen und kroch ins Bett.
„Hat sich da etwa jemand erkältet?“, ich blickte zur Decke und sah Tom über mir. Ich sagte nichts, kroch einfach nur noch weiter unter die Decke.
Tom kam herunter und setzte sich ans Bettende. Immer noch etwas misstrauisch zog ich lieber schnell die Beine ein. „Was?“, fragte er, als er das bemerkte. „Warum könnt ihr einen anfassen, obwohl ihr tot seid?“, fragte ich. „Keine Ahnung. Können wir dich anfassen?!“, fragte er, kam auf mich zu gekrochen, ganz nah und berührte meine Wange mit einem Finger.
„Oh!“, machte er erstaunte, „Das wusste ich nicht.“, er lächelte und legte eine ganze Hand auf meine Wange.
Plötzlich spürte ich ein leichtes Brennen, was immer doller wurde auf meiner Wange. „AHHH!“, schrie ich irgendwann auf und wich zurück, hielt mir die Hand gegen das Brennen und sah Tom an. „WAS?“, fragte er erschrocken. „Das tat weh!“ „Was?“ „Ich weiß nicht. Deine Berührung – es hat auf einmal angefangen zu brennen.“, sagte ich und spürte wie meine Wange glühte.
„Hey!“, hörten wir eine fröhliche Stimme im Schrank, Bill und Gustav kamen zu uns. „guckt mal, wir können sie anfassen.“, rief Tom sofort und drückte mir auf meine Hand. „Echt? Warum das denn? Ich dachte wir seien richtig tot – also Geister oder so was.“, rief Gustav erstaunt und kam zu mir und stipste mir auch auf meinen Kopf, „Cool“, rief er und grinste. „Aber nicht zu lange!“, sagte Tom schnell, „Irgendwann tut es ihr weh.“ „Es fängt an zu brennen.“, meinte ich und rieb mir immer noch meine Wange.
Gustav und Bill setzten sich zu uns auf das Bett – Gustav neben Tom und Bill legte sich neben mich und streckte die Beine aus.
„Und was gibt es neues in der Welt?“, fragte Georg, der auch auf einmal den Kopf durch die Decke hielt. „Nichts Besonderes…“, sagte ich, was sich mehr nach einer frage anhörte.
Georg kam auch noch zu uns und setzte sich auf den Boden, da das Bett voll war.
„Ist total ungewohnt mit jemand anderen zu sprechen.“, sagte Bill auf einmal und sah mich an, „Wir haben noch nie jemanden getroffen, der uns sehen kann.“ Und die anderen nickten zustimmend.
Ich lächelte und das große Schweigen trat auf. Eigentlich hätte ich so viele Fragen, doch ich traute mich nicht sie auszusprechen. Ich sah gedankenverloren aus dem Fenster.
„Was ist?“, grinste Bill, der meinen Blick verfolgte.
„Kann ich euch was fragen?“, ich sah die vier zögernd an und bekam ein nickendes Schulterzucken. „Wer hat euch umgebracht? Wer wart ihr vorher? Und wie ist es allein zu sein – also so als Geist und den anderen beim Leben zuzusehen?“, sprudelte alles aus mir heraus.
„Keine Ahnung. Jungs. Tja, etwas langweilig.“, grinste Gustav und beantwortete alle Fragen hinter einander. (versteht ihr das?) „Aber wo ist eure Familie? Warum seid ihr nicht bei denen im Haus?“, fragte ich. „Wir wissen nicht wo unsere Eltern hingezogen sind. Wir sind erst 1 Jahr später zu Geistern - oder was weiß ich was wir sind - geworden. Daher sind wir dann lieber hier geblieben.“, sagte Bill.
„Wisst ihr, dass es noch mehr wie euch gibt?“, fragte ich weiter. „Echt?!“, die vier Jungs sahen mich groß an. „Aber die sind alle ein bisschen…“, ich machte eine Pause, da mir das richtige Wort nicht einfiel, „…gruselig.“, hauchte ich leise.
„Warum das denn?“ „Ich weiß es nicht… die sind irgendwie… ich kann es nicht beschreiben. Sie machen mir Angst.“
„Hatschuuu!“, ich musste schon wieder niesen. „Oi, das hört sich gar nicht gut an.“, Bill legte mir eine Hand auf die Stirn – langsam spürte ich das Brennen wieder, doch bevor es zu dolle wurde, nahm er sie wieder weg, „Fiber. Und das nicht grade wenig.“, stellte er fest.
„Toll.“, stöhnte ich und rutschte weiter unter die Decke. „Ruh dich lieber aus.“, Gustav sah mich besorgt an, wahrscheinlich sah ich richtig fertig aus.
die Jungs standen auf und verschwanden wieder nach oben auf den Dachboden. Ich musste grinsen, als sie weg waren mir würde nie jemand glauben, dass ich Geister sehen kann…! Schnell zog ich meine Decke noch etwas höher, machte es mir bequem und schloss die Augen.
 
***
 
Gegen Abend wurde ich wieder wach. Ich hatte den ganzen Tag verschlafen, doch es hatte irgendwie nichts genützt, denn jetzt fühlte ich mich richtig krank.
Verschlafen drehte ich mich im Bett um und hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen, „Was machst du denn hier? Sitzt du schon lange da?“, fragte ich Bill, der neben meinem Bett auf dem Boden hockte und mich anstarrte.
„Ich saß die ganze Zeit hier. Du siehst total lustig aus wenn du schläfst.“, grinste er breit. „Haha!“, ich musste etwas lächeln und zog die Decke wieder bis zum Kinn, da es im Zimmer ziemlich kalt war.
„Wo sind die anderen?“ „Oben, die spielen.“, kam es von Bill, der sich jetzt richtig hinsetzte. „Ich hab euch schon gehört. Sind das eure eigenen Lieder?“, fragte ich. „Klar. Alle selbst geschrieben, komponiert und gespielt.“, sagte Bill stolz. „Ui. Ich hoffe ihr spielt mir mal etwas vor.“
Schweigen. Ich betrachtete mir Bill etwas genauer. „Wie war dien Leben?“, fragte ich auf einmal laut, eigentlich wollte ich es nur denken, doch das ging wohl irgendwie nicht. „Mein Leben…“, Bill überlegte, „Das ist schon so lange her. Eigentlich ganz gut.“, sagte er knapp, anscheinend wollte er nicht so gerne darüber sprechen und so ließ ich ihn.
„Du zeichnest?!!“, Bill sah sich in meinem Zimmer um, wo die ganzen Skizzen an den Wänden hingen. „Sieht toll aus. ein paar Städte erkenne ich so gar wieder.“, er stand auf und ging zu einem Bild, das ich in Berlin gemalt hatte, wo das Brandenburgertor drauf zusehen war.
„Na ja, ein paar sind einfach nur so dahin gekritzelt.“, sagte ich etwas verlegen – denn nie zuvor hatte ich meine Bilde irgendjemanden gezeigt, wem denn auch? Die dachten sowieso alle ich sei verrückt.
Plötzlich fielen mir die Namen in der Wand wieder ein, „Wem gehörte das Zimmer hier früher?“, fragte ich und setzte mich auf. Bill stand immer noch vor meinen Bildern und betrachtete sie, „Das war mal meins. Ich hatte es fast genau so eingerichtet.“, sagte er neben her.
„Und wer ist Katrin?“, fragte ich weiter. Bill wandte sich zu mir um und sah mich erstaunt an. „Woher weißt du…“ „Ich hab es in der Wand gesehen. Katrin+B… Katrin+Bill…?!“, fragte ich leicht und wartete eine Reaktion ab.
Bills Augen wurden traurig und er blickte auf den Boden.
„Das Bild gefällt mir. wer ist das?“, fragte er schnell und zeigte auf eine Zeichnung, wo ich ein Mädchen im Park gemalt hatte. Sie saß grade am Ufer und mir fiel nichts ein, so hatte ich sie gezeichnet. „Ich kenne sie nicht.“, meinte ich, „Wenn du willst, kannst du das Bild haben.“ „Nein. Nein.“, sagte er schnell, „Wo soll ich es denn auch hin hängen?“
„Und was sind das da oben für Zettel und Briefe die überall herum liegen?“, ich war total neugierig geworden und stand jetzt sogar auf.
„Ach das, dass sind Briefe von unseren Fans, Songtexte, Verträge das Krams halt. Wir wollten es nicht weg schmeißen und lesen uns die Briefe immer noch durch – es sind einfach zu viele um sie schon alle gelesen zu haben. Manche Fans haben sich total die Mühe gegeben, gebastelt, gemalt, gezeichnet, Gedichte geschrieben und so weiter – nun ja, doch jetzt ist es zu spät…“ Bill schweifte in die Vergangenheit ab, das merkte ich,
„Was für Fans?“, fragte ich schnell, doch bevor Bill antworten konnte, fiel unten die Haustür ins Schloss, Klara war zu Hause. sofort verschwand Bill zurück auf den Dachboden und ich legte mich ins Bett.
 
Ich bekam in der Nacht richtig hohes Fiber und wachte total verschwitzt auf. Mein Schlafanzug klebte am Körper und das Kopfkissen war total nass.
Ich sah auf die Uhr 4:07. „Scheiße!“ Ich warf die Decke auf, kletterte aus dem Bett und zog mir was anderes, warmes an.
Schnell schnappte ich mir noch eine dünne Decke und öffnete meinen Schrank – die zweite Wand war immer noch offen und so kletterte ich die Leiter hinauf auf den Dachboden. Alles ruhig.
„Tom! Bill! Georg… Gustav!“, rief ich leise, nichts bewegte sich. ich suchte nach dem Lichtschalter und knipste ihn an.
die Jungs waren nicht da. Etwas enttäuscht stolperte ich zum Sofa und ließ mich darauf fallen. Plötzlich fielen mir Zettel auf, die auf dem Boden verstreut lagen. Ich nahm sie und blickte darauf.
 
Du stehst auf und kriegst gesagt wohin du gehen sollst
Wenn du da bist hörst du auch noch was du denken sollst
Danke das war mal wieder echt´n geiler Tag
Du sagst nichts und keiner fragt dich

 
Es waren Lieder – wahrscheinlich die Lieder von denen Bill gesprochen hatte. Wouw. Sie gingen mir zu Herzen, vor allem als ich rette mich las.
Ich wunderte mich, dass Bill so etwas schon schrieb – oder, dass er das mit so jungen Jahren damals schon geschrieben hatte.
„Na. Interessant?“ Ich blickte auf und sah in vier grinsende Gesichter. „Tut mir leid. Ich wollte nicht rum schnüffeln.“, sagte ich schnell und legte die Zettel weg. „Ach das sind nur die Lieder.“, winkte Tom ab und setzte sich neben mich, genau wie Bill und Georg. Gustav ließ sich auf den Boden nieder, da das Sofa zu klein war.
„Wo wart ihr?“, fragte ich und sah den Nebel zwischen meinen Beinen aufsteigen. „In der Schule.“, die Vier sahen sich an. „Habt ihr sie gesehen? Die anderen?!“, fragte ich und bekam ein Nicken.
„Wir wüssten gar nicht, dass es so viele von uns gibt.“, meinte Gustav und nahm die Sticks, die neben ihm lagen.
„Wollt ihr mir nicht mal was vorspielen?“, fragte ich schnell um auf ein anderes Thema zu kommen. „Und was ist mit deiner Tante?“, fragte Georg misstrauisch. „Hört die das?“ „In welche Zimmer schläft sie denn?“, fragte Bill. „Ähm, wenn man die Treppe rauf kommt, ist doch rechts das Bad und da gegen über.“, erklärte ich. „Nee. Ich glaube nicht das sie uns hört, oder?“, Tom sah seinen Bruder an, der den Kopf schüttelte.
Ich grinste breit, machte es mir bequem, kuschelte mich in meine decke und sah den Jungs zu, wie sie ihre Instrumente nahmen und sich einspielten.
Ich war etwas überrascht, dass Bill singt. Auch dass Gustav Schlagzeug, Georg bass und Tom Gitarre spielt. Ich hatte mir die Aufteilung etwas anders vorgestellt. Doch als die vier anfingen zu spielen, änderte ich schnell meine Meinung – genau so war die Aufteilung richtig. Und als Bill noch anfing zu singen, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, seine Stimme fesselte einen richtig und er war ein ganz anderer Mensch wenn er sang – er zeigte viel mehr von sich selber als vorher.
Während die Jungs spielten sah ich mich weiter im Raum um, jetzt erst fiel mir auf, dass ganz viele Fotos an der Wand hinter mir hingen, alle von irgendwelchen Mädchen.
Ich sah sie mir genauer an, manche hatten kleine Herzen dazu gemalt andere hatten Poster der Jungs im Hintergrund an der Wand hängen – Wer waren die vier?! Schoss es mir bei den Bilden durch den Kopf.
Plötzlich blieb ich bei einem Bild hängen. Ein Mädchen war zu sehen, sie neigte ihren Kopf und lächelte leicht. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem Zopf zusammen gebunden. Sie kam mir bekannt vor und als mein Blick auf das Datum fiel, erschrak ich leicht – Mama.
Ich bekam gar nicht mit, dass die Musik aufgehört hatte. „Ist was?“, fragte eine stimme hinter mir und ich spürte den Atme in meinem Nacken. Als ich mich umwandte sah ich das blasse Gesicht von Bill hinter mir.
„Wer ist das?“, stotterte ich und zeigte auf das Foto was ich mir die ganze Zeit angeguckt hatte. „Das? Oh. Ich glaube sie war bei allen Konzerten, Verleihungen und Interviews die wir je geben hatten…“, lachte Bill und zeigte den anderen wen ich meinte.
„Anja?! Oh ja, an die kann ich mich auch noch erinnern, aber…“, Gustav stockte und sah sich das Bild genauer an, dann sah er auf einmal zu mir und wieder zum Bild.
„Ist das…“ „Ja, ich glaube schon…“, nickte ich. „Was?“, Tom verstand gar nichts und drängelte sich neben Gustav und mich. „Das ist meine Mutter.“, sagte ich leise und starrte das Foto weiter an. „Wirklich?“, Bill zog das Bild von der wand und hielt es hin und verglich es mit mir, „Stimmt. Die gleichen Augen, das gleiche Gesicht…!“, stellte er fest.
„Kann…. Kann ich das Bild… haben?“, fragte ich leise und mit Tränen in den Augen. Ich hatte nicht ein Bild von meiner Mutter nach ihrem Tod gesehen – meine Tante erlaubte es mir nicht. Bill gab mir das Foto und ich sah es mir wieder an. eine Träne tropfte darauf.
„Sie ist vor… 5 Jahren gestorben.“, flüsterte ich und strich mit einen Finger über ihr Gesicht. Plötzlich stolperte Bill nach hinten, „Woran?“, fragte er erschrocken. Ich verstand sein verhalten nicht recht, „Ich weiß es nicht. Man hat es mir nie gesagt.“
Ich sah die anderen an, die Bills Verhalten anscheinend auch nicht recht verstanden und als er plötzlich durch die Wand verschwand, sahen sie mich genau so fragend an wie ich sie.
 
***
 
Die nächsten Tage war Bill immer noch nicht zurückgekommen und seine Freunde machten sich auch schon langsam Sorgen. „Wo kann er denn sein?“, fragte ich, „Und wieso ist er weg gelaufen?!“ „Das wissen wir auch nicht.“, sagte Georg.
Doch als ich zu Tom sah, verstand ich – sein Bruder wusste, wieso Bill weg war, man sah es ihm an. „Tom. was ist los?“, fragte ich und ging zu ihm. „Das kann ich nicht sagen.“, Tom sah die anderen beiden an, „Ihr müsstet eigentlich auch wissen wieso er weg ist.“, sagte Tom und verschwand zurück auf den Dachboden.
Nun wandte ich mich Georg und Gustav wieder zu, die überlegten. „Es muss as mit dem Foto zu tun haben,… oder?“, fragte ich und nahm das Bild meiner Mutter. Auf dem Foto war sie ungefähr in dem alter wie ich. „Ihr kanntet sie?!“, ich hielt den beiden das Bild hin.
„Ich weiß nicht mehr – irgendwie kommt sie mir schon bekannt vor.“, sagte Gustav und runzelt die Stirn. „Ach!“, entfuhr es Georg, „Ich weiß wer das ist!“, er schlug sich vor Schusseligkeit vor den Kopf. „Wer?“, fragten Gustav und ich gleichzeitig, doch Georg verriet auch nichts, er verschwand nur auch nach oben zu Tom und so waren Gustav und ich die einzigen, die nicht wussten was los war.

„Aber ich glaube, dass er zurück kommen wird!“, munterte er mich auf, als ich wieder auf das Foto blickte. „Hoffentlich.“, sagte ich leise und etwas verträumt.
Plötzlich merkte ich, wie Gustav an fing zu grinsen und blickte auf, „Was?“, fragte ich. „Du magst ihn…“, grinste er mich an. „Was? nein… ich meine, er ist ganz nett, aber…“ „Du magst ihn!“, grinste er weiter und verschwand mit einem Augenzwinkern auch nach oben.
„Du magst ihn!“ „Du magst ihn!“ es stimmte schon, dass zwischen Bill und mir irgendwas war, aber ich glaube, dass er mich nur so wegen diesem Geheimnisvollen fasziniert, oder war da doch mehr? Ich kannte Bill überhaupt gar nicht.
Ich setzte mich etwas verwirrt auf mein Bett und starrte aus dem Fenster, was ist es, das bei Bill und mir anders als bei den anderen ist?
Plötzlich wurde mein Fenster aufgestoßen und ein kalter Wind wehte herein. Der Himmel verdunkelte sich und Nebel stieg in meinem Zimmer auf. Erschrocken zuckte ich zusammen und ließ das Bild meiner Mutter fallen. Ich konnte Umrisse einer Person am Fenster erkennen.
„Wer ist da?“, fragte ich leicht ängstlich. Keine Antwort.
Die Person kletterte in mein Zimmer und schloss das Fenster hinter sich wieder. Der Nebel breitet sich aus und enthüllte diesen Jemand.
„Bill?!“, fragte ich zögernd, „Bist du das?“ und langsam erkannte ich ihn.
Erleichtert sprang ich auf und fiel ihm um den Hals, „Oh mein Gott. Erschreck mich doch nicht so!“, als ich ihn wieder los ließ, schlug ich ihn leicht, weil ich beleidigt war. „Hey… tut mir leid.“, lächelte er. „Ist alles in Ordnung?“, fragte ich und sah in sein blasses Gesicht.
„Klar, warum nicht.“, grinste er, ging an mir vorbei und setzte sich auf mein Bett. „Wo warst du? Wir haben uns schon Sorgen gemacht…“ „Ist doch egal. Ich bin wieder hier.“ Jetzt wusste ich, was anders zwischen ihm und mir und den anderen war – er verriet nicht viel über sich und das verband uns mehr oder weniger. Von mir wusste eigentlich auch keiner etwas.
„Was machst du heute Abend?“, fragte Bill auf einmal und riss mich mal wieder aus meinen Gedanken. „Ähm nichts?!“ „Ok, dann komm heute Abend mit.“, grinste er mich erwartungsvoll an. „Ok…?!“, sagte ich etwas zögern und war über sein Verhalten total verwundert, ließ mich jedoch drauf ein.
„Gut. Ich hole dich dann heute Abend.“, sagte er leise, stand auf und schwebte durch die Decke auf den Dachboden. Lange sah ich ihm noch nach, bis ich dann endlich realisiert hatte, dass wir heute Abend eine Verabredung hatten – ich mit einem Toten… ein Toter und ich… Ich lachte auf, war ich jetzt endgültig verrückt geworden?
 
Ich sah gelangweilt auf die Uhr, 23:48 Wann ist den bei Bill ´heute Abend`? ich lief schon die ganze Zeit auf und Ab in meinem Zimmer und wunderte mich, dass nicht schon längst ein kleiner Pfad auf dem Weg wo ich hin und her ging entstanden war.
„Ist die Dame fertig?“, fragte eine Stimme hinter mir und ich wandte mich lächelnd um. „Ich glaube schon.“ „Nimm dir lieber eine Jacke oder so noch mit.“ „Wieso? Gehen wir raus?“, fragte ich, nahm mir einen dicken Pulli, wurde sofort von Bill an die Hand genommen und vors Fenster gezogen. „Gut, wie machen wir das jetzt?“, er sah mich überlegend an. „Was denn?“, fragte ich und wusste gar nicht worum es ging.
Plötzlich spürte ich wieder das Brennen in meiner Hand und ließ erschrocken Bill los. „Ok. Das ist ein Problem.“, sagte er leise zu sich selber und überlegte weiter. „Wie lange hältst du dieses Brennen aus?“, fragte er dann.
„Wie meinst du das? Willst du mir nicht lieber sagen wo du mit mir hin willst?“ Kannst du dich ein paar Meter an mir fest halten?“, fragte er.
Ich sah ihn immer noch fragend an, zuckte dann mit den Schultern und nickte leicht, „Ich glaube schon. „Wirklich?“, fragte er vorsichtshalber nach und ich nickte noch mal. Bill öffnete das Fenster und streckte die Arme nach mir aus.
„Dann komm.“ Ich ging zu ihm und hielt mich an ihm fest, „Vertrau mir!“, sagte er kurz und sprang dann aus dem Fenster. Ein leiser Schrei entfuhr mir, „Vertrau mir!“, sagte Bill wieder und er flog mit mir höher und höher.
Etwas ängstlich klammerte ich mich an ihm und spürte schon den Schmerz, mein ganzer Körper fing an zu brennen und am liebsten hätte ich wieder los gelassen, doch dann wäre ich ein paar Meter tief gefallen und so versuchte ich den Schmerz zu unterdrücken, biss die Zähne auf einander und schaute wo Bill mit mir hin wollte.
„Geht’s noch?“, fragte Bill. „Es tut weh!“, jammerte ich. „Wir sind gleich da….“, meinte Bill, umfasste mich fester und landete endlich auf irgendeinem Dach.
Schnell ließ ich ihn los und schnappte nach Luft. „AHhhh!“, ich hielt mir die Hände vor die Brust. „Tut es so dolle weh?“, fragte er mich besorgt.
Ohne zu Antworten, zog ich meinen dicken Pulli hoch und sah mir meinen Bauch an, er war leicht gerötet, doch langsam ließ der Schmerz nach. „Es geht wieder.“, sagte ich leise und lächelte. „Gut.“, Bill drehte sich um und setzte sich an den Rand des Daches hin. „Wo sind wir?“, fragte ich und sah mich um. „Auf einer alten Fabrik.“, erklärter er.
Man sah weiter hinten die erleuchtete Stadt sonst nur Felder und Wiesen. „Hier war früher unser Proberaum.“, erzählte Bill weiter und ich setzte mich neben ihn, ließ die Beine vom Dach baumeln und stütze mich mit den Händen ab.
Eine Weile sahen wir uns schweigend die Stadt an. überall waren vereinzelt Lichter noch an und man hörte ganz, ganz leise den Verkehr.
„Warum bin ich hier?“, fragte ich nach einiger Zeit leise und wandte meinem Kopf zu Bill. im Mondlicht sah er noch blasser aus, als er eigentlich schon war und das ließ ihn zerbrechlich wirken.
„Deine Mutter, Anja. Stimmt´s?“, seine Frage musste ich gar nicht beantworten. „Ich kannte sie.“, er warf mir einen flüchtigen Blick zu um meine Reaktion zu sehen, doch ich blieb ruhig, hörte ihm einfach zu. Bill öffnete den Mund und wollte noch etwas sagen, ließ es dann aber wieder. Anscheinend wusste er nicht recht wie er anfangen sollte oder ihm fehlten die Worte, das wusste ich nicht.
Ich lehnte mich etwas weiter nach vorne und sah das Haus hinunter, „Wie war sie?“, fragte ich dann.
 
Bill erzählte mir wie meine Mutter war, und wie sich kennen lernten, doch was er dabei für eine Rolle spielte, verriet er nicht – mal wieder nicht.
„Und was ist mit dir? Warum erzählst du nichts über dich? Von den anderen dreien weiß ich viel mehr als über dich.“, sagte ich, als wieder das große Schweigen auftrat.
Bill sah mich lange an, „Ich habe immer viel zu viel über mich erzählt – es war nicht gut und daher lasse ich es lieber.“, meinte er leise und sein Blick schweifte wieder auf die Stadt.
„Aber jetzt ist nicht damals….“, doch damit konnte ich ihn anscheinend auch nicht recht überzeugen und so schweigen wir weiter.
Es war irgendwie angenehm Bill neben sich zu haben – auch wenn wir nicht viel mit einander redeten war es einfach de Nähe die wir beide brauchten.
Auf einmal lachte Bill leise auf, „Es ist komisch… die Tochter von Anja jetzt neben mir zu haben.“, sagte er und blickte auf seine Hände, „Sie saß genau wie du hier und sah sich die Stadt an.“, Bill schien mir so glücklich als er von meiner Mutter erzählte und doch zu gleich auch so traurig.
„Du hattest sie gern…“, stellte ich fest und Bill blickte zu mir, langsam nickte er, „Ja, ja das hatte ich.“ Ich lächelte.
„Es ist schon spät. Du solltest dich lieber noch ein wenig ausruhen, damit du morgen wieder in die Schule kannst.“, Bill stand auf und streckte sich. „Du hörst dich schon an wie meine Tante.“, lachte ich und so brachte er mich zurück nach Hause.
„Es war ein schöner Abend….“ „..hoffentlich nicht der letzte.“, sprach Bill meinen Satz zu ende, nahm meine kalte Hand küsste sie sanft mit einer leichten Verbeugung und verschwand.
Ein kribbeln durchfuhr meinen Körper und freudig ließ ich mich mit den Rücken auf mein Bett fallen – am liebsten hätte ich in diesem Moment die ganze Welt umarmt.
 
***
 
„Wie sollen diese Jungs heißen?“, Annika sah mich groß an. „Bill… Tom… Georg… und Gustav…“, sagte ich noch mal ganz langsam.
„Weißt du wer das war?“, fragte sie mich prüfend. „Nein, wer?!“, ich hatte echt keine Ahnung wer diese Jungs waren, anscheinend kannte das ganze Dorf die vier, außer mir mal wieder.
„Sagt dir der Name Tokio Hotel irgendetwas?“, fragte sie mich und bekam ein Kopfschütteln von mir. „Echt nicht?! Diese Band die schon mit 15, 16, 17 Jahren berühmt wurde, die vier mal Platz 1 nach einander hatten, eine ausverkaufte Tour spielten, alle Rekorde brachen und das nur ein einem halben Jahr?!“, sie sah mich ungläubig an.
„Oh warte… ich hab mal von denen gehört. Glaube ich.“, fiel es mir ein. „Also bitte. Die waren zwar noch vor unserer Generation – aber diese Band hat Geschichte geschrieben.“, Annika schüttelte den Kopf.
„Und warum sind sie gestorben?!“, fragte ich. „Tja. Das weiß eigentlich keiner so genau. Es gibt mehrere Versionen: 1. Die Jungs wurden einfach so umgebracht, weil man eifersüchtig auf sie war. 2. Eine Ex-Freundin soll die vier umgebracht haben. 3. Selbstmord. 4. Unfall… such dir was aus.“, sagte sie Schulter zuckend.
„Boah… schon so früh sterben…“, sagte ich total in Gedanken und bekam gar nicht mit, dass es klingelte. „Hey!!“, Annika schnipste vor meiner Nase herum und zog mich hinter sich her zur nächsten Stunde.
 
Schnell rannte ich mit meinen Schulsachen zurück nach Hause, riss die Haustür auf und stand überraschend vor Klara. sie hielt einen Zettel in der Hand und sah wütend aus.
„Hast du schon wieder deine Geschichten erzählt?“, sagte ich wütend, „Mir reicht´s langsam!“, sie wurde immer lauter und lauter. Ich ließ die Tür hinter mir vorsichtig ins Schloss fallen und wusste gar nicht was los war. „Wieso? Was ist denn?“, fragte ich.
Klara hielt mir den Zettel hin und ich las
 
                … Schüler merkwürdige Verhalten bei Cathrin entdeckt und einige behaupten sie sei
                verrückt weil sie mit sich selber spricht und einfach so anfängt zu schreien …
                … Wir bitten sie um ein Gespräch mit ihrer Tochter…
 
„WAS? ich habe gar nichts gemacht!“, rief ich empört. „Ach nein? Und warum erzählen dann die anderen Kinder davon?!“, schrie sie mich an. ich merkte, dass sie mir am liebsten eine Gescheuert hätte, doch ich lief lieber schnell nach oben in mein Zimmer und schmiss mich weinend auf mein Bett ich habe gar nichts erzählt!! Nichts!!!
Und wieder wurde mir bewusst, wie alleine ich war. ich hatte nie richtig Freunde gehabt, mit denen man über irgendwelche Sinnlosen Mädchenthemen wie Schminke Schmuck und Styl redet, ich hatte nie die freunde, die einem mit Rat und Tat bei Seite standen und ich hatte auch nie eine Familie, die mir Rückhalt gab.
„AHHH!“, ich schrie auf, weil ich plötzlich Schmerzen auf meiner Schulter spürte. Mit Tränen in den Augen wandte ich mich um und sah in das besorgte Gesicht von Bill, der erschrocken seine Hand weg zog und darauf starrte.
„Tut mir leid…“, stammelte er leise. Und wieder brach ich in Tränen aus – ich wünschte mir, dass er mich in den Arm nahm, mich beruhigte, mich einfach nur fest hielt. Doch das konnte er nicht.
Ich vergrub mein Gesicht wieder im Kissen und schluchzte auf. Ich spürte, wie Bill vom Bett aufstand. „NEIN!“, rief ich verheult, „Bitte geh nicht….“, ich sah ihn flehend an.
Bill blieb stehen und blickte auf den Boden – ich sah, wie er die Hände zu Fäusten ballte und Tränen stiegen wieder in meine Augen. „Ich will nicht … allein sein…“, flüsterte ich und meine Stimme brach ab.
Ganz langsam drehte er sich zu mir um und sah mich an, ich sah in ein hilfloses fast verzweifeltes Gesicht. Ich sah ihm an, dass er irgendetwas machen wollte, irgendetwas damit es mir wieder besser ging, doch er konnte nicht.
„Bitte…“, sagte ich wieder leise und schluchzte wieder auf. Langsam kam er wieder zur mir und setzte sich. ich wollte ihn so gerne berühren, anfassen, in den Arm nehmen, ihn einfach nur bei mir haben. Ich blickte an ihm herunter und merkte, wie er mich nicht eine Sekunde aus den Augen ließ.
Plötzlich setzte ich mich ruckartig auf und fiel in seine Arme, klammerte mich an ihm fest und fing wieder an zu weinen. Bill war total erschrocken über meine Reaktion, legte schließlich seine Arme um mich und drückte mich fester an sich.
„Ich will nicht alleine sein…! Ich will nicht!!!“, sagte ich weinend immer und immer wieder und ich spürte die Schmerzen auf meiner Haut. Doch ich unterdrückte sie und umklammerte Bill immer fester, vergrub mein Gesicht in sein Shirt und spürte die Kälte seiner Haut.
Vorsichtige strich er mir über den Rücken. Seine Hände waren eiskalt – doch ich konnte nicht auf hören zu schluchzen. All die Schmerzen, Trauer und die Wut die sich in den Jahren in mir aufgestaut haben, ließ ich freien lauf, ich konnte sie nicht länger zurück halten und wollte es auch gar nicht mehr.
Endlich hatte ich jemanden gefunden, jemand der mich trösten konnte, der mich verstand und für mich da war. Endlich - nach diesen vielen Jahren war ich ihm begegnet. Diesen Jemanden, den ich schon die ganze Zeit gesucht hatte, wo ich auf der Suche nach ihm so viel durch machen musste – endlich hatte meine Suche ein Ende. Endlich hatte ich ihn gefunden – diesen Menschen für mich allein …. endlich… !
 
***
 
Bill hatte nicht gefragt warum ich weinte, er war einfach nur für mich da und das tat gut. Es war ungewöhnt, aber auch schön.
Nach einer Weile ließ ich von ihm ab, weil die Schmerzen zu groß wurden. Ich blickte auf die Decke und meine Haare fielen mir ins Gesicht. Mein ganzer Rücken brannte.
Bill saß schweigend neben mir, ich spürte seinen Blick auf mir ruhen und wieder fielen Tränen in die Tiefe – schnell unterdrückte ich sie, wischte mir mit dem Handrücken durchs Gesicht und lächelte etwas gequält.
„Möchtest du noch mehr über uns…“, Bill machte eine Pause und ich sah ihn an, „… über mich wissen?“, fragte er leise und ich nickte. Bill lächelte, das Lächeln sah etwas erleichtert aus und er streckte seine Hand nach mir aus.
zuerst zögerte ich sie zu nehmen, doch dann legte ich meine Hand in seine und er zog mich sanft vom Bett. Ich folgte ihm auf den Dachboden – hier oben war alles ruhig.
Bill blieb mitten im Raum stehen, vor ihm waren Kartons aufgestapelt. Ich trat neben ihm. Ich las die Namen der vier auf einen der Kartons. „Nimm ihn mit. Da ist alles über meine Vergangenheit drin, was die Presse und das Fernsehen gezeigt hat.“, sagte er und deutete auf seinen Karton. Ich blickte ihn an das Fernsehen und die Presse?!
„Aber ich will möchte nicht wissen was das Fernsehen oder die Presse…“ Bill legte mir einen Finger auf den Mund, nahm ihn aber schnell wieder weg, „Der Rest kommt wann anders.“, sagte er leise und sah mir tief in die Augen. Jetzt erst fiel mir auf, dass seine Augen eine ungewöhnliche weite hatten – sie waren zwar Haselnuss braun, aber auch gleichzeitig verlor man sich in ihnen.
Auf einmal lächelte er leicht, trat zurück und verschwand. Ich sah ihn immer mehr verschwinden, er löste sich in Luft auf und plötzlich war ich alleine. Ich hörte den Wind draußen um das Haus wehen und es fing auf einmal an zu regnen.
Schnell wandte ich mich um, nahm die schwere Kiste von Bill und lief zurück in mein Zimmer.
Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als ich den Karton auf dem Boden abstellte. Da soll alles drin sein?!, wunderte ich mich. Doch dann erinnerte ich mich, dass dort oben nicht nur die Kisten der einzelnen Jungs standen sondern auch noch 4 von Tokio Hotel allgemein. Wahrscheinlich waren da nur Sachen über Bill drin – wie er gesagt hatte.
Als ich aus dem Fenster blickte, sah ich den Regen an der Scheibe herunter perln. Der Himmel hatte sich dunkel verzogen und ein Gewitter zog auf. 
Schnell machte ich hier und da ein paar Lampen an und setzte mich mit meiner Decke auf den roten Teppich, zog die Kiste zu mir und blickte darauf.
Ich wusste nicht recht, ob ich sie nun öffnen sollte, eigentlich war es egal wie Bill früher war – nur das hier und jetzt zählte. Doch ich wollte mehr über ihn erfahren, ich wollte alles über ihn wissen, ihn besser kennen lernen!
„Na was machst du?!“, erschrocken wandte ich mich um und sah in das grinsende Gesicht von Gustav. „Hi…“, stotterte ich und lächelte. Schnell schob ich die Kiste bei Seite und drehte mich zu ihm. Gustav setzte sich vor mich auf den Boden.
„Und wie geht’s dir so? ist deine Erkältung weg?!“, fragte er und warf einen kurzen Blick auf den Karton. Zuerst hatte ich etwas angst, er könnte mich danach fragen, doch zum Glück schien ihn die Kiste nicht zu interessieren.
„Na ja. Besser als die letzten Tage aber die Erkältung ist immer noch nicht ganz weg.“, sagte ich schnell. „Und wann musst du zur Schule? Also wegen dem Brief?“ Ich lächelte. Es war total ungewohnt, das jemand nach meinem befinden fragte oder sich Sorgen um mich machte.
„Was?“, grinste Gustav breit, weil er mein Lächeln nicht verstand. „Schon gut.“, winkte ich ab, „Morgen muss ich hin. Klara hat sich extra frei genommen.“, stöhnte ich leise auf.
„Ich würde ja jetzt sage: Hey ich komme mit damit du da nicht allein hin musst und wir überzeugen sie zusammen… doch das geht ja ein bisschen schlecht.“, sagte Gustav und ich nickte fast unmerklich. „Aber ich hätte schon gerne jemanden dabei.“, sagte ich leise und sah ihn an. „Klar komme ich mit!“, grinste Gustav und gab mir einen leichten Knuff auf die Schulter, so nach dem Motto: das schaffen wir.
„Danke.“ „Ich hab ja sowieso nichts zu tun.“, er verdrehte lächelnd die Augen. „Wo sind überhaupt die anderen?“, fiel es mir wieder ein. „Keine Ahnung. Nach dem du meinst, dass es noch mehr von uns gibt, sind sie jetzt auf der Suche nach ein paar Mädels.“ „Seid ihr denn nie hier raus gekommen als ich noch nicht da war?!“, lachte ich auf. „Nö. Wir dachten: was soll uns das bringen… wir würden nur sehen, wie vielleicht unsere Freunde weiter leben… ohne uns.“, auf einmal wurden seine Augen total traurig.
„Hey… aber jetzt habt ihr ja mich.“, lächelte ich ihm aufmunternd zu.
 
der nächste Tag kam schneller als gedacht und die Vergangenheit von Bill musste wohl weiter hin in dieser Kiste ruhen. Ich hatte sie vorsichtshalber unter mein Bett geschoben, wo ich die kleine Truhe wieder entdeckte, doch ich hatte keine Zeit mehr die Jungs zu fragen, ob die von denen ist und so machte ich mich mit meiner Tante auf den Weg in die Schule.
„Hättest du dir nicht wenigstens heute etwas Anständiges anziehen können?!“, meine Klara wütend und parkte das Auto auf dem Schulgelände. Ich ignorierte ihre Bemerkung zu meiner Kleidung und stieg aus.
zum Glück hatten die anderen Schüler schon unterricht und so sah ich mir das Gebäude an. „Kommst du?“, flüsterte ich leise und hielt meine Wagentür weiter auf. Klara wühlte total abwesend in ihrer Handtasche herum.
Ich trat einen Schritt bei Seite und ließ Gustav aussteigen. „Boah ist die mies.“, sagte er auch leise, obwohl er das gar nicht tun müsste, denn sie hörte oder sah ihn überhaupt gar nicht. Ich verdrehte kurz die Augen und schmiss die Tür zu.
„Komm!“, meine Tante schloss den Wagen ab und lief in eiligen Schritten auf den Eingang zu. ich folgte ihr und Gustav kam ebenfalls mit schnellen Schritten neben mir her.
 
„WAS? das ist alles gelogen!“, ich sprang empört von meinem Stuhl auf. „Doch. Doch. Sie redet immer mit irgendwelchen imaginären Freunden. Ich hab es auf dem Mädchenklo gehört!“, sagte ein Mädchen, das schon die ganze Zeit behauptete ich sei nicht mehr ganz frisch, hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank – ich sei verrückt.
„Lisa… danke für deine Aussage. Du kannst zurück in deine Klasse.“, sagte der Direktor und wandte sich zu meiner Tante.
„Ich werde mit ihr zu einem Arzt gehen.“, hörte ich Klara sagen. „WAS? warum glaubt mir hier denn keiner?“, schrie ich schon fast und ich spürte, wie meine Wangen anfingen zu glühen.
„Beruhig dich bitte…“, Gustav saß neben mir auf dem Boden und zog an meinem Hosensaum, dass ich mich wieder setzte sollte. „NEIN!“, ich stieß seine Hand wütend weg und als ich wieder zu den Erwachsenen sah, bekam ich verwirrte Blicke. „Scheiße!“, zischte ich, schlug mit der Hand auf den Tisch und rannte aus dem Zimmer.
Warum versteht mich denn keiner?! Ich hörte hinter mir her rufen, hielt aber nicht an, ich wollte nur noch weg von hier.
„Cathrin! Bitte!“, Gustav holte mich bei der Glastür ein und hielt mich am Shirt fest. Ich sah ihn wütend an, musste aber schnell wieder weg schauen, weil es mir schon Leid tat, dass ich meine Wut an ihm ausließ. „Sie können es nicht verstehen. Sie sehen nicht was du siehst…“ „Ach, bist du jetzt auf ihrer Seite?!“, fuhr ich ihn an.
„Nein. Aber du musst auch sie verstehen! Was würdest du denn denken, wen dir jemand erzählen würde er sieht tote Menschen? Oder wenn du irgendwo jemanden siehst, der anscheinend mit jemanden spricht obwohl dort niemand ist?!“ Gustav sah mich eindringlich an und ich gab nach.
„Du hast recht…“, sagte ich leise und meine Wut verflog. „Aber warum können sie mich denn nicht einfach in ruhe lassen?!“, fragte ich verzweifelt und wandte mich von ihm ab. „Sie wollen dir nur helfen, weil sie nicht wissen, was mit dir los ist.“
„Cathrin? Hey. Wo warst du?!“, auf einmal hörte ich Annika nach mir rufen und sah sie die Treppen herunter laufen. Gustav trat ein paar Schritte zur Seite, als er sie anlaufen sah. „Warst du beim Direktor wegen dieser Geistersache?“, fragte sie und ich nickte.
„Bitte.“, ich machte eine Pause und ergriff ihre Arme. „Sag mir, dass du ihn siehst.“ Annika sah mich fragend an. „Gustav. Siehst du ihn?!“, fragte ich schon fast am verzweifeln.
„Von Tokio Hotel?!“, sie blickte neben mich, wo Gustav wirklich stand und ich schöpfte etwas Hoffnung. „OH JA! Ich sehe ihn. Oh mein Gott! Ich kann ihn sehen!“, rief sie plötzlich und war total erstaunt. „Echt? Du siehst ihn?“, ich blickte Gustav an, „Sie kann dich sehen!“, jubelte ich, doch leider zu voreilig.
„Ja klar. Wahrscheinlich sehe ich jetzt auch einen Jungen, der seid mehr als 15 Jahren tot ist.“; sagte ich abfällig und riss sich aus meinem Griff los. „Aber… „, stotterte ich und sah hilflos zu Gustav.
„Oh ja. Jetzt erzähl mir ja nicht, dass er neben dir steht und alles sieht. Wahrscheinlich!“, ihre Mine verfinsterte sich. „Psychotante!“, sagte sie abfällig, wandte mir den Rücken zu und verschwand in ein Klassenzimmer.
Tränen stiegen mir in die Augen. „Cathrin….“, sagte Gustav leise und wollte mich in den Arm nehmen, doch ich stieß ihn unsanft weg, riss die Türen auf und rannte wein end nach Hause.
 
***
 
„Warum bin ich auch immer so dumm?!“, ich lief wütend in meinem Zimmer auf und ab. Gustav saß auf meinem Bett und versuchte mir schon die ganze Zeit einzureden, dass ich die anderen doch verstehen müsste – für sie sei es schließlich auch nicht leicht mit so etwas umzugehen.
„Weißt du was? ich … ich erzähle gar keinem mehr irgendetwas. Ich rede einfach nicht mehr mit anderen und erst recht nicht mit diesen Toten!“, ich blieb stehen und sah Gustav an. „Wahrscheinlich. Willst du ab heute stumm werden? Das ist doch auch dumm!“ „Aber. Was soll ich sonst machen?! Lieber nichts sagen, als dass sie mir alle unterstellen ich würde lügen…“, mein Blick fiel auf den Boden.
Auf einmal sprang meine Tür auf und meine Tante kam herein. „Ich bin maßlos von dir enttäuscht!“, sagte sie wütend. „Was denkst du dir eigentlich dabei? Hast du irgendwelche minderwertigkeitskomplexe dass du so eine scheiße von dir geben musst, damit du Aufmerksamkeit bekommst, oder was ist mit dir los?! Sag es mir!“
Ich sah zu Gustav, „Siehst du. Lieber nichts sagen, als das mir wieder unterstellt wird, dass ich lüge.“, sagte ich und jetzt war mir alles egal, sollten die anderen doch denken was sie wollten. „Oh mein Gott, jetzt fängt sie schon wieder damit an.“, stöhnte Klara auf. Ich sagte nichts mehr, warum auch – es würde so oder so nichts bringen.
Doch plötzlich fiel mir etwas ein und mein Gesicht erhellte sich hoffnungsvoll. „Ich kann es beweisen.“, sagte ich auf einmal und Gustav und Klara sahen mich fragend an. „Was ist los?“, fragte Gustav, „Was willst du beweisen?“, fragte Klara.
Ich grinste schon siegessicher. „Gustav. Du kannst doch Sachen anfassen und hochheben.“, sagte ich und Gustav nickte etwas zögernd, da er nicht wusste was ich vor hatte. „Mit wem redest du da schon wieder?“, Klara sah in die Richtung wo Gustav saß, doch sie sah nur mein Bett.
„Ich kann dir beweisen, dass es sie gibt.“, wandte ich mich jetzt an meine Tante. „Ach ja? Und wie? Zeig es mir!“, sie sah mich erwartungsvoll an.
Gustav heb irgendetwas hoch, egal was. beweg nur etwas.“, sagte ich und endlich verstand er mich. „Ach so. Ok.“, lächelte er und stand auf, ging zu meiner Kommode und nahm ein kleines Kästchen mit Schmuck.
Ich grinste meine Tante breit an, die jetzt mit offenem Mund da stand. „Wie.. aber… wie machst du das?“, fragte sie verblüfft und für einen kurzen Augenblick bekam ich wieder Hoffnung. Gustav schwenkte das Kästchen hin und her und lief einmal damit durchs Zimmer.
Doch auf einmal verfinsterte sich Klaras Blick. „Wenn du von der Schule geworfen wirst, dann kommst du in ein Heim! Hast du mich verstanden!“, sie drohte mir und warf einen letzten prüfenden Blick auf die für sie schwebende Kästchen, „Und ich verbiete es mir, dass du mich noch einmal so hinter gehst du machst so etwas nicht mit mir, haben wir uns verstanden!!!“, sie sah wütend aus, ihre Stirn legte sich in Falten und ihre Augen funkelten vor Wut – so hatte ich sie noch nie erlebt.
„Aber… du siehst es doch!“, sagte ich verwirrt. Doch meine Tante drehte sich um, verließ das Zimmer und schmiss die Tür hinter sich in Schloss, dass die ganze Wand vibrierte und eins meiner Bilder auf den Boden fiel und die Glasscheibe zu Bruch ging.
„ACH SCHEIßE! DANN GLAUBT MIR HALT NICHT!“, schrie ich ihr hinter her und starrte weiter auf die Tür vor mir, als würde ich darauf hoffen, dass sie wieder aufging und mir meine Tante alles glauben würde, doch so war es nicht.
Mit Tränen in den Augen blieb ich lange noch da stehen, flehte innerlich schon, dass sie zurückkommen würde – doch nichts geschah. Nach einer Weile endlich begriff ich, dass auch nichts mehr passieren würde und ich sah zu dem herunter gefallenen Bild. Es war die Skizze mit dem Mädchen, das Bill so toll fand.
Ich ging hinüber, bückte mich und wollte die Glasscherben aufheben. „Warte, lass mich das machen.“, sagte Gustav hinter mir, hockte sich neben mich und nahm mir das kaputte Glas aus der Hand. „Danke.“; flüsterte ich, nahm das Bild auf und setzte mich auf mein Bett.
Das Blatt war total zerknickt von dem schweren Rahmen, der darauf gefallen war – und eigentlich hätte ich es weg schmeißen können.
„Gustav?“ Gustav blickte auf, „Kannst du Bill fragen ob er das Bild noch haben möchte, sonst werfe ich es weg – es gefiel mir sowieso nicht.“, sagte ich und Gustav nickte, hob die letzten groben Scherben auf und warf sie in den Papierkorb neben meinem Schreibtisch.
Ich stand auf, ging zu ihm und gab ihm das Bild. „Mach ich.“, meinte Gustav noch, lächelte mir aufmunternd zu und verschwand wieder zurück auf den Dachboden.
Wie es wohl ist, tot zu sein?! Fragte ich mich auf einmal, als ich Gustav durch die Decke schweben sah. Was ist das wohl für ein Gefühl?
 
Nun gut, auch hier galt ich jetzt als Psychotussi an der Schule und mal wieder war ich allein. Und genau wie ich es Gustav gesagt hatte, vermied ich es mit den anderen zu sprechen, zog mich zurück und wurde zum Einzelgänger – wenn ich das sowieso noch nicht war.
Immer wenn irgendwelche Kinder in der Schule auf einmal anfingen zu schreien, weil sie vielleicht Fangen spielten, zuckte ich zusammen. Die Schreie erinnerten mich an die vielen Toten, die ich in der Eingangshalle hängen gesehen habe.
Zu Hause strafte mich meine Tante auch mit Schweigen und wenn ich vielleicht die Jungs nicht hätte, mit denen ich ab und zu mal reden konnte, wäre ich vielleicht sogar verrückt geworden. Ich hielt dieses Gefühl von Alleinsein nicht aus, es zerfraß mich innerlich und ich spürte eine merkwürdige Leere in mir.
 
„Ja, ja. Und die meinten sie seien erst seid 2 Jahren tot. Also noch die totalen Anfänger.“, grinste Tom und Georg nickte zustimmend. Die beiden tatsächlich noch Gleichgesinnte gefunden – und was für ein Zufall: es waren Mädels.
Wir saßen alle oben auf dem Dachboden auf dem Sofa und die beiden plapperten schon die ganze Zeit munter drauf los.
Ich dagegen saß etwas in Gedankenverloren in meiner Sofaecke und hörte nur mit halben Ohr hin. Ab und zu blickte ich auf, da ich den Faden des Themas ganz verloren hatte, sah dann aber wieder aus dem Fenster.
Es hatte angefangen zu schneien, zwar nicht viel, aber es schneite.
„Hey, Cathrin! Alles in Ordnung?“ Ich sah wieder auf und die Vier blickten mich fragend an. „´Tschuldigung, was? ich hab nicht zu gehört.“, sagte ich schnell. „Willst du die beiden auch mal kennen lernen?“, fragte Georg noch einmal.
Ich sah ihn lange an. plötzlich stiegen mir Tränen in die Augen, ich wusste nicht wieso aber ich musste anfangen zu weinen. Die Blicke der anderen schweiften on dem Fragenden in die Besorgtheit ab und sie sahen sich verwirrt an. „Haben wir was Falsches gesagt?“, fragte Bill, der neben mir saß und legte automatisch eine Hand auf meine Schulter.
Schnell schüttelte ich den Kopf, stand auf und lief hinunter und weiter nach draußen. Ich fühlte mich total unwohl – nicht wegen den Jungs oder wegen dem Thema wo rüber sie die letzten Tage nur noch sprachen. Es war ein merkwürdiges Gefühl in mir, ich wusste nicht was es war und das verunsicherte mich so sehr.
Mein Weg führte mich auf das Dach, wo mich Bill in einer Nacht hin entführt hatte. Ich zog die Ärmel meines dicken Pullis länger und vergrub meine Hände darin. Zum Glück hatte es aufgehört zu schneien und so setzte ich mich wieder an den Rand des Hauses und lies die Füßen in die Tiefe hängen.
Am Horizont sah ich sie Sonne schon untergehen obwohl es erst fünf Uhr war. der Himmel färbte sich rot und lila und die ersten Sterne tauchten über mir auf.
Ich verstand mich selber nicht mehr. Ich wusste nicht was mit mir los war, wieso ich so ein merkwürdiges Gefühl von leere in den letzten Tagen immer wieder verspürte.
Ich wischte mir die fast getrockneten Tränen aus dem Gesicht – meine ganze Schminke war verlaufen, doch das war mir grade egal. Ich zog die Beine an den Körper und sah über die Stadt.
Ein eisiger Wind umfuhr mich und auf einmal schreckte ich auf, ein Poltern war hinter mir und ich musste mich erst gar nicht umwenden um zu wissen, was oder wer das war.
„Was ist los?“, fragte Bill leise und trat hinter mich. Ich schwieg – wusste nicht recht, was ich antworten sollte und sah nach oben in Bills Gesicht. Er sah besorgt aus, sehr besorgt.
„Ich weiß es nicht.“, flüsterte ich und Bill setzte sich neben mich in den Schnee.
Wieder lief mir eine Träne an der Wange herunter und ein leichtes Lächeln glitt über mein Gesicht, „Ich versteh mich selber nicht mehr.“, meinte ich und sah Bill an. „Was meinst du?“ „Ich weiß nicht… einerseits will ich mit niemanden mehr etwas zu tun haben, weil man mir so oder so nie mehr glauben wird. Ich will mit keinem reden, weil sie mich eh nicht verstehen.“, ich machte eine Pause und blickte wieder zur Stadt, „Aber andererseits, suche ich auch… die Nähe.“, das letzte Wort hauchte ich nur so vor mich hin und ich spürte Bills Blick auf mir.
„Ich weiß – ich bin kompliziert.“, lachte ich leise auf und schüttelte den Kopf. „Nein. Du erinnerst mich bloß an jemanden.“, sagte Bill auf einmal leise. „An meine Mutter?“, fragte ich zögernd und Bill sah mich etwas erstaunt an, schüttelte dann aber den Kopf, „Oh nein! Deine Mutter war ganz anders!“, lachte er.
„An wen dann?“ Bill schwieg, sah mich lange an, als schien er in Gedanken zu sein. Ich wandte mich ab und blickte hinab in die Dunkelheit. Ein Auto fuhr an uns vorbei und verschwand im nahe gelegenen Wald.
„An mich.“, sagte Bill plötzlich. „Wieso?“, fragte ich. „Ich war früher auch so. einerseits wollte ich dies, aber andererseits wollte ich das – kompliziert halt. Ich war mir in manchen Sachen nie wirklich sicher was ich eigentlich wollte – wollte ich Ruhm oder Liebe? Wollte ich eine Beziehung oder meine Freiheit? Doch in zwei Sachen war ich mir ganz sicher und davon konnte mich niemand abbringen.“
„Verrätst du es mir?“, fragte ich leise, als Bill wieder verstummte. „In der Musik. Das ich mein Leben lang Musik machen wollte. es war ein Teil von mir, ich wüsste nicht was ich ohne Musik sonst gemacht hätte – man kann mit ihr so viele Dinge ausdrücken, wo man sonst keine Wort oder Gefühle für findet…“, er sah mich wieder an – lange, „Und mit deiner Mutter…“, sagte er auf einmal leise und plötzlich durch fuhr mich ein leichter Stich im Herzen.
Ich schreckte kurz auf, denn es war ein ungewohntes Gefühl – doch gleich darauf fing ich an zu zittern, die Kälter kroch in meine Kleidung. „Sollen wir wieder zurück?“, fragte Bill, der mir über meine Lippen strich, „Die sind schon ganz blau…“, lächelte er kopfschüttelnd. „Ja. Lass uns zurück.“, stimmte ich zu und Bill brachte mich nach hause.
 
***
Bill setzte mich vor unserem Wintergarten ab. Der kalte Wind wehte durch mein Haar, dass ich schnell hinter mein Ohr steckte. Eigentlich trug ich immer einen Zopf, warum jetzt bloß nicht – das wäre viel praktischer.
Als ich zu Bill blickte, sah er in den Garten. „Ich glaube hier müssten wir auch bald mal was machen.“; sagte ich vor mich hin und sah mir auch den bewucherten Rasen und die Mauern an. „Der Garten geht noch weiter.“, sagte Bill auf einmal. „Wirklich? Eigentlich weiß ich gar nicht wo er wirklich anfängt und aufhört.“, meinte ich und lächelte.
„Nun ja.“, Bill wandte sich wieder zur mir und strich mir die Haare aus dem Gesicht, die mir weder in die Augen wehten, „Es ist schon spät. Dann muss ich dir den Garten wohl wann anders zeigen.“, sagte er leise und lächelte.
„Na gut. Aber nur weil es schon spät ist.“, grinste ich und dann verschwand Bill wieder in die Nacht. Es fing an zu schneien und schnell machte ich, dass ich zurück ins Haus kam.
Bill… ich hatte noch gar nicht in seine Kiste geschaut, die er mir rausgesucht hatte und so lief ich schnell nach oben, schnappte mir eine dicke Decke, setzte mich auf den roten Teppich und zog den Karton unter meinem Bett hervor.
Ich sah mich um, als spürte ich, dass ich nicht allein war – doch ich sah niemanden. Ich blickte wieder auf den Karton und atmete einmal tief ein. Langsam, ganz langsam öffnete ich die Kiste und sah einen Haufen von Artikeln, Fotos, Videos und CDs. Ich griff zu und holte einen Stapel Zeitungen heraus, auf fast allen war Bill als Cover.
Ich strich über das erste Bild von ihm. Er sah genau so aus wie jetzt, nur nicht so blass und traurig. „Die neue Superband mit dem Supersänger – was steckt hinter ihm?“, las ich. Als ich weiter durchblätterte sah ich auf einmal einen Jungen mit kurzen Haaren, dem einen dicke Strähne ins Gesicht fiel – war das auch Bill?!
„Platz 1 der Charts – Auszeichnungen – wie weit soll es noch gehen?“ „Skandal – heimliche Affären mit Tokio Hotel?“ „Der geheimnisvolle, neue Bill – die ersten Fotos“ „Tokio Hotel ganz Privat – die ersten Urlaubsfotos“ „Das neue super Video“ „Die erste Tour der Magdeburger“ „Die Band und ihre geheimsten Geheimnisse“
Auf einmal blieb ich bei einem Artikel hängen, ein Bild mit Bill war zu sehen, er war blass, ungeschminkt und sah nicht gut aus. „Angst um Bill.“, las ich und sofort blätterte ich auf die Seite wo der Artikel stand.
„… er wird immer dünner. Ist Bill von Tokio Hotel magersüchtig oder ist es der Stress der an seinen Nerve zerrt? Bricht die Band eventuell bald auseinander, weil der Sänger keine Kraft mehr hat?...“ Ich fand immer mehr Artikel, wo es um die Gesundheit des Sängers der Band ging, wo spekuliert wurde, dass es bei den Jungs kriselte und sogar von Trennung die Sprache war – bis hin zu „Tot! Was ist passiert?!“
Tot! Was ist passiert?! Tot! Was ist passiert?! Ich sah lange auf die Zeitung mit dieser Überschrift, wagte es nicht sie aufzuschlagen sah nur starr auf das Cover. Tot! Was ist passiert?! Vorsichtig schlug ich die Seite auf und sah Bilder aus den Jahren von Tokio Hotel – aus der Kindheit, aus der Jugend, die Zeit als Devilish, die ersten Aufnahmen, Tokio Hotel, Auftritte, Auszeichnungen, Events, Interviews, Private Fotos, Freunde und Bekannte, Fantreffen, kleine Konzerte, die Tour, noch mehr Auszeichnungen, der Urlaub, die Reisen durch verschiedene Länder – bis hin zu ihrem letzten Interview, ihrem letzten Auftritt, ihre letzten Fotos.
 


 

„Was ist passiert? Tausende von Fans verschlägt es dem Atme als sie letzten Donnerstag die Nachricht erhielten: Die gesamte Band, Tokio Hotel, wurde tot aufgefunden! Woran sind die vier Jungs gestorben? War es Mord, Unfall, Rache, Eifersucht? Es liegt im Verborgenen was mit den vier Magdeburgern passiert ist. Ihre Familien und Freunde trauern. Niemand weiß, was mit diesen vier Jungs, die die größte Karriere Weltweit vor sich hatten, die ihr ganzes Leben vor sich hatten, passierte – in dieser einen Nacht. …“


 


 


 

Mir stiegen Tränen in die Augen als ich das las und meine Sicht wurde ganz trüb. Schnell legte ich den Artikel beiseite und versuchte mich zu beruhigen - … die die größte Karriere Weltweit vor sich hatten, die ihr ganzes Leben vor sich hatten. … die ihr ganzes Leben noch vor sich hatten… die ihr ganzes Leben noch vor sich hatten…!!!
Auf einmal bekam ich wieder dieses Gefühl, dass noch jemand im Raum war, wieder sah ich mich um und als ich nach hinten blickte, erschrak ich kurz – doch dann konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten und weinte.
Bill saß hinter mir und sah mich an, er wusste was ich grade gelesen hatte und sah traurig aus – diese Trauer die ich schon oft bei ihm gesehen hatte, war wieder in seinen Augen zu sehen.
„Warum? Was ist passiert?“, schluchzte ich leise und auf einmal taten mir die Jungs so leid. Sie waren so früh gestorben, hatten noch nicht einmal die Gelegenheit richtig zu leben, obwohl sie schon in so jungen Jahren so vieles erlebt haben, konnten sie jedoch nicht wirklich leben.
Bill kam nicht damit klar, dass er nicht mehr lebte, es fehlte ihm, das Gefühl von Leben, das Gefühl jemals gelebt oder sogar geliebt zu haben – es fehlte ihm, er sehnte sich mehr als alles andere nach diesen Gefühlen, doch sie kamen nie wieder zurück. Und genau dieser Gedanken,  dass diese Gefühle nie wieder zurückkommen würden, machte ihn kaputt.
Ich wagte es nicht weiter in der Vergangenheit der Band zu suchen. Ich wollte gar nicht wissen was passiert war – doch anderseits wollte ich schon wissen. Aber ich wollte nicht noch mehr über ihr altes Leben erfahren. Es tat zu sehr weh mit anzusehen wie sehr die vier leiden, auch wenn sie es nicht alle zeigten.
Doch bevor ich alles schnell wieder in der Kiste verstauen konnte, viel mir ein Bild ins Auge. Ich erstarrte. Auch Bill sah mich etwas verwundert an.
Meine Hände fingen an zu zittern, als ich in die Kiste fasste und das Foto heraus nahm. „Ist das…?“, stotterte ich leise und immer noch mit Tränen in den Augen.
Auch Bill erschrak ein wenig, als ich das Bild nahm, doch dann nickte er langsam du wieder kam diese Trauer in seine Augen und ein leichtes Blitzen sah ich darin.
Auf dem Foto war Bill, wie er ein Mädchen in meinem alter auf dem Schoss hatte. Sie lachten und Bill küsste sie sanft auf den Hals. Vorsichtig strich ich mit einem Finger über das Mädchen – sie hatte braune lange Haare, zu einem Zopf zusammen gebunden. Ihre Kleidung war etwas ausgefallen und bunt, sie trug viel Schmuck und sah so glücklich aus. als ich mir den Hintergrund des Fotos ansah, bemerkte, ich, dass es das Zimmer war wo die beiden saßen. Genau hier auf einem roten Teppich wo ich grade saß.
„Anja…“, hörte ich Bill leise sagen und auf einmal stand er auf und bevor er auf den Dachboden verschwinden konnte, sah ich eine Träne an seiner Wange herunter laufen.
„Du hast sie geliebt!“, flüsterte ich. Kurz verharrte Bill in seiner Bewegung, wollte sich zu mir umwenden, ließ es aber und rannte hinauf – zurück in sein Versteck.
 
***
 
Die Tage vergingen – 1 Tag, 2 Tage, 5 Tage, 1 Woche, 6 Wochen und ich sah die Jungs nicht wieder. Ich konnte ja auf den Dachboden gehen und nach ihnen sehen, doch das tat ich aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen nicht, doch langsam machte ich mir Sorgen und meine Neugier wuchs mit jeden neuen Tag.
Langsam hielt ich diese Einsamkeit nach fast 3 Monaten nicht mehr aus – in der Schule mied man mich und meine Tante strafte mich auch weiter mit Schweigen.
Ich nahm mir meinen Mantel, lief runter in den Flur, zog mir meine dicken Stiefel an, setzte mir eine Mütze auf und ging hinaus in den Garten Jetzt habe ich lange genug gewartet. Wenn Bill nicht kommt, dann guck ich mir den Garten halt alleine an!
Der Wind war heute ruhig und es schneite nicht mehr und so stapfte ich durch den hohen Schnee zum Gartentor. Ich glaube meine Tante hat das Grundstück hinter unserem Haus auch noch nicht in Augenschein genommen, denn es sah alles wie am ersten Tag aus – nur das jetzt alles von Schnee bedeckt war.
Langsam drückte ich die Kline des kleinen Tores herunter und öffnete dieses mit einem lauten Quietschen. Jetzt erschien mir der Garten gar nicht mehr so groß denn als ich ein paar Schritte hinein machte, sah ich endlich die Mauern die das Grundstück begrenzten.
Ich sah vor der Veranda ein paar alte Gartenmöbel, die auch schon von den Ranken in Besitz genommen wurden. Ein paar Meter vor mir war ein großer Baum, er trug keine Blätter und an einem dicken Ast hing eine Schaukel herunter – ein Seil war gerissen und so hing sie halb über und auf dem Boden.
Links erkannte ich einen kleinen Hügel, der mal mit Blumen bewachsen war und einen kleinen Teich mit Steinfiguren – ein Engel konnte ich noch halb erkennen, denn die Figur war so gut wie zerfallen.
Ich schritt einmal bis ganz durch den Garten. Hier und da konnte ich noch grob ein paar alte Beete entdecken und sogar ein kleines Gemüsebeet war dabei.
„Hey!“ Eschrocken drehte ich mich um und starrte in ein Jungengesicht. „Hey!“, sagte ich nun und entspannte mich wieder. „Ich hab doch gesagt: ich zeig dir den Garten.“, hörte ich Bill etwas enttäuscht sagen.
„Ach. Und wo warst du die ganze Zeit?“, fragte ich statt zu antworten – doch wie immer schwieg Bill. „Mensch!“, ich schubste ihn wütend, „Warum erzählst du nie etwas von dir?“, schrie ich ihn böse an. „Ich habe mir Sorgen gemacht.“, auf einmal wurde ich ganz leise und ich spürte, wie die Tränen wieder in mir aufsteigen – schnell wandte ich den Kopf ab und sah auf den Boden.
„Komm mit.“, Bill nahm meine Hand und zog mich hinter sich her. Total überrumpelt, stolperte ich ihm über die Wurzeln hinter her. Bill führte mich durch die großen Büsche zu der Mauer, wo er stehen blieb. „Diesen Ort kennt niemand. Keiner weiß davon außer…“, er machte eine Pause und zögerte weiter zu sprechen, „Außer… Anja und mir.“, sagte er schließlich leise. Und wieder spürte ich diesen Stich.
Irgendwie tat es weh, wenn er von meiner Mutter sprach, doch nicht, weil ich sie vermisste!
Bill sah lange zu mir – doch er sah nicht mich an. „Bitte…“, sagte ich leise und wandte wieder meinen Kopf ab, „Guck mich nicht so an. Ich bin nicht meine Mutter!“, flüsterte ich und ballte meine Hände zu Fäusten.
Auf einmal griff Bill unter die vielen Ranken, die über die Mauer hingen und ich hörte ein leises Klicken. „Niemand weiß von diesem Ort…“, sagte er noch einmal und schob vorsichtig eine Tür unter dem ganzen Gestrüpp auf.
Etwas erstaunt trat ich vor und blickte in einen weiteren Garten – er war viel kleiner und auch nicht so bewuchert wie der große.
Ich blickte zu Bill, der mir zunickte und mich hinein ließ. Langsam ging ich durch die kleine Tür. Vor mir erkannte ich einen Weg, der zu einem Pavillon führte. Er war weiß gestrichen und darunter stand eine Hollywoodschaukel. Ein Teich, der schon wie ein kleiner See aussah umgab den Pavillon und man konnte nur über eine Brücke dorthin gelangen.
Bill folgte mir und unter meinen Schuhen hörte ich leise ein paar Äste knacken.
„Hier wachsen im Frühling überall Gerbera und Rosen.“, hörte ich plötzlich Bill erzählen. „Gerbera sind meine Lieblingsblumen.“ „Genau wie bei deiner Mutter.“, Bill ging an mir vorbei, lächelte und streckte die Hand aus. ich nahm sie und wurde über die Brücke geführt.
Der Teich war gefroren und hier und da konnte man durch die Eisschicht das Licht sich im Wasser widerspiegeln sehen.
Ich wurde sanft weiter gezogen zur Schaukel, wo eine dicke Decke lag. Bill deutete darauf und ich setzte mich – er sich neben mich. „Es ist wunderschön hier. Fast wie in einem Mädchenland.“, rutschte es aus mir raus, „Oh man. Wie kitschig sich das anhört.“, ich schüttelte lächelnd den Kopf. „Ist doch egal. Ich mag es hier auch.“
„Im Teich sind auch Goldfische und da hinten im Busch sind jedes Jahr immer ganz viele Vogelnester.“, Bill zeigte mir den ganzen Garten.
„Und wieso sieht es hier nicht so aus wie in dem Garten vor dem Haus? Also, weil hier nicht alles überwachsen ist.“, fragte ich. „Tja. Der Garten ist verzaubert. Er lebt…“ „Wirklich?“ Bill nickte leicht und sah auf den Teich.
„Komm ich zeig´s dir.“, er nahm wieder meine hand, zog mich von der Schaukel hoch und zum Teich. Wir hockten uns in den Schnee, „Schau.“, Bill zeigte ins Wasser, murmelte etwas und auf einmal sah ich ein schwaches Licht. Es wurde immer heller und heller. „Tritt lieber etwas zurück!“, schnell zog mich Bill wieder auf die Beine und etwas weiter vom Teich weg.
Ich traute meinen Augen nicht. Die dicke Eisschicht vom Wasser fing an Risse zu bilden und brach auf. „Wouw…“, sagte ich leise und auf einmal sah ich einen bunten Regenbogen aus dem Wasser heraus ragen. Die verschiedenen Farben verteilten sich in jede Richtung und plötzlich schmolz der Schnee und die Blumen und Büsche kamen zum Vorschein.
Der Himmel über und erhellte sich, die Sonne schien mir ins Gesicht und der Garten wurde ganz bunt. Überall sprießen die Blumen aus dem Boden und die Blüten öffneten sich. es wurde angenehm warm. Ich fang an zu lächeln und ergriff erstaunt Bills Arm, der mich die ganze zeit beobachtete.
„Wie schön!“, sagte ich leise vor mich hin und sah mich in dem bunten Garten um. Überall waren die Blumen andersfarbig und das Gras war saftig grün.
Plötzlich spürte ich etwas an meinem Fuß und blickte hinunter – ein kleines Eichhörnchen rannte an uns vorbei und ich hörte Vögel zwitschern. „Ich sag doch: der Garten ist verzaubert.“, wiederholte Bill und lächelte, als er immer noch mein erstaunte Gesicht sah.
Auf einmal fing ein leichter, warmer Regen an und der Regenbogen bildete sich wieder über uns. Ich schloss die Augen, hielt mein Gesicht in die Sonne und ließ den Regen auf meine Wangen und Lieder tropfen. Er war angenehm weich und die Sonne schien so schön warm.
„CATHRIN?! CATHRIN? BIST DU HIER DRAUßEN?“ Erschrocken riss ich die Augen wieder auf – meine Tante. Sofort zog das Loch im Teich die Farben wieder ein, die Vögel, das warme Licht, der Regen, die Farben, alles verschwand wieder und die Kälter kroch in meine Kleidung – es fing an zu schneien und das Loch im Teich schloss sich wieder.
Ich blickte Bill an „CATHRIN! WO STECKST DU?“, meinte Tante wurden immer wütender. „Geh lieber!“, sagte Bill schnell, zog mich an meiner Hand, die er die ganze Zeit nicht los gelassen hatte, zur Tür und öffnete sie.
Jetzt erst spürte ich das brennen meine Haut, ich war die ganze Zeit so von diesem Garten fasziniert, dass ich den Schmerzen gar nicht gespürt hatte – schnell ließ ich Bills Hand los, sah ihn ein letztes Mal an und schlüpfte durch die kleine Tür zurück zu unserem Garten.
„Cathrin! Wo warst du?“, Klara stand vor dem Haus. „Tut mir leid. Ich komme!“, rief ich schnell, kroch aus dem Gebüsch und lief zu ihr.
 
***
Wo die Jungs waren, dass verrieten sie mir nicht, aber ich fragte auch nicht weiter nach. ich war einfach nur glücklich, dass sie wieder bei mir waren und ich die Einsamkeit nicht mehr ertragen musste.
Der Winter verließ das Land und langsam kam der Frühling zurück. Der Schnee schmolz und die ersten Knospen an den Bäumen waren zu sehen.
Ich saß auf im Wintergarten und machte meine Hausaufgaben – bald würden schon die Osterferien sein und dann auch schon die Sommerferien und das Schuljahr wäre zu ende. Und wie ich es Gustav schon gesagt hatte, sprach ich mit niemanden mehr aus meiner Schule, halt nur wenn ich etwas zum Unterricht beiragen konnte, sonst hielt ich mich zurück und zum Glück hatte ich seit dem die Toten auch nicht mehr gesehen, was mir ein wenig merkwürdig vorkam, denn sie waren noch nie so lange verschwunden.
„Cathrin?! Los, lass uns in den Garten gehen!“, Bill kam die Treppe herunter gepoltert und stand grinsend vor mir. in letzter Zeit war er öfters immer wieder so gut gelaunt und langsam fragte ich mich schon nach dem Grund.
„Neee. Ich muss noch Hausaufgaben machen und…“ „Ach die kannst du auch später machen! Los komm, ich will dir was zeigen!“ „Nein! Ich muss morgen die Sachen alle abgeben. Tut mir leid.“, ich sah ihn entschuldigend an und Bill gab nach. „Ok, dann warte ich halt hier so lange.“, er setzte sich auf die Stufen und sah mich herausfordernd an.
„Nein!“, ich lachte, „Dann kann ich mich nicht konzentrieren.“ „Mach ich dich nervös?“, fragte Bill plötzlich leise und zu erst war ich etwas überrascht über diese Reaktion, doch dann fing er an zu grinsen und ich schmiss ihn mit einem meiner Stifte ab, „Hau ab!“, lachte ich und Bill verschwand.
 
Nach einer Stunde kam Bill wieder. „Ich bin noch nicht fertig!“, rief ich ohne von meinen Mathesachen aufzublicken. Doch als Bill nichts sagte, sah ich dann doch auf und verharrte.
„Woher hast du die?“, fragte mich Bill ernst und hielt die kleine Kiste die ich unter meinem Bett versteckt hatte in der Hand.
„Ich… meine Tante hat sie gefunden.“, stotterte ich und merkte, dass Bill es gar nicht gefiel, dass ich diese Kiste hatte. „Warum hast du sie?“ „Tut mir leid.“, sagte ich etwas beleidigt, „Meine Tante hätte sie sonst weg geschmissen.“
Bill schwieg, sah weiter auf die Kiste. „Ich glaube sie ist kaputt.“, meinte ich dann leise und erinnerte mich daran, dass ich die Kiste auch ohne das Schloss nicht aufbekommen hatte.
„NEIN! Sie ist nicht kaputt!“, fuhr mich Bill plötzlich an und ich zuckte leicht zusammen. „Was ist denn mit dir los?!“, ich sah ihn erschrocken an und wusste gar nicht was hier eigentlich los war – warum ich jetzt von Bill angeschrieen wurde, nur weil ich diese Kiste vor dem Müll aufbewahrt hatte.
„WIESO HAST DU SIE?!“, schrie er wieder und sah total wütend aus. ich bemerkte, dass sich seine Finger schon weiß färbten, weil er die Kiste so sehr fest hielt. „Ich hätte sie ja auch weg schmeißen können! Wäre dir das lieber gewesen?!“, schrie ich ihn jetzt an und ließ meine Sachen auf den Tisch fallen.
Jetzt erst bemerkte er, dass er mich zu Unrecht angeschrieen hatte und ich sah, dass er ein schlechtes Gewissen bekam. „Cathrin…“, fing er an. „Nein! Ich lass mich doch hier nicht von dir anschreien, aus irgendeinem Grund, den ich noch nicht einmal kenne!“, wütend lief ich an ihm vorbei in mein Zimmer und knallte die Tür hinter mir zu. So was ließ ich mir doch von ihm nicht gefallen!
„Was ist los? Ich hab euch streiten hören!“, Tom kam auf einmal vom Dachboden. „Dein Bruder!“, fauchte ich nur, setzte mich auf meinen roten Teppich und verschränkte die Arme. „Wieso was ist denn passiert?“, Tom ließe sich vor mich auf den Boden.
„Tja, wenn ich das mal wüsste – das musst du wenn Bill fragen!!! Und du kannst ihm gleich sagen: wenn ich nächstem irgendetwas finde – schmeiße ich es sofort weg!“
 
Den ganzen Abend lang, lief Tom zwischen Bill und mir her und wollte, dass wir uns wieder vertragen, doch ich blieb stur.
Nach einiger Zeit kam zum Glück meine Tante zurück nach Hause und ich musste runter zum Abendessen – so hatte ich endlich etwas ruhe! „Hast du deine Hausaufgaben gemacht?“, fragte Klara und reichte mir den Teller mit Essen. „Ja, alles fertig.“
Ich merkte ihren prüfenden Blick sah jedoch nicht auf.
„Ach. Was mir grade einfällt,“, Klara setzte sich hin, „Hast du diese kleine Kiste nicht weggeschmissen die ich dir gegeben hatte und meinte du sollst sie entsorgen?“ Erschrocken blickte ich auf Wie schlimm soll es denn jetzt noch werden?
„Weil ich hab sie gefunden – in einer Diele in der Küche… kein Gutes Versteck.“ Wo? „Wehe…“, sie machte eine Pause und sah mich eindringlich an, „Wehe! Du machst noch einmal nicht das, was ich dir sagen! Haben wir uns verstanden?!“
Ich nickte etwas verwirrt und zögernd – ich hatte die Kiste nie in der Küche versteckt! „Ähm wo ich die Kiste denn jetzt?“, fragte ich leise. „Warum? Im Müll! Und ich hoffe da bleibt sie auch!“ „Ja, ja. Ich wollte nur fragen, nicht das ich sie weg schmeißen sollte.“, sagte ich schnell und aß schnell meinen Teller auf.
„Wo ist sie verdammt noch mal?!“ Ich kam mir wie ein Einbrecher vor. Mitten in der Nacht war ich aus dem Haus geschlichen und wühlte nun in unserem Müll herum, doch bis jetzt habe ich diese Kiste noch nicht gefunden und langsam gab ich die Hoffnung auch schon auf.
„Schau doch mal hier…“, hörte ich plötzlich eine leise Stimme wispern und sofort umhüllte mich Nebel. Ich blieb wie angewurzelt stehen, bewegte mich keinen Zentimeter, denn einer der Jungs war es mit Sicherheit nicht, der hinter mir stand – es war eine Mädchenstimme.
„Na los, hier ist es – das was du suchst.“, die Stimme hörte sich zuckersüß an. etwas zögernd wandte ich mich um und sah ein Mädchen in meinem alter vor mir. sie hatte ein weißes Kleid an und ihre dunklen langen Haare fielen zerzaust hinunter. Ihre Augen waren blutunterlaufen und ich erkannte ganz viele Narben in ihrem Gesicht und am Körper.
„Danke…“, stotterte ich, als ich das Kästchen in ihre blutverschmierten Hand sah und wollte danach greifen, doch das Mädchen zog ihre Hand weg. „Wie ich sehe…“, sie machte eine Pause und auf einmal verfinsterte sich ihre Blick, „… verstehst du dich mit meinen Jungs sehr gut…“ „Du kennst sie?“
„Ob ich sie kenne?“, wiederholte sie verächtlich. „Was kriege ich für die Kiste?“, fragte sie dann auf einmal und blickte darauf. „Ich weiß nicht… was möchtest du denn?“, fragte ich zögernd. Das Mädchen kam einen Schritt auf mich zu und sah mir leicht lächelnd, tief in die Augen.
„Kriege ich alles was ich will?“ „Was? nein!“ „Also ist dir dieses Ding nichts wert? Dann kann ich sie auch kaputt machen.“, sie holte mit der Kiste aus. „Nein! Bitte nicht!“, rief ich und hielt die Hände abwehrend in die Luft.
„Ach nein?“, sie lachte, holte noch weiter aus und schlug zu. die Kiste sauste auf mich herab und sie traf mich mit voller Wucht am Arm. „HEY!“, schrie ich wütend und vor Schmerz.
„Ich kann sie doch kaputt machen – und dich gleich mit!“, sagte sie böse, holte wieder aus, doch diesmal wich ich schnell zur Seite. „Na warte.“, rief das Mädchen.
Schnell versuchte ich zurück zum Haus zu laufen, doch sie war schneller als ich und brachte mich vom Weg ab und drängte mich auf die schwach beleuchtete Straße. „Na. Willst du deine Freunde nicht zur Hilfe rufen?“, grinste sie hämisch und kam mit langsamen Schritten auf mich zu. Langsam bekam ich angst und mein Atme wurde immer schwer, aus Verzweiflung, da ich nicht wusste, was ich machen sollte – ich konnte ihr nicht entkommen.
Hilfe suchend blickte ich mich auf der Straße um, doch um diese Zeit war hier niemand mehr unterwegs.
Plötzlich stolperte ich über den Bürgersteig und fiel auf den harten Asphalt – Panik steig in mir auf, denn die Schritte des Mädchens wurden jetzt immer schneller und sie grinste siegessicher. „Du kleine miese Schlampe!“, schrie sie auf einmal, holte wieder mit der Kiste aus und warf sie nach mir. schnell rollte ich zur Seite und das Kästchen schlug auf dem Bürgersteig auf.
Ich hörte einen Schrei aus unserem Haus – einer der Jungs. Doch darum konnte ich mich jetzt nicht kümmern, denn nun war ich dem Mädchen hilflos ausgesetzt.
Sie sprang auf mich und ich schlug mit dem Kopf auf die Straße. Sofort spürte ich warmes Blut an meiner Schläfer herunter fließen. „Du mieses Stück Dreck!“, das Mädchen saß auf mir drauf, schlug auf mich ein und ich versuchte meine Arme schützend hochzureißen.
Tränen stiegen mir in die Augen und mir tat alles weh. „HÖR AUF!“, schrie ich verzweifelt und kurz verharrte die Fremde auf mir und das nutzte ich aus. ich funkelte sie wütend an und riss an den langen Haaren ihren Kopf zurück. Sie schrie vor Schmerz auf.
Endlich bekam ich das Mädchen von mir runter und nun nahm ich auch keine Rücksicht mehr auf sie. Dem Mädchen stiegen Tränen in die Augen und ich riss noch mehr an ihren Haaren. Doch als ich in ihre schmerzverzerrtes Gesicht blickte, erschrak ich. Blut floss aus ihren Augen und sie schrie erbärmlich, dass ich aufhören sollte.
Ich ließ ihre Haare los und taumelte benommen zurück, was hatte ich getan?!
Das Mädchen  brach weinend vor mir auf der Straße zusammen. „Warum hast du das gemacht?!“, schrie ich sie an und wischte mir meine Tränen aus dem Gesicht. Mein Kopf dröhnte von dem Aufschlag und meine Schläfe pochte.
„Warum?“, wiederholte ich und ging um das Mädchen herum, dass nicht mehr aufhörte zu weinen – langsam tat sie mir leid. Doch als ich mich nach der Kiste bücken wollte, sprang sie wieder auf und wollte erneut auf mich losgehen.
Zum Glück bemerkte ich es rechtzeitig, holte mit einem Bein aus und trat es ihr mitten ins Gesicht. Das Mädchen fiel schreiend nach hinten, riss die Hände hoch und hielt sie sich vor ihr Gesicht. Ihr tropfte Blut vom Kopf und aus den Händen.
Angeekelt und angsterfüllt griff ich nach der Kiste, nahm sie schnell, lief an dem Mädchen vorbei zum Haus. auf einmal blieb ich wieder stehen. „Bill…“, stotterte ich leise.
Bill stand auf der Veranda und hatte uns die ganze Zeit beobachtet. Er sah wütend aus, „Komm rein!“, sagte er und öffnete die Tür. Warum hatte er mir nicht geholfen? Doch darüber konnte ich nicht lange nachdenken, denn das Mädchen schrie schon wieder nach mir. schnell lief ich zu Bill und ins Haus und verriegelte die Tür.
Langsam beruhigte ich mich wieder und mein Atme wurde wieder gleichmäßiger. Ich wandte mich um und Bill starrte auf die Kiste. „Wer war das? Du kennst sie!“ Bill schwieg.
„Verdammt noch mal! Sie hätte mich umgebracht… und du schaust nur zu…“, Tränen stiegen mir in die Augen und meine Stimme fing an zu zittern. „Du blutest.“, sagte er auf einmal ruhig und deutete auf meine Schläfe wo das Blut immer noch herunter floss.
„Ach ne!“, ich schlug ihn wütend und ich konnte die Tränen nicht zurück halten. „Du Arsch!“, schrie ich ihn an. Bill sah traurig auf den Boden, wehrte sich aber nicht gegen meine Schläge.
Irgendwann hörte ich auf und sank erschöpft auf den Boden, „Warum wehst du dich nicht? Warum erzählst du mir nichts? ... warum?“, weinte ich und schluchzte auf, „Warum….?“
 
***
ich lief weinen nach oben in mein Zimmer – die Kiste immer noch fest umklammert. Doch als ich die Tür aufriss, erschrak ich wieder.
Georg lag auf dem Boden und atmete schwer. Tom und Gustav saßen neben ihm. „Was ist passiert?“, fragte ich besorgt und kam zu ihnen. „Die Kiste…“, sagte Gustav und nahm sie mir ab.
Georg war total blass und ich konnte der Haut seine Adern pochen sehen. Er atmete unregelmäßig und ab und zu zuckte er zusammen. „Was ist denn passiert?!“, fragte ich wieder und sah nun zu Tom. „Weißt du was das für eine Kiste ist?“, fragte er ruhig. Ich schüttelte den Kopf.
„Alle von uns haben so eine Kiste. Sie ist irgendwo versteckt.“, fing jetzt Gustav an und fummelte an dem kleinen Schloss herum. Ich hörte ein leises Klick und das Schloss viel auf den Boden. Gustav und Tom sahen mich an.
„Komm her.“, Tom streckte die Hand nach mir aus und ich kroch zu ihm. Er nahm meine Hand und legte sie auf seine Brust. „Spürst du etwas?“, fragte er leise und ich schüttelte den Kopf und riss schnell meine Hand weg – er hatte kein Herz mehr. Man spürte keinen Herzschlag.
„Jeder von uns hat so eine Kiste.“, sagte Gustav wieder und öffnete das kleine Kästchen vorsichtig. Ich vernahm ein Pochen und sah in die Kiste. Ich erschrak und rutschte schnell zurück – das Pochen wurde lauter und lauter.
In der Kiste lag ein Herz und es pochte unregelmäßig.
Als ich zu Georg blickte, atmete er ganz ruhig. Tom zog Georgs Shirt hoch und mir wurde schlecht. In seiner Brust war ein Loch – als wäre sein Brustkorb aufgerissen worden. Und ich sah seine Lungen zittern.
Mein Magen drehte sich um. Schnell sprang ich auf und lief aus dem Zimmer und weiter ins Bad, wo ich mich übergeben musste.
Ich schloss die Augen und sah wieder dieses Loche in Georgs Brustkorb vor mir und wie sein Herz pochte. Ich bekam dieses Bild nicht mehr aus meinen Kopf und musste mich wieder übergeben.
 
Nah zwei Stunden wagte ich mich wieder in mein Zimmer. Tom und Gustav saßen immer noch neben Georg – die Kiste lag offen auf de Boden, doch das Herz war verschwunden und ich vernahm das Pochen nicht mehr.
Ich ging ein paar Schritte auf die drei zu und sah Georg, er lag immer noch auf dem Boden, doch sah nicht mehr ganz so blass aus. doch als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass er geweint hatte. Eine Träne floss an seiner Wange herunter.
„Habt ihr…?“, fing ich leise an. „Georg hat sein Herz wieder.“, sagte Gustav und sah mich an. „Habt ihr auch solche… Kisten?“ Und die beiden nickten. „Wenn wir unsere Herzen wieder finden, kehren alle unsere alten Gefühle zurück.“, erklärte Tom und nun verstand ich auch, warum Georg geweint hatte.
Ich ließ mich auf mein Bett sinken. „Wisst ihr wo eure Kisten sind?“ „Nein…“ „Aber Bill… er hat seine…“, fing ich an und die beiden sahen mich erstaunt an, „Was? warum sagt er uns nichts davon?“, fragte Tom etwas wütend aber auch beleidigt. „Nein.. lass ihn!“, unterbrach ihn Gustav schnell und winkte ab, „Er hat seine Gründe!“
„Und wer war dieses Mädchen?“ –Schweigen-
„Das musst du Bill fragen!“, sagte dann endlich Tom, er stand auf und half dem erschöpfte Georg auf die Beine. „Aber er redet ja nicht mit mir – er sagt mir nie irgendetwas.“ „Entweder Bill sagt es dir oder du musst es selber herausfinden.“ „Aber…“ „Frag ihn…“, sagte jetzt auch Gustav und zusammen mit Tom brachten sie Georg nach oben.
Kurz überlegte ich, doch dann sprang ich auf, lief die Treppe herunter und nach draußen. Es hatte angefangen zu regnen und ich sah mich in der Nacht um – doch ich konnte hier niemanden sehen.
Kurz zögerte ich, rannte dann aber in den Garten zu der kleinen Tür, schloss sie auf und kroch durch die Mauer in Bills Garten. Der Regen wurde immer stärker und langsam konnte ich meine Augen Hand vor Augen kaum noch sehen.
Doch ich wollte endlich wissen was los war – wo ich hier mit rein gezogen wurde und wieso! Tränen stiegen mir in die Augen, ich konnte nicht mehr. Verzweifelt stolperte ich über die Wurzeln und Äste und fiel auf den Boden.
„BILL!“, schrie ich weinend und kauerte mich zusammen, „BILLL!!!!“, schrie ich aus Leibeskräften. „Wo bist du??“, meinte Stimme wurde immer leiser und leiser und brach ganz ab. Die Tränen flossen nur so an meinem Gesicht herunter und verschwanden im Regen.
„Bill…“, sagte ich leise immer und immer wieder – er sollte endlich kommen, mich in den Arm nehmen, mich trösten für mich da sein und mir endlich erzählen was los war! ich wollte zu ihm in seine Nähe!
„Verdammt noch mal! Wo bist du, du Arsch!“ Plötzlich sah ich Schritte auf mich zukommen und vor mir stehen bleiben. Ich verstummte und blickte auf, „Hier…“, sagte Bill leise und kam zu mir herunter.
Wieder fing ich an zu weinen „Du Arsch!“, wieder schlug ich ihn. „Cathrin…“, Bill wollte mich beruhigen, „Cathrin!“, er fasste meine Hände, doch ich versuchte mich weiter zu wehren. „CATHRIN!“, er zog mich zu sich und nahm mich in den Arm. „Sag mir endlich was hier los ist! … bitte… ich gehe daran kaputt! Sag es mir… bitte!“, flüsterte ich mit zitternder Stimme, die beinahe vom Regen übertönt wurde.
„ES tut mir leid es tut mir alles so leid.“, Bill drückte mich fester an sich, schütze mich vor dem Regen und war einfach nur für mich da. „Es tut mir alles so leid!!!“
 
***
 
ich hatte mich langsam etwas beruhigt und Bill hatte mich unter den Pavillon gebracht  - ins Trockene. Zwar zitterte ich immer noch am ganzen Körper, aber Bill ließ mich los. Meine Haut war schon überall gerötet, wo er mich angefasst hatte.
„Wer war dieses Mädchen? Du kennst sie!“, fragte ich leise und zog die Beine an meinen Körper, damit das Zittern endlich aufhörte.
„Du hast doch dieses Herz mit den zwei Namen in der Wand gesehen…“ mehr musste Bill gar nicht sagen und ich wusste wer das Mädchen war. „War sie deine Freundin?“ Bill nickte leicht. „Willst du mir endlich erzählen was passiert ist?“ – Schweigen-
Und wieder sagt Bill nichts. was kann bloß geschehen sein, das er mir nichts erzählen wollte – was war der Grund dafür.
„Ich warte nicht immer! Irgendwann ist es vorbei.“, sagte ich dann ruhig und Bill sah mich hilflos an. „Dann sag mir wie lange ich noch warten soll, bis du mir endlich sagst was damals passiert war? wie lange noch?“ „Ich ka… kann nicht…“, stotterte er leise und so stand er auf und verschwand in die Nacht zurück.
Ich schlug wütend mit der Faust auf die Bank um nicht wieder in Tränen auszubrechen.
Plötzlich sah ich zwei leuchtende Augen im Gebüsch etwas weiter hinter mir. und als auf einmal die dicken Wolken verschwanden und das Mondlicht in den Garten fiel, erschrak ich – das Mädchen.
Sie sah mich an, bewegte sich jedoch nicht und machte keine Anstalten irgendetwas zu machen. Plötzlich sah ich ein blitzen in ihren Augen und sie verschwand im Gebüsch – ein Rascheln der Blätter war zu hören und sie war weg.
Sie hatte uns gesehen… hat sie geweint?
 
Ich schloss die Haustür hinter mir und die Sonne schien mir ins Gesicht. Endlich wurde es wieder warm. Ich schulterte meine Tasche und lief los zur Schule. Langsam hatte sich der Trubel um mich gelegt – zwar bekam ich immer noch diese abschätzenden Blicke, doch an die gewöhnte man sich schnell.
„Hey Cathrin!“, ich wandte mich um. Annika kam winkend auf mich zu gelaufen. Ich war etwas erstaunt, denn eigentlich wollte sie seit den Vorfälle doch als erste nichts mehr von mir wissen und hatte mich verpfiffen.
Als mir dieser Gedanke wieder durch den Kopf schoss, ignorierte ich sie und ging meinen Weg einfach weiter – warum sollte ich auf sie auch warten?!? Dafür gab es keinen Grund.
„Mensch Cathrin! Bitte…“, dieser flehende Ton ließ mich wieder weich werden und so blieb ich doch stehen. Annika holte auf und ging neben mir her. Ich blickte sie nicht einmal an, sah weiter hin auf meine Schuhe.
„Es tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich dich verpetzt habe. Aber was sollte ich anderes machen?“, fing sie an und auf einmal hörte ich Gustavs Worte wieder in meinem Kopf Du musst auch mal die anderen verstehen – was würdest du machen wenn dir einer vorbei kommt und sagt er sieht tote Menschen?!
„…hörst du mir überhaupt zu?“, ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah Annika etwas verwirrt an. „Alles in Ordnung?“ Ich nickte leicht und wir gingen weiter.
„Nimmst du meine Entschuldigung an?“, fragte sie, bevor wir den Schulhof betraten und blieb stehen. Ich sah sie wieder an und überlegte, „Ich weiß nicht…“ „Du kannst dir ruhig Zeit mit deiner Entscheidung lassen.“, sagte sie schnell, dann lächelte sie mir zu und lief zu ihren Freundinnen.
Ich runzelte die Stirn, was war das denn grade für ein Auftritt? Irgendetwas kam mir an der ganzen Sachen komisch vor. Doch ich hatte keine Zeit mehr darüber nach zu denken, denn es klingelte zur ersten Stunde und ich lief ins Schulgebäude.
Den ganzen Tag über hatte Annika fast wortwörtlich an der Backe kleben. Sie redete mir schon eine Kante ans Bein und langsam war ich auch schon etwas genervt – doch das wollte ich ihr nicht sagen… wieso oft, wo ich mir alles gefallen ließ.
 
„Annika. Gut. Ich nehme deine Entschuldigung an. zufrieden?“, wir standen auf unserer Straße und ich wollte nur noch nach Hause. „Schön!“, rief sie und umarmte mich plötzlich überschwänglich und beinahe hätte ich das Gleichgewicht verloren, fing mich aber schnell wieder und lockerte ihren Griff.
„Dann hol ich dich morgen vor der Schule ab, ok?!“, und auf keine Antwort zu warten, winkte sie mir zum Abschied und hüpfte fröhlich nach Hause.
„Komisches Mädchen.“, meinte ich Kopfschüttelnd und ging zu mir nach Hause.
Ich lief die paar Stufen zur Haustür rauf und kramte in meiner Tasche nach dem Schlüssel. Doch leider dauerte es mal wieder Stunden bis ich ihn gefunden hatte und als ich ihn grade ins Schloss stecken wollte, hörte ich ein lautes Knacken über, blickte hoch und mit wurde der atmen abgeschnürt.
Eine Schlinge verfing sich um meinen Hals und wurde zu gezogen. Aus Panik riss ich die Hände hoch, hörte wie meine Tasche auf den Boden fiel und zog an dem Band, was sich in meinen Hals einschnitt. Ich schnappte nach Luft und hörte ein leises Lachen.
Mir wurde schwindelig und ich war dabei mein Bewusstsein zu verlieren – so viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, „Bill…“, krächzte ich mit dem letzten Atemzug und dann ein Schrei. Das Seil löste sich und fiel herunter. Ich kippte zu Boden, rang nach Luft und musste husten.
„Was machst du hier? Hab ich dir nicht gesagt du sollst verschwinden?!“, hörte ich Bill jemanden anschreien und ein Mädchen fing an zu weinen, „Aber… sie… ich…“, stotterte sie. „NEIN! VERSCHWINDE AUS MEINEM LEBEN!“
mir dröhnte der Kopf und mein Hals schmerzte. Ich bekam kaum Luft und atmete schwer – doch das nützte nichts. denn auf einmal wurde alles schwarz um mich herum und ich kippte um. Von weit weg, vernahm ich noch einmal kur meinen Name und verlor das Bewusstsein.
 

***

 
Als ich aufwachte, lag ich eingekuschelt im Sofa auf dem Dachboden. Ich blickte an die Decke. Alles war ruhig – es war Nacht. wie lange habe ich geschlafen? Meine Hand glitt mir an meiner Wange herunter zum Hals, wo ich eine leichte Einkerbung spürte, die von dem Seil noch über geblieben war. Vorsichtig strich ich darüber.
Ich stöhnte leise auf und drehte mich auf die Seite. Plötzlich hielt ich inne und starrte in ein ruhendes Gesicht – Bill. er lag neben mir auf dem Boden und schlief tief und fest. Ich hörte seinen leisen, gleichmäßigen Atem.
Ich streckte eine Hand nach ihm aus und strich Bill eine Strähne aus de Gesicht. Auf einmal zuckte er zusammen und öffnete leicht seine Augen. „`Tschuldigung…“, flüsterte ich und nahm meine Hand wieder weg – doch Bill griff danach und zog mich zu sich auf den Boden.
Ich spürte mein Herz schneller schlagen und folgte seiner Reaktion. Vorsichtig legte ich mich zu ihm und spürte seine Hände auf meinem Körper. Ein leichtes Brennen folgte seinem sanften Streicheln und ich genoss es.
Ich strich ihm an der Wange herunter und schloss die Augen.
Auf einmal, kamen laute Jubelrufe und Bill und ich verharrten. „Die anderen…“, sagte er dann und ließ von mir ab. Ich setzte mich auf und sah mich um. Vom Fenster aus, konnte ich Tom erkennen, wie er mit Gustav, Georg und zwei Mädchen auf uns zu kamen und plötzlich war der ganze Dachboden voll und die vier trällerten irgendwelche Lieder fröhlich vor sich hin.
Bill schüttelte grinsend den Kopf. Und Georg zog mich auf die Beine und fing mit mir an zu tanzen – anscheinend hatten die anderen richtig gute Laune.
„Darf ich vorstellen…“, rief Tom auf einmal und wir sahen ihn alle an, „Sarah… und Lisa.“, er deutete auf die beiden Mädchen. Ich trat hinter Georg hervor und sah sie mir an.
die beiden waren kleiner als ich und hatten beide blonde Haare. Nach ihren Klamotten zu Urteilen waren sie reiche Kinder gewesen – sie trugen irgendwelche Markenkleider und waren dick geschminkt. Dadurch fiel ihr blasses Gesicht mit den tiefen Augenringen kaum auf.
Ich winkte den beiden zu, die mir sehr nett schienen, denn sie grinsten die ganze zeit breit und waren genau wie Georg, Gustav und Tom total aufgedreht.
„Und du bist das Mädchen, das uns sehen kann…“, sagte die eine, ich glaube es war Sarah und kam zu mir. „Coole Sache.“, grinste sie und betrachtete mich von oben bis unten, „Coole Klamotten.“, sagte sie hinter her und ich lächelte verlegen.
 
„Tja, wir haben uns selber umgebracht – sind vom Hochhaus gesprungen.“, erzählte Sarah. Wir hatten uns alle auf den Boden gesetzte uns Decken und Kissen herangeholt und erzählten über Gott und die Welt.
„Na ja. Lisa hat mich mit gerissen und am Anfang hatte ich richtig schiss. Mir schoss mein ganzes Leben noch mal an mir vorbei.“, meinte Sarah und sah ihre Freundin an. „Tat es weh als ihr unten aufgekommen seid?“, fragte ich vorsichtig und die beiden schüttelten den Kopf. „Du merkst eigentlich nur einen Stich deinen ganzen Köper durchfahren und dann ist alles vorbei – als wenn du schläfst…?!“, und die beiden nickten wieder.
Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen zu sterben. Oder wie ist es tot zu sein – es war für mich immer noch unerklärlich.
„Ich kann es noch gar nicht glauben.“, grinste auf einmal Sarah Lisa an und die grinste auch breit. „Was denn?“, fragte Tom und rutschte näher an Sarah. „Wir waren früher total die Hardcore Fans von euch – wir hätte alles getan um euch einmal zu treffen und siehe da: der Tod hat doch was gebracht.“, lachten die beiden. „WAS? ich habt euch wegen den Jungs umgebracht?“, fragte ich erschrocken. „Japp. Als wir erfahren haben, dass ihr an einem mysteriösen Tod gestorben seid und die Presse und so nichts, aber auch wirklich gar nichts darüber erzählen wollte, konnten wir nicht mehr weiter leben. Tokio Hotel war unser Leben und mit ihnen sind auch wir gestorben.“ „Ja. Und jetzt sitzen wir hier mit euch zusammen und sind alle tot.“
Oh mein Gott… etwas abgedreht waren die beiden schon, aber auch total nett. Vielleicht wurden sie so erzogen oder sie haben irgendwelche Schäden von dem Dasein als Reiche davon getragen, dass man so was macht – ich wusste es nicht.
„Habt ihr eure Kisten auch schon gefunden?“, fragte Sarah auf einmal und tiefes Schweigen trat ein. „Nur Georg.“, sagte Tom dann. Ich blickte zu Bill, der so tat als würde er von gar nichts wissen und meinte, „Wo habt ihr eure denn gefunden?“ „Meine war im Pool von unserem alten Haus.“, sagte Sarah. „Und meine in meinem Lieblingsteddy… ich hätte sie nie gefunden, wären meine Eltern nicht auch ein paar Jahre nach mir gestoben und würde das ganze Zeug aus unserem Haus weggeschmissen worden.“
„Sind deine Eltern auch Geister? Oder was ihr hier seid?“, fragte ich. „Nee, die sind an einem natürlichen Tod gestoben.“
Also wurden nur umgebrachte zu Geistern – also welche die früher gestoben waren als vorgesehen.
„Ach und Cathrin.“, Lisa sah mich eindringlich an, „Halt dich von Annika fern!“ „Was? woher kennst du sie?“ „Ich hab dich schon am ersten Tag in der Schule gesehen – halt dich von ihr fern!“, wiederholte sie. Ich war etwas irritier von ihr, doch nickte dann zustimmend, weil mir das sowieso nicht so koscha vorkam, was Annika grade machte.
„Und warum habt ihr mir nicht schon früher erzählt, dass ihr mich kennt?“, fragte ich. „Wir wussten ja nicht, dass du uns auch sehen kannst. Du bist die erste.“, grinste Sarah. „Wie: auch sehen kannst?“, fragte ich verwundert. „Na ja. Annika kann uns nur hören – deswegen sollst du ja auch von ihr fern bleibe.“ „WAS? Diese Sch…!“, langsam machte mich dieses Mädel echt wütend. Sie wusste von Anfang an, wovon ich sprach und hat es mir nicht gesagt – stattdessen erzählte sie irgendwelche Märchen über mich.
Ich spürte, wie Bill eine Hand auf meine legte und ich beruhigte mich langsam wieder – ich wollte mich jetzt nicht über sie aufregen.
 
***
 
Die Treffen mit Bill häuften sich in den letzten Tagen. Und bei jeder Begegnung erzählte er etwas mehr über sich, jedoch nur über seine Karriere. Er erzählte über verschiedene Geschenke und Aktionen der Fans, von ihrer Tour von den Interviews und den Veranstaltungen die sie besucht hatten und bei denen sie ab und zu auch Preise bekamen.
Wir saßen im Garten. Der Frühling war endlich im Land eingekehrt und so blühten hier und da die ersten Blumen und Büsche. Ich wippte mit den Beinen von dem Geländer des Pavillons. Bill saß auf der Schaukel hinter mir.
„Erzähl mir von meiner Mutter. Wie habt ihr euch kennen gelernt?“, fragte ich und wandte den Kopf nach hinten um seine Reaktion ab zu warten. „Tja. wie haben wir uns kennen gelernt.“, er überlegte und sah gedankenverloren in die Gegend. „Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht mehr. Es ist schon zu lange her…“
ich klettere über das Geländer und setzte mich neben Bill, „Und wie sah sie aus?“ „Wie du. Nur sie hatte etwas lockige Haare und war nicht ganz so groß wie du.“, Bill sah mich an und erinnerte sich an alte Zeiten zurück – das konnte ich an seinem verträumten Blick erkennen. „Sie hatte auch nicht so viele Sommersprossen wie du, trug ihre Haare offen und verwuschelt.“, er machte ein Pause und sah mir in die Augen, „Du dagegen bist mehr der zopfträger, was?“, grinste er und zog mir mein Gummi aus den Haaren. „HEY!“, schnell versuchte ich danach zu greifen, doch Bill war schneller und meine halb langen, braunen Haare fielen mir um den Hals.
„Erzähl mir erst was über dich – dann bekommst du dein Zopfgummi vielleicht wieder…“, grinste er immer noch, als ich versuchte mir meine Haare wieder zurück zu halten. „Was soll ich dir denn erzählen?“, fragte ich etwas beleidigt. „Wie steht es mit der Liebe?“
ein Stich durch fuhr meinen Körper und ich starrte Bill lange an. „Hm?“, hakte er neugierig nach. „Da gibt es nichts…“, sagte ich traurig, sah auf den Teich und ließ meine Haare wieder fallen. „Ach komm. Das kannst du deiner Oma erzählen, so ein Mädchen wie du…“ „Was soll ich dir da groß erzählen? Da gibt es nichts!!!! würdest du mit jemanden etwas anfangen, der überall als Freaks, Psycho oder Geisteskrank erklärt wird?“, sagte ich wütend.
Bill schwieg, mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet. „Siehste…!“
„Hattest du keine erste große Liebe?“, fragte er weiter, obwohl er merkte, dass es mich verletzte. „NEIN! Verdammt noch mal. Ich war immer und überall der Außenseiter – ein Einzelgänger.“, Tränen stiegen mir in die Augen, denn all die schrecklichen Erinnerungen kamen wieder in mir hoch.
wie ich damals schon in der Grundschule gemieden wurde, mit niemanden spielen konnte und wenn doch, dann war ich immer das Opfer, wurde über den Schulhof gejagt, geschlagen und gefangen. In den anderen Jahrgängen war das auch nicht viel besser – dort wurde ich mit Schweigen, Ignoranz und Abneigung gestraft.
„Warst du überhaupt schon einmal verliebt? Weißt du wie man sich dann fühlt?“, mit jedem Wort stieß er mir ein Messer weiter ins Herz – ich konnte es schon förmlich spüren.
„Warum fragst du soetwas?“, Tränen flossen mir am Gesicht herunter und Bill sah mich ruhig an. „Warst du nun verliebt oder nicht?“, er ignorierte meine Gefühle total. Ich wandte mich ab und atmete tief durch. „Nein… wie denn auch?!“, meinte ich mit zitternder Stimme und ballte meine Händen, damit die nicht auch noch anfingen zu zittern.
„Guck mich an.“, hörte ich Bill sagen. „Guck mich an!“, Bill legte eine Hand auf meine Wange und drehte mein Gesicht zu seinem, so dass ich gezwungen war ihm in die Augen zu sehen. „Sag mir was du fühlst.“ Ich schwieg, wusste nicht was er damit meinte. „Was hast du grade eben für ein Gefühl?“ „Ein unangenehmes.“, sagte ich rau.
„Und sonst? Was denkst du wenn du bei mir bist – wenn du mit mir zusammen bist – wenn ich dich berühre – wenn ich dich immer weiter ausfrage, in deinen Wunden weiter bohre? Wie fühlst du dich dabei?!“ „Was meinst du?“, seine Fragen überforderten mich, mir war total mulmig und ich konnte Bills Atem auf meinem Gesicht spüren.
Auf einmal griff Bill mit der anderen Hand zu meinem Hals, fing langsam an, daran herunter zu streichen. Eine Gänsehaut fuhr mir über den Rücken. Ich schloss automatisch die Augen und ließ Bill seinen Willen.
„Was fühlst du wenn ich dich berühre?“, flüsterte er jetzt ganz nah an meinem Gesicht – seine Lippen berührten leicht meine Wange als er sprach. „Was fühlst du wenn ich dir so nah bin?“
Er zog mich vorsichtig zu sich und plötzlich spürte ich einen leichten Kuss auf meinem Hals. Zuerst ganz zaghaft und als er merkte, dass ich mich nicht dagegen werte, kam noch ein leichter Kuss und noch einer.
Ich umgriff Bills Arm und wollte ihn nie wieder los lassen. Dieses Gefühl – es durchschoss meinen ganzen Körper. Überall kribbelte es und ich bekam Gänsehaut.
Die Küsse an meinen Hals wurden doller, heftiger, mehr. Ich bekam gar nicht genug davon und zog Bill näher an mich ran. Ich wollte dieses Gefühl nicht wieder verlieren und klammerte mich an ihn.
Doch auf einmal wurde das Brennen seiner Lippen auf meiner Haut heftiger. Ich kniff die Augen zusammen – es fühlte sich an, als würde Bills Kuss in meine Haut einbrennen. Ich spürte meine Halsschlagader schneller pochen und der Schmerz wurde unerträglich.
Ich drückte Bill weg, doch er ließ nicht von mir ab, küsste mich immer und immer wieder auf die selber Stelle, „BILL!“, schrie ich auf und er ließ abrupt von mir ab.
Ich griff an meinen Hals und starrte Bill fassungslos an. „Was ist?“, fragte er besorgt, nahm meine Hand weg und erschrak. „WAS?“, ich sah ihm an, das etwas nicht stimmte.
Bill fand keine Wort und blickte auf meinen Hals, dann sprang er auf einmal auf, nahm meine Hand riss mich von der Schaukel herunter, durch den Garten ins Haus, die Treppen hoch in mein Zimmer und stellte mich vor den Spiegel.
„Es tut mir leid.“, sagte Bill leise. Und als ich den Spiegel sah, stockte mir der Atem. Ich hatte einem tiefen Abdruck von Bills Lippen auf meinem Hals und Blut floss daran herunter. Der Abdruck war richtig eingebrannt, gerötet und blutete.
Ich stand mit offnen Mund da, spürte immer noch meine Adern pochen. „Oh mein Gott…“, sagte ich endlich leise, als ich meine Stimme wieder gefunden hatte.
„Das wollte ich nicht. Ich hatte total vergessen… es tut mir leid… vielleicht musst du es kühlen, vielleicht geht es dann wieder weg... vielleicht…“, stotterte Bill hinter mir. ich sah ihn durch den Spiegel heraus an – wurde auf einmal ganz ruhig, „Es ist egal.“, sagte ich dann und Bill sah mich etwas erstaunt an. „Es wird sowieso niemanden auffallen und wenn doch ist es ihnen egal…“
„Aber…“ Ich wandte mich um und legte einen Finger auf Bills Mund, damit er schwieg. Lange sah ich ihn an und überlegte – betrachtete sein Gesicht. „Was fühlst du?“, fragte ich nun und sah ihm fest in die Augen.
 
***
 
„Was ich fühle?“, wiederholte er leises und sah mich an. Er strich mir über seinen Abdruck am Hals und überlegte. „Was fühlst du?“, fragte ich wieder und strich ihm über die Wange und durch die Haare.
Bill antwortete nicht, er strich meinen Hals auf und ab und seine andere Hand glitt in meine Haare und drehten sie auf den Finger auf. Seine Augen sahen traurig aus, obwohl er leicht lächelte. Ich griff nach seinen Händen und hielt sie fest, endlich sah er mir wieder in die Augen, „Nichts…“, hauchte er, ließ von mir ab und verschwand auf den Dachoden.
Ich blieb reglos stehen und realisierte noch gar nicht, was er grade gesagt hatte, doch langsam hörte ich seine Stimme wieder hallen, „Nichts…“
Tränen stiegen mir in die Augen und meine Hände fingen an zu zittern.
Ich spürte immer noch Bills Wärme, seine Hände, die sanft über meinen Hals strichen und seine Lippen. „Nichts…?“, sagte ich ganz leises und strich über Bills Abdruck, den er mir hinter lassen hatte.
„Und warum dann die ganzen Treffen? Die ganzen Berührungen? Die Küsse?!“, stotterte ich flüsterte und blickte mit trüben Blick auf den Boden. „WARUM DAS GANZE?!“, schrie plötzlich ich aus Leibeskräften und brach weinend auf dem Boden zusammen. Meine Brust zog sich zusammen und ich spürte, wie Bill mir das Messer ganz ins Herz rammte.
 
Schon seit Stunden lag ich reglos auf meinem Bett. Klara war inzwischen nach Hause gekommen – doch das bekam ich nur halb mit. Ich musste die ganze Zeit über Bills Wort nachdenken – ich verstand ihn einfach nicht.
„Hey…“ Ich blickte auf und sah Tom an meinem Schrank stehen. Ich sagte kein Wort, sah wieder aus dem Fenster und schwieg. „Was ist los?“, fragte Tom und setzte sich zu mir aufs Bett.
„Habt ihr keine Gefühle mehr, wenn ihr tot seid?“, fragte ich leise und musste die Tränen unter drücken, dich sich wieder in mir aufstauten. „Wie meinst du das?“ „So wie ich es sage! Habt ihr keine Gefühle? Spürt ihr gar nichts?!“, langsam wurde ich wütend – doch nicht auf Tom, sondern auf mich, dass ich mich auf Bill eingelassen hatte.
„Nun ja. Wir empfinden schon Trauer und Glück, aber so was wie… Liebe, fühlen wir als Tote nicht mehr, es sei denn wir finden unser Herz wieder.
„Und warum will Bill sein Herz nicht? Er hat es doch!“ „Davon weiß ich nichts – er hat uns noch nichts gesagt.“, Tom hob abwehrend die Hände, „Doch Sarah und Lisa wissen, wo noch ein paar Kisten versteckt sind, vielleicht sind welche von uns dabei – Gustav und ich wollen auch gleich los… hast du Bill gesehen?“, fragte er.
Ich wandte meinen Kopf und sah ihn genervt an warum fragte er mich jetzt nach Bill? „Was hast du denn da?!“, rief Tom plötzlich und starrte auf meinen Hals. „Tja, das weiß ich wohl auch nicht.“, meinte ich stur und legte meinen Kopf wieder aufs Kissen. „Woher hast du das – zeig doch mal.“ „Von wem?“, fragte ich verächtlich, „Ich weiß auch nicht wieso ich das hab. Eigentlich sollte ich das gar nicht haben – aber kannst ja mal deinen Bruder fragen!“
„Nee, ist das etwa…“, Tom grinste breit, zog mich hoch und betrachtete das Eingebrannte an meinem Hals. „Ui, da hat Bill aber ganze Arbeit geleistet.“, grinste er weiter. „WAS? Ach verschwinde!“, meinte ich wütend und schubste ihn vom Bett.
„Hey. War doch nicht böse gemeint.“ Und auf einmal tat es mir leid, dass ich meine Wut an Tom ausgelassen hatte. „Tut mir leid.“, sagte ich leise und kuschelte mich in meine Decke.
„Aber was ist mit deinem Bruder los? Ich versteh ihn nicht – manchmal macht er Sachen die eigentlich eindeutig…“ „Ja, ich weiß. Aber so war er nicht immer. Ich weiß auch nicht was mit ihm los ist. bevor wir gestorben sind, war er immer eine Quasselstrippe, hat über all immer seinen Senf dazu gegeben und wollte so viel wie möglich erzählen, wollte sein Glück und seine aufregenden Zeit mit anderen Teilen – doch das hat sich geändert. Ich glaube langsam, das er mehr weiß als wir.“
„Kannst du mit ihm reden?“, fragte ich zögernd. „Tja, das habe ich wohl schon oft genug gemacht, doch anscheinend erzählt er dir mehr als uns.“ „Wahrscheinlich. Mir erzählt er gar nichts…“ „Oh doch! Du weißt schon mehr als wir!“ und damit stand Tom auf und winkte mir noch schnell, bevor er sich auf den Weg machte um seine Kiste zu suchen.
Ich blieb alleine mit diesem Gespräch. Was erzählt mir Bill denn, was die anderen drei nicht wissen? Es war echt zum Haareraufen und ich schlug wütend und verzweifelt auf mein Kissen.
„Tja, er erzählt dir wirklich mehr als Tom, Georg oder Gustav…“ Mein Atme stockte und ich hörte eine Mädchenstimme – als ich zur Tür blickte, sah ich Katrin. „Was willst du?“, fragte ich etwas verunsichert.
„Was ich will?!“, sie lachte auf und kam herein, schloss die Tür hinter sich und setzte sich an mein Bettende. „Was würdest du denn wollen wenn du ich wärst?!“, fragte sie herausfordernd. „Ich weiß nicht…“ „Nach was würde man sich am meisten sehnen?“ „Nach… Leben?“, fragte ich leise und ein Lächeln umspielte Katrins Lippen.
„GENAU!“, schrie sie und ihr Blick wurde Finster, sie sprang auf mich zu und ergriff meine Hände, setzte sich auf mich drauf, sodass ich ihr hilflos ausgesetzt war. „HÖR AUF! VERSCHWINDE!“, schrie ich.
„Diesmal wirst du mich nicht so leicht los!“, grinste sie hämisch. Als ich in ihre Augen blickte, bekam ich Panik – das Blut floss in ihre Augen und quoll heraus. Als sie den Mund öffnete, erkannte ich spitze Zähne und eine gespaltene Zunge.
Angsterfüllt wollte ich schreien, doch es kam kein Ton aus mir heraus. Ich fing an mich zu winden und zu drehen, doch ich bekam Katrin nicht von mir herunter. Ich hörte sie laut Lachen und plötzlich spürte ich die Spitzenzähne in Arm – erschrocken blickte ich auf, das Blut spritze aus meinen Pulsadern.
Mir wurde schlecht als ich das sah und hörte Annika nur noch lauter lachen und dann biss sie auch noch in meinen anderen Arm. Das Bett tränkte sich langsam in der roten Flüssigkeit und Katrin leckte sich gierig die Lippen.
„Na wie ist es? Wie ist es kurz vor dem Tod zu stehen?!“, lächelte sie. „Nein… ich will nicht… NEIN!“, schrie ich endlich und trat so gut es ging auf sie ein – doch das half alles nichts. „Keine Angst, ich lass dich schon nicht sterben…“, lachte sie leise und kam ganz nah an mein Gesicht heran, „Ich brauche dich ja noch, beziehungsweise deinen Körper…“, hauchte sie und schnitt sich damit selber die Pulsadern auf.
Mir wurde schwindelig und langsam war ich dabei mein Bewusstsein zu verlieren, doch ich kämpfte verzweifelt dagegen an.
„Hey! Wach bleiben! Wehe du stirbst mir hier weg!“, hörte ich Katrin noch rufen und merkte, wie sie meine Wunde an ihre hielt und dann wurde alles schwarz um mich herum und ich fiel in Ohnmacht.
Ich war nicht stark genug, dagegen an zu kämpfen und verlor mein Bewusstsein.
 
***
 
langsam kam ich wieder zur mir und wollte die Augen öffnen, doch alles um mich herum war schwarz. Panik stieg wieder in mir auf und ich erinnerte mich – Katrin hatte mir die Pulsadern aufgeschlitzt und ihre Wunden dann an meine gehalten, doch wo war ich jetzt? Schnell schloss ich die Augen wieder und öffnete sie erneut, alles schwarz! Ich befand mich in einem leeren Raum – jedenfalls nahm ich das an.
„BILL?!“, schrie ich so laut es ging – mein Ruf hallte wieder und jetzt erst bemerkte ich, dass ich gar nichts an hatte. Schnell umklammerte ich meine Beine hilflos und schrie wieder, doch niemand antwortete.
„Wo bin ich?“, fragte ich leise und spürte meinen Körper zittern.
„Na… wieder aufgewacht?“, hallte es auf einmal und ich blickte auf, das war Katrins Stimme. „WO BIN ICH?“, schrie ich wütend und versuchte immer noch meine Blöße zu bedecken. „Schließ die Augen – dann siehst du es vielleicht…“, hörte ich Katrin lachen und ich tat was sie sagte.
Ich schloss meine Augen und erstarrte. Ich blickte in einen Spiegel und sah mich darin, ich winkte ungewollt. Erschrocken riss ich meine Augen wieder auf. „Na, weißt du jetzt wo du bist?“, hallte es wieder hämisch. „Nein. Das kann nicht wahr sein… du hast doch nicht etwas…“, stotterte ich.
„Natürlich! Und ich muss sagen, dein Körper ist nicht schlecht, schön durchtrainiert, schlank, kein Speck zu viel.“, lachte sie. „Aber… wie?“ „Tja. ich hab dich in dein Unterbewusstsein ganz tief in dir drin verscheucht und kann mich jetzt in deinem Körper bewegen. Du warst ziemlich stak und es hat länger gedauert als bei Annika. Aber als du dein Bewusstsein verloren hast, hatte ich freie Bahn – ich glaube ich könnte mich an deine Körper gewöhnen…“, lachte sie wieder auf.
„NEIN! DAS KANN NICHT WAHR SEIN! BESTIMMT SCHLAFE ICH NUR ODER…“ „Sieh es ein. du hast gegen mich verloren. Und jetzt kann ich endlich Bill zurück haben!“
„Nein!!!! Nicht Bill…“ Wieder schloss ich meine Augen und sah, dass Katrin mit mir zum Bett ging und sich darauf setzte. „Wo ist er eigentlich?“, fragte sie mich – ich schwieg, konnte immer noch nicht glauben, was hier grade passierte.
 
Ich saß jetzt total lange hier und hatte schon jegliches Zeitgefühl verloren. Katrin sprach auch nicht mehr mit mir und so saß ich alleine in der Dunkelheit irgendwo in meinem eigenen Körper gefangen.
Plötzlich spürte ein eine Umarmung auf meiner Haut – doch hier war niemand. Ich spürte die Wärme eines anderen und den Druck seiner Arme wie ich an jemanden heran gezogen wurde. Ich schloss die Augen und wusste woher dieses Gefühl kam.
Bill war bei Annika. Ich konnte ihn direkt vor mir sehen wie er ´mich` in den Arm nahm. Aber warum? Hatten er mir denn nicht gesagt, dass er nichts für mich empfindet, warum nimmt er meinen Körper dann in den Arm?!
Katrin streckte die Hand aus und strich ihm sanft übers Gesicht, Bill ließ von ihr ab, „Ich hab dir doch gesagt, da ist nichts…“, sagte er leise. Ich konnte seine traurige Stimme in meinem Körper widerhallen hören.
„BILLLLL!“, schrie ich auf einmal, in der Hoffnung er könnte mich hören. „BILLLLLLLLLLLL!“, doch das tat er nicht.
„Bill, bitte, las es mich erklären – kannst du mir nicht erst einmal eine Chance geben?“, hörte ich Katrin fragen. Und streckte wieder die Arme nach ihm aus, was Bill schon stutzig machte. Ich wäre nie so direkt gewesen und das merkte er auch irgendwie, dachte sich jedoch nichts dabei.
Sanft schob er Katrin zurück. „Nein. Da ist nichts und da wird auch nichts sein!“, sagte er jetzt etwas kühler und ich verspürte einen Stich im Herzen.
Warum hat er dann das alles gemacht? Mich berührt? Mich geküsst? Die vielen Nächte zu zweit? Hat er mich nur ausgenutzt?! Ich war zu tiefste verletzt und enttäuscht von Bill und könnte am liebsten schon wieder an fangen zu heulen, doch noch jetzt!
„Aber Bill, darüber geht es gar nicht. Katrin…“ Ich schrak auf, als Katrin das sagte und hatte schon so eine Vorahnung was sie machen wollte. „Was ist mit ihr?“, fragte Bill wütend.
„Bitte. Red mit ihr. Sie kam heute zu mir und hat mir alles erzählt – und es tut ihr leid… bitte red mit ihr. Sie hat die ganze Zeit geweint und wollte nur noch zu dir.“ „WAS? Die dumme Kuh kann mich mal!“, schrie er wütend.
„Aber sie wollte das alles nicht…“ „…das hätte sie sich mal früher überlegen sollen!“ „Sie liebt dich… immer noch…“ „Ich sie aber NICHT!“
Katrin… die beiden waren zusammen – also ist sie das Mädchen, wo Bill ein Herz in die Wand geritzt hat mit ihren beiden Namen…. Doch was ist passiert?
„Aber… du hast sie geliebt und das kannst du nicht abstreiten! Erinnerst du dich denn nicht an die alten Zeiten? Die vielen gemeinsamen Abende, die Zukunftspläne?!“, plötzlich stockte Katrin – sie hatte sich verplappert und Bill merkte das. Er sah sie misstrauisch an, „Woher weißt du davon und wieso willst du, dass ich mit ihr rede? Ich dachte du empfindest was für mich,… oder was sollten die ganzen Abende, Berührungen, Küsse…?“, fragte er auf einmal prüfend und etwas traurig – as konnte ich in seiner stimme hören und wieder verwirrt mich dieser Junge. Wieso kam er ausgerechnet jetzt mit diesen Sachen, ich dachte sie hätten ihm nichts bedeutet und dann hält er ´mir` das vor wenn ´ich` sage er soll mit Katrin reden… (WAhhh versteht ihr das? ^.^)
„Ähm… Katrin. Sie tat mir so leid und du willst doch gar nichts von mir – das kann man halt nicht ändern. Aber red bitte mit ihr…“, sagte Katrin schnell hinter her, doch leider nicht überzeugend, denn Bill runzelte die Stirn. „Ich versteh dich einfach nicht…“
ich spürte, wie Annika langsam unwohl wurde, sie hatte die Lage nicht mehr unter Kontrolle und das wusste sie. Hilflos suchte sie nach einem Ausweg aus ihrer misslichen Lage. Und genau jetzt war die Richtige Zeit – jetzt war sie unkonzentriert und das nutzte ich aus.
„BBBBBBBBBBBBIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIILLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ schrie ich so laut es ging, bis mir mein hals wehtat, bis ich keine Luft mehr bekam. Und meine Stimme erreichte ihn schwach – denn ich sah Bill aufhorchen.
 
***
 
„Komm her...“, sagte Bill auf einmal zu Katrin und zog sie an sich heran. Er kam ihr ganz nahe und zuerst war sie sehr überrascht über seine Reaktion, doch dann ging sie auf ihn ein und meine Hoffnung verschwand wieder, dass er mich vielleicht doch gehört hatte.
Bill streichelte ihr über den Hals, über sein Brandzeichen – ich konnte seine Berührungen spüren. Katrin lächelte und umarmte Bill, zog ihn weiter an sich heran und küsste ihn auf einmal. Kurz erwiderte Bill ihren Kuss, doch dann schubste er sie weg, „KATRIN!“, schrie er wütend.
Katrin schreckte auf. „Er hat mich gehört…“, jubelte ich leise. „BILLLLLLL!“, schrie ich wieder und jetzt hörte er mich, denn Katrin bekam die Lage nicht mehr in den Griff – sie sah sich Hilfe suchend um, überlegte hektisch, was sie machen könnte.
„Du miese… Schlampe!“, Bill schubste Katrin aufs Bett und sie schlug hart mit den Kopf an die Wand – was ich zu meinem Pech leiser auch spürte und fluchte einmal kurz auf.
Bill setzte sich auf meinen Körper drauf, damit Katrin nicht weg konnte und sah sie wütend an, „Was hast du mit Cathrin gemacht? warum lässt du mich nicht endlich in ruhe!“ „Aber.. Bill…“, stotterte sie – den Tränen nahe. „Hast du denn immer noch nicht deine Rache bekommen? Hast du mir nicht schon genug angetan?!“, schrie er sie an und hielt ihre Hände fest über ihrem Kopf.
Katrin fing an zu weinen und schluchzte laut auf, „Ich liebe dich.. ich liebe dich… ich liebe dich du Arschloch, schrie sie wütend und auf einmal wurde es ruhig.
Mir wurde schwindelig, schnell schloss ich die Augen und klammerte mich am Boden fest, da ich Angst hatte das Gleichgewicht zu verlieren und in die Tiefe zu stürzen.
„HAU AB!“, schrie Bill und mit diesen Wort riss ich die Augen auf und war wieder in meinem Körper – Katrin war verschwunden. Erschrocken blickte ich in Bills Augen, die langsam wieder sanfter wurden und er ließ meine Hände lockerer, als er merkte, dass ich es war.
ich setzte mich auf und fiel ihm um den Hals, drückte ihn ganz fest an mich. „Es tut mir leid.“, flüsterte er und küsste mich auf den Hals. Zuerst genoss ich es, doch dann fielen mir seine Worte wieder ein und schubste ihn mehr oder weniger unsanft von mir runter.
Zuerst verstand er meine Reaktion nicht, doch dann fiel ihm anscheinend auch ein, was er gesagt hatte und ließ von mir ab.
Ich umklammerte meine Beine und wippte leicht vor und zurück  - es beruhigte mich ein wenig und ich wartete auf eine Erklärung und das wusste Bill. er saß mit dem Rücken zu mir auf dem Bett.
Eine Weile blieb es wie immer ruhig zwischen uns. Immer wieder öffnete ich den Mund und wollte irgendetwas sagen, ließ es jedoch immer wieder. Doch irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. Ich sah, wie Bill die Decke schon zwischen seinen Händen zerknüllte.
„Bill, bitte…. Wie bist du gestorben?“, fragte ich leise. – Schweigen- kurz sah er zu mir und blickte dann wieder aus dem Fenster. „Bedeute ich dir so wenig, dass du es mir nicht sagen willst?“, fragte ich weiter.
„Cathrin, du.. ich…“, fing er an und brach dann wieder ab. „Was?“, fragte ich leises und strich ihm über den Rücken. Ich spürte die Kälter seiner Haut unter dem Shirt und ein leichtes Brennen breitete sich auf meiner Handfläche aus.
„Nein. Hör auf!“, er drehte sich um, riss meine hand herunter und hielt sie fest. „Du… du bedeutest mir zu viel.“, kam es auf einmal aus ihm heraus und ich spürte ein Kribbeln im Bauch. Ich hörte auf zu wippen und sah ihn ruhig an.
„Du bedeutest mir zu viel, als das ich es dir sagen könnte.“, er sah die ganze Zeit auf meine Hand, die er fest zwischen seinen hielt. „Und was ist mit deinem Herzen? Warum willst du das nicht zurück? Wegen Katrin?“
Er blickte mich an. „Glaubst du das wirklich?“, fragte er leicht beleidigt aber trotzdem ernst. „Ich will es nicht… wegen dir.“, sagte er leise, stand auf und ließ meine Hand fallen.
„Nein! Du gehst jetzt nicht wieder!“, sagte ich schnell und kämpfte wieder mit den Tränen. Und bevor er sich noch weiter von mir entfernen konnte, beugte ich mich vor und griff nach seiner Hand, „Bitte geh nicht. Irgendwann ist es vielleicht zu spät. Ich will nicht noch länger warten – du strafst mich schon regelrecht mit deinem Schweigen und ich weiß noch nicht einmal wieso…“
 
***
 
Ich sah Bill mit Tränen in den Augen an und hielt ihn weiter hin an der Hand fest. Er versuchte schon gar nicht mehr weg zu kommen, sah mich weiter hin ruhig an.
„Ok. Aber nicht hier und nicht jetzt. Komm heute Abend in den Garten – dann sage ich dir alles…“, meinte er kurz. Irgendwie hatte ich ein merkwürdiges Gefühl, ich glaubte ihm nicht recht und zögerte, seine Hand los zu lassen. „Vertraust du mir nicht?!“, lächelte er leicht und drückte meine Hand sanft.
Schließlich ließ ihn doch gehen und setzte mich wieder richtig aufs Bett. Bill warf mir einen dankenden Blick zu und verschwand nach draußen.
Heute Abend sagt er mir alles…
Doch auch nach seinem Versprechen war ich verzweifelt. Wollte ich überhaupt wissen was damals passiert war? wollte ich n Bills Vergangenheit herumwühlen? Wollte ich diesen alten Bill kennen lernen?
Ich blickte auf meinen Nachttisch, wo immer noch das Bild lag, wo damals der Rahmen zerbrochen war, das Bild, was Bill so sehr gefiel. Ich nahm es in die Hand und sah mir noch einmal das Mädchen darauf an. sie sah glücklich aus, zufrieden, sie sah einfach nur Lebensfreudig aus – im Gegensatz zu mit.
Plötzlich sah ich Bills Augen in meinem Gedächtnis. Wie sie mich mit so viel Trauer ansahen. Ich sah wie sie mich fixierten, mich nicht mehr aus dem Blick ließen. Diese braunen leeren Augen – doch wenn er mich berührte, mich sanft streichelte, sahen seine Augen immer so strahlend aus.
Ich verstand ihn einfach nicht. Ich wusste nicht was er denkt, was er für mich wirklich fühlt und warum er das alles macht?!
 

Ich kenn dich nicht

Doch hast du´n Teil von mir
Ich schenke dir Gefühle
Die ich lebe Und verweil bei dir
Warum wir beide gleiches Glück und gleiche Trauer spüren
Weiß ich nicht – ich lass mich treiben
Ich lass mich ziehen,
berühren von dem Gefühl
das mich jetzt und heute treibt
Ich fang es ein mit Worten - weil ich will,
dass es für immer bleibt
Ich zeig dir Wärme, von´nem Herz das nur mir gehört
Kannst du fühlen und spüren,
wie mein Herz dein Herz betört
Hör nicht auf zu hassen und zu lieben
So lange ich leb – ist es das was in uns lebt
Die Wege die wir geh´n führen zum Tod
Doch sind verschieden
Sie kreuzen sich und geh´n auseinander
In Trauer – verschwiegen
Besiegen wir die Zweifel und die Angst vor unserm Streben
Nach Liebe und den Menschen die wir suchen
Vertraust du mir – glaubst du alles was ich sage?
 
Ich liebes dieses Gefühl das ich jetzt habe
Ob es wahr oder gelogen ist, kann ich dir nicht sagen
Ich träume einen Traum,
von dem Glück das wir nicht haben
Ich warte auf´m Menschen,
der immer zu mir steht
Wenn ich sterbe um ich weint und
Wenn ich lebe mit mir geht
Der versteht, wer ich bin
Wie ich fühle, was ich denke,
Mein Tausch ist mein Herz,
das ich nur diesem Menschen schenke
kein Flehen und kein Denken
mag die Zeit zu verstehen
sie geht mit dem Leben – nur Gefühle könn´ sie wiederbringen
sie dringen in mein Herz,
spürst du das Glück das ich jetzt habe?
Vertraust du mir – glaubst du alles was ich sage?
 
Wir kennen uns nicht
Doch will ich dir vertrauen
Ich teile mit dir Träume
´n Traum der bei uns bleibt, wenn andere gehen
ich lass mich mit dir treiben
verlierst du deine Angst vor mir
und willst du bei mir bleiben?
Ich zeig dir mein Herz
Ich lass mich bei dir fallen –
Ohne Angst, das mein Herz zerbricht
Vertraust du mir – glaubst du alles was ich sage?
 
 
 
***
 
Wie abgesprochen stand ich nun im Pulli im Garten und stapfte schon von einem Fuß auf den anderen. Ich hatte zwar ein bisschen Angst, dass Katrin kommen würde, doch die verflog sofort, als ich Bill kommen sah.
Er sah gar nicht glücklich aus – anscheinend wollte er mir immer noch nichts erzählen, doch ich zwang ihn dazu. „Hey..“, sagte  er leise und wir setzte uns auf die Hollywoodschaukel.
„Hast du schon lange gewartet?“, fragte Bill und blickte mich an. „Nein. Bin auch erst grade gekommen.“ Irgendwie kam mir die Lage grade etwas verkrampft vor und ich fühlte mich total unwohl.
„Gustav hat sein Herz auch wieder gefunden.“ „Wirklich? Wo das denn?!“, fragte ich erstaunt und freute mich für ihn. „Ich glaube in seinem alten Schlagzeug war die Kiste – ich weiß es nicht.“ „Schön…“, sagte ich leise vor mich hin und wippte mit den Beinen in der Luft.
„Du, Bill…“, ich machte eine Pause und überlegte, wie ich es am besten sagen konnte. „Was denn?“ „Ich…“, ich sah ihn an, „Ich weiß nicht ob ich es überhaupt wissen will.“, meinte ich auf einmal und wartete auf eine Reaktion. „Wie meinst du das? Ich dachte…“ „Ja schon. Ich habe dich schon de ganze Zeit dazu gedrängt mir endlich alles zu erzählen – wie du gestorben bist, warum du gestorben bist und wer diese Katrin ist… doch jetzt.“ Eine Haarsträhne wehte mir ins Gesicht und ich strich sie schnell weg, „Doch jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.“
Bill schwieg, hörte mir einfach nur zu und ließ seinen Blick nicht einmal von mir ab. Ich liebte seine eindringlichen Blicke, auch wenn sie mir manchmal unangenehm vorkamen, liebte ich sie jedoch.
„Aber wie kommst du jetzt darauf?!“, fragte er endlich, nach Minuten des Schweigens, was mir wie Stunden vorkam. „… Ich weiß nicht, ob ich den alten Bill kennen lernen möchte, ob … ach ich weiß auch nicht.“, sagte ich hilflos.
Auf einmal grinste Bill und schubste mich leicht, „du weißt auch nicht was du willst, was?!“ „Joa…“, meinte ich etwas verlegen und musste auch grinsen und so blieb sein Geheimnis, auch weiter hin sein Geheimnis.
„Willst du es gar nicht mehr wissen?“, fragte Bill noch einmal. Ich nickte etwas zögernd und das merkte er auch, „Ok, irgendwann anders erzähl ich dir alles.“, lächelte er und gab mir einen flüchtigen Handkuss, bevor er mich von der Schaukel auf die Beine zog.
„Was hast du vor?“, fragte ich etwas irritiert und dachte schon, dass er mich wieder irgendwo hin ´entführen` wollte, doch so war es leider nicht, „Ich wollte rein…“, meinte er zögernd. „Ach so.“, grinste ich und so gingen wir beide zurück ins Haus.
 
Als ich am nächsten Tag wieder zur Schule kam, hörte ich schon Weitem laute Schreie. Ich ging etwas schneller, bog um die Ecke und blieb erschrocken stehen. „Oh mein Gott…“, flüsterte ich.
„DU!“, schrieen zwei Mädchen die weinend an mir vorbei liefen – weg von wem grauenvollen Platz.
Mir wurde eiskalt, als ich mir die Schule ansah. und als mein Blick über den Pausenhof schweifte stockte mir der Atem, „Annika.“ Ich lief zu einer Gruppe von Menschen, drängelte mich durch sie durch und verharrte plötzlich.
Mir wurde schlecht als ich Annika sah. Um unsere Schule war bisher immer nur ein weißer Lattenzaun gelegt, doch dieser Zaun färbte sich auf einmal rot und Annika lag aufgespießt im Beet. Die Latten waren durch ihren Körper gebohrt und sie lag mit leerem Blick in den Himmel vor uns. Blut tropfte noch aus ihrem Mund und man sah die Schmerzen noch in ihrem Gesicht.
Und nun fiel mein Blick wieder auf die Schulwand. Ich machte ein paar Schritte zur Seite – weg von den diskutierenden Leuten um Annika. Immer wieder schüttelte ich den Kopf, als ich mir die Zeichen auf der Wand ansah und konnte alles gar nicht glauben.
Eine Blutspur führte von Annika an die hohe Hauswand, wo dann in großen Buchstaben stand: ICH TÖTE DICH CATHRIN!
Ich las diesen Satz noch einmal und noch einmal und sah das noch nicht ganz getrocknete Blut an der Mauer langsam herunter laufen.
Auf einmal griff jemand meinen Arm von hinten, erschrocken wirbelte ich herum und sah in ein wütenden Gesicht des Schulleiters, „Was ist hier passiert?!“, zischte er und funkelte mich böse an. „Ich … ich weiß es nicht…“, brachte ich stotternd heraus.
„Deu weißt mehr als alle anderen hier. Komm mit!“, sagte er leise aber immer noch energisch und zog mich hinter sich her, durch die Absperrungen in die Schule und weiter in sein Büro, wo er die Tür hinter mir abschloss und mich unsanft auf einen Stuhl setzte.
Ich stand immer noch unter Schock und konnte mich gar nicht dagegen wehren. Leise rangen mir die Tränen am Gesicht herunter.
„Ok. Ich muss ehrlich zu dir sein: du bist nicht die Erste, die hier was von toten Menschen erzählt.“, gab er zu. bei diesem Satz fing ich mich wieder und wischte mir die  Tränen weg. „Ach! Und warum haben sie mir dann so einen Brief geschrieben? Mich hier angemotzt?!“, meinte ich wütend.
„Ja, ja. Das ist jetzt egal.“, winkte er ab, „Sag mir was die Toten wollen.“ „Was?“, ich wusste nicht was der Direktor von mir wollte. „Frag sie was sie wollen. In allen 10 Jahren bis jetzt gab es immer wieder ein Mädchen, das die Toten sehen konnte und die hat dann immer die Toten gefragt, was sie wollen – das bekamen sie und so ließen sie uns in Ruhe… jedoch starb in jedem 10. Jahr auch immer wieder ein Schüler…“
ich sah den Schulleiter fassungslos an, „Und warum schließen sie diese Schule nicht? Reißen das Gebäude ab?!“, schrie ich ihn wütend an.
Er sah mich fragend an. „Wissen sie überhaupt, was das hier früher war? Wieso es hier überhaupt so viele Tote gibt?“ Ich bekam ein Kopfschütteln. „Oh mein Gott…! Reißen sie diese verdammte Schule ab!“, meinte ich nur noch, stand auf und verließ das Büro.
„Cathrin! Warte, das können wir nicht machen! Warte!“ Ich ignorierte die Rufe und lief nach Hause, so schnell es ging.
 
***
 
schon seid Stunden saß ich oben auf dem Dachboden, schlang meine Arme um die Beine und wartete darauf, dass endlich einer der Jungs kamen – doch innerlich hoffte ich auf Bill. „Warum bist du nie da, wenn man dich braucht?!“, flüsterte ich mit zitternder Stimme.
Ich sah immer noch Annika vor mir, wie sie tot auf dem Zaum aufgespießt lag – ihr leerer Blick, ihr Angsterfülltes Gesicht und dieses viele Blut.
Schnell schüttelte ich den Kopf um diese Bilder wegzubekommen und schloss die Augen. Doch das war ein Fehler, denn auf einmal sah ich Szenen vor meinem inneren Auge aufblitzen – Szenen von gestern Abend bei der Schule.
Ich sah Annika schreiend wegrennen, sie blutete schon aus dem Mund und spuckte. Plötzlich stolperte sie und schlug hart gegen die Schulwand. Erschröpft blieb sie liegen, kroch weiter zur Wand und presste sich hysterisch daran. „Nein…NEIN!“, schrie sie und fing auf einmal an, sich selber gegen den Kopf zu schlagen, immer doller und doller, doch anscheinend half es nicht, denn auf einmal schlug sie mit voller Wucht ihren Kopf gegen die Mauer. Sie hinterließ einen roten Abdruck.
Annika krümmte sich vor Schmerzen, raufte sich die Haare und biss sich auf die Lippen, bis sie schließlich auch bluteten.
Sie schrie und schrie, doch niemand hörte ihre Hilfeschreie. Wieder schlug sie den Kopf gegen die Wand, bis das Blut nur so daran herunter floss.
Erschrocken riss ich die Augen auf. Ich atmete schwer und zitterte am ganzen Körper. Ich wollte diese Bilder nicht sehen. Doch auf einmal blitze wieder ein Bild auf: Katrin, sie stand lachend vor der Schule und sah sich ihr Werk an.
„NEIN!“, schrie ich, sprang von meinem Platz auf und lief runter in mein Zimmer, kroch in mein Bett und zog die Decke bis unters Kinn.
„Bill…wo bist du?!“, weinte ich leise und bekam das zittern nicht unter Kontrolle. „BILL!“, schrie ich und kauerte mich weiter unter die Decke.
 
Ich wachte auf, anscheinend war ich irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen. Als ich mich umwandte um aus dem Fenster zu blicken, lag neben mir Bill. er schlief ganz ruhig und ich spürte seinen Atem auf meiner Haut.
„Wo warst du?“, flüsterte ich und als ich an seinem Hals herunter sah, stutzte ich. Unter seinen ganzen Ketten, dachte ich eine Narbe zusehen. Vorsichtig schob ich ein etwas engeres Lederband nach unten und sah die Narbe. Sie war tief in seinen hals geritzt.
Als ich in sein Gesicht sah, erschrak ich kur. Bill hatte die Augen offen und sah mich an. „Weißt du es jetzt?“, fragte er leise. „…“, wieder blickte ich auf die Narbe – er wurde erdrosselt…
„Aber, … wer?!“ Bill sah mich an, gab mir keine Antwort. „Katrin?“, fragte ich dann leise – wieder keine Antwort.
„Ich hab die Schule gesehen.“, sagte er stattdessen. Als er das sagte, hatte ich komischerweise gar keine Angst mehr. Wenn Bill in meiner Nähe war, fühlte ich mich nicht mehr so hilflos – er hatte so etwas Ruhiges und Beruhigendes.
„Der Direktor wusste von allem. Er weiß das es Tote gibt… er hat es schon oft gehört.“, erzählte ich. „Und jetzt?“ „Ich soll sie frage, was sie wollen… alle 10 Jahre ist es anscheinend so, dass ein Schüler stirbt, dann wird gefragt was die Toten fordern… ich hab ihm gesagt er solle die Schule abreißen!“
„..Und er will das nicht?!“ Ich nickte. Mein Blickt schweifte immer wieder auf diese Einkerbung in Bills Hals und das merkte er auch, denn sofort zog er seine Kette wieder etwas höher, damit sie die Narbe verdeckte.
Bei seiner Bewegung, griff ich automatisch an meinen Hals und spürte auch meine Narbe, die ich von Bill hatte. „Anscheinend hat sie nicht viel gebracht.“, sagte er plötzlich. „was?“ „Das Zeichen an deinem Hals. Eigentlich sollte sie Katrin von dir fern halten, doch anscheinend war sie nicht stark genug.“ „Sollte der Kuss dann nur, zu…“ „Ja, nur damit Katrin dir nichts anhaben kann…“ Mit diesen Worten, verspürte ich einen Stich in meiner Brust – also hatte dieser Kuss gar nichts zu bedeuten… schoss es mir durch den Kopf.
Wie beschissen konnte mein Leben denn jetzt noch werden? Im Moment lief alles noch viel schiefer, als es sonst schon war – und eigentlich alles nur wegen Tom, Georg, Gustav und Bill!
 
***
 
„Cathrin, Cathrin… bist du wach?!“, hörte ich eine leise, aber auch verzweifelte Stimme neben mir und ich öffnete verschlafen meine Augen, „Jetzt schon.“, brummte ich. Tom rüttelte schon die ganze Zeit an meinem Arm und hörte einfach nicht mehr damit auf.
„Boah! Was ist denn?“, ich setzte ich abrupt auf und Tom ließ endlich von mir ab. „Mein Herz gibt es nicht…“, sagte er. „Was?“, zuerst verstand ich ihn nicht und strich mir die Haare aus dem Gesicht.
„Mein Herz – ich werde es nie bekommen.“, wiederholte er und sah mich hilflos an. „Wie meinst du das? Findest du dein Herz nicht?“ Tom schwieg und setzte sich mit auf mein Bett.
Langsam wurde ich endlich wacher und nahm alles um mich herum richtig wahr.
Ich rutschte etwas zur Seite, zog Tom weiter aufs Bett und zu mir, damit er mich ansieht. „So jetzt noch mal langsam. Was ist mit deinem Herzen? Kannst du es nicht finden?“
„Ich hab keins mehr.“ „Aber warum?“ Langsam sah Tom auf das Bett und schweig weiter, genau wie sein Bruder… schüttelte ich innerlich den Kopf.
„Wenn man sich selbst umbringt, bekommt man kein Herz mehr.“, sagte er endlich. „WAS?“, fragte ich verwirrt, „Du hast dich selber umgebracht, aber… wie?“ Tom blickte mich wieder an, „Weißt du wie es ist, deine Freunde sterben zu sehen? Wie es ist deinen eigenen Bruder sterben zu sehen.“, er machte eine Pause, „Manchmal sehe ich immer noch ihre Gesichter, wie sie um Hilfe schrieen, wie sie verzweifelt versuchten sich dagegen zu wehren, wie sie tot vor mir lagen.“
Ich strich über Toms Arm, damit er sich etwas beruhigte, denn ich spürte, dass er sich total in diese Situation wieder rein steigerte.
„Wir waren grade alle im Proberaum, weil wir neue Lieder für unsere 2 CD einstudieren mussten. Unsere Karriere schien perfekt, wir waren mit jeder Singel Top1 in den Charts und waren dabei auch jetzt im Ausland durchzustarten… Wir waren im Proberaum, als auf einmal Katrin hereingestürmte kam, sie schrie Bill irgendetwas wütend entgegen, wir verstanden alle kein Wort. Sie war total aufgelöst, hatte ein riesengroßes Schlachtermesser in der hand und wollte auf meinen Bruder losgehen, da sind Gustav, Georg und ich schnell auf sie zugelaufen und wollten sie zurück halten …. Wir haben gar nicht darüber nachgedacht, was mit überhaupt machten. Und als sie dann ausholte und Gustav die halben Arme durchschnitt und überall das Blut spritzte schrie sie erschrocken auf, wich in eine Ecke zurück und umklammerte ihre Waffe nu noch mehr.“
Ich konnte gar nicht fassen, was Tom da erzählte – wie konnte ein 15 jähriges Mädchen so etwas tun?!
„Wir wollten Gustav helfen, doch über all war dieses Blut, er schrie und versuchte seinen Wunden zuzuhalten, doch das Blut spritzte im Hohen Bogen nur so aus den Pulsadern. Und als wir alle nicht aufpassten, schnitt sie Georg von hinten Kehle durch, der sofort Tot war und hart neben mir auf den Boden prallte. Ich höre immer noch diesen dumpfen Aufschlag. Und plötzlich ging Bill auf seine Freundin los. Ich lag hilflos neben Gustav, hielt in meinen Armen und redete ihm immer wieder ein, dass alles wieder gut werden würde. Sein Gesicht wurde immer blasser und blasser. Meine Kleidung war auch schon voll von Blut und Georg lag neben mir und sah uns mit leerem Blick an. auf einmal hörte ich ein Keuchen und mit blieb das Herz stehen – Bill. ich riss meinen Kopf herum und sah Katrin ihn hinter mir mit einem Band erwürgen. Bill versuchte krampfhaft nach Luft zu schnappen und das Blut stieg in seine Augen, sie verfärbten sich ganz rot. Ich sprang auf und wollte ihm helfen. Doch dann fiel ein Schuss und ich sackte zusammen. Zuerst spürte ich nichts, nur das irgendetwas in meinem Bauch war und hielt meine Hand dagegen. Blut breitete sich auf meinem weißen Shirt aus – es war mein Lieblingsshirt und hatte es grade erst neu bekommen… ich kroch auf allen vieren weiter, wollte meinem Bruder helfen, dem langsam das Leben verließ. Ich schrie ihn immer wieder an, er solle mich nicht alleine lassen. Doch als er weinte und blut auf den Boden tropfte, verharrte ich. Ich blieb einfach auf meinem Platz sitzen, sah meinen Bruder ein letztes Mal an und dann fiel ein zweiter Schuss. Ich wurde von der Wucht nach hinter gerissen und schlug auf den Boden auf. Es war alles ruhig… um… mich her…um…“, Tom wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Ich sah ihn mitleidig an, doch er wollte weiter erzählen.
„Und dann hörte ich den letzten dumpfen Aufschlag: Katrin. Sie hatte sich selber umgebracht. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich da keuchend lag. Ich bekam nur schwer Luft und spürte das warme Blut um mich herum. Ich konnte diese Stille nicht ertragen. Langsam versuchte ich wieder aufzustehen und sah meine Freunde tot um mich herum liegen. … weißt du wie es ist deine besten Freunde tot neben dir liegen zu haben. Du erinnerst dich an all die tollen Zeiten zurück, wie wir uns kennen gelernt haben, wie wir unsere Band gründeten, unsere Auftritte und die vielen Späße die wir machten, wie wir entdeckt wurden und dann dieser mega Erfolg mit dem ersten öffentlichen Album… unsere Zeit war einfach Perfekt und nun war sie nach ein paar Sekunden zu Ende – einfach so zu Ende.“
„Und was hast du dann gemacht?“, fragte ich mit zitternder Stimme und war selber schon den Tränen nahe.
„Tja. ich bin dann einfach aus dem Fenster gesprungen, zum Glück noch auf eine Mauer, sonst wäre ich vielleicht nicht mehr gestorben. … doch ich glaube wenn ich überlebt hätte… ich hätte mir mit Sicherheit das Leben irgendwann anders genommen!“, sagte er entschlossen und wischte sich schnell durchs Gesicht, damit ich seine Träne nicht sehen konnte. Ich nahm ihn in den Arm und drückte Tom ganz fest an mich und dann vernahm ich doch ein leises Schluchzen.
Aber wisst du was deinen euren Eltern damit angetan hast?! Sie hätten dann nur einen Sohn verloren, nicht gleich auch noch beide… Wollte ich am liebsten Fragen, doch ich ließ es, denn ich wollte Tom nicht noch mehr schlechte Gewissen einreden.
„Und nun bekommst du kein Herz mehr?“, fragte ich nach einiger Zeit dann leise. „Ich weiß es nicht…“, Tom ließ mich los und sah wieder auf das Bett. „Hast du denn schon überall gesucht?“ auf einmal blickte mich Tom an, „Ich glaube… ich glaube ich weiß wo…“
 
***
 

„Wo?“ „Wenn mein Herz da nicht ist, dann… dann weiß ich auch nicht weiter… aber…“, auf einmal stockte er und überlegte. „was ist?“, fragte ich besorgt. „Ich… ich muss gucken ob mein Herz da ist, aber ich glaube ich werde es nicht bekommen…“, sagte er auf einmal.

„Wieso das nicht?!“ „Tut mir leid, aber ich muss da alleine hin…“, Tom stand auf und wollte gehen. „Ich kann aber auch mit kommen, wenn du willst.“, bot ich schnell an, denn ich spürte, dass irgendetwas nicht wirklich in Ordnung war.

kurz zögerte er, doch dann nickte Tom stumm und ich nahm seine Hand, „Dann lass uns gehen.“, lächelte ich ihm aufmunternd zu.

 

Wir waren die ganze Nacht über unterwegs. Ich wusste überhaupt nicht mehr wo wir waren, denn wir flogen durch verschiedene Städte und landeten schließlich in einem kleinen verschlafenen Dorf.

Als ich zu Tom sah, bemerkte ich wieder diese Unruhe in seinen Augen. „Willst du mir nicht sagen, wo dein Herz ist?“, fragte ich noch einmal leise. Doch anstatt mit zu antworten, ging er auf ein Haus zu – in der Küche brannte noch Licht, obwohl es 2, 3 Uhr morgens war.

„Tom stand vor dem Fenster und sah ins Haus, ich ging zu ihm und entdeckte eine ältere Frau, die dort in Nachtmantel saß und sich Fotos ansah.

plötzlich blickte die Frau auf und sah aus dem Fenster, wo wir beide standen und erschrak leicht. Aber sie konnte ja nur mich sehen. Verwirrt hockte ich mich schnell hin, doch das brachte nichts, denn das Fenster wurde geöffnet, „Hallo?“, fragte die Frau freundlich. Ich sah nach oben und direkt in ihr Gesicht – ihre Augen kamen mir merkwürdig bekannt vor.

„Was machst du denn da draußen? Komm schnell rein, Kind. Sonst erkältest du dich noch.“, sagte die Alte und öffnete die Tür. Ich zögerte ihrem Rat zu folgen, doch als ich zu Tom sah, der auch ins Haus ging, folgte ich ihm.

„Was machst du denn noch so spät draußen?“, fragte die Frau mich besorgt und brachte mich in die warme Küche. Ich antwortete auf keine ihrer Fragen – ich wusste einfach nicht was ich sagen sollte und immer wenn ich zum Tom blickte, war er mir auch keine große Hilfe, da er mit anderen Sachen beschäftigt war.

ich durfte mich an den Tisch setzte und bekam einen heißen Tee, „Danke..“; sagte ich leise und nahm der Alten die Tasse ab, die sich dann auch wieder auf ihren Platz setzte und mein Blick fiel dabei auf die Fotos.

Als ich genauer hinsah, verharrte ich. „Kann ich mal kurz sehen?“, fragte ich und stellte die Tasse ab. „Klar.“, die Frau lächelte und schob mir die Bilder rüber. „Oh mein Gott…“, sagte ich leise, „Sind Sie…“ „Ja, das sind meine Kinder.“, antwortete die Frau.

Ich sah zu Tom, dem Tränen in den Augen standen. Mir stiegen auch sofort die Tränen in die Augen, ich wusste nicht recht wieso, vielleicht weil mir die beiden so leid taten – die Frau, weil sie ihre Söhne verloren hat und nicht weiß, dass einer davon neben ihr steht und Tom, dass er nicht mit seiner Mutter reden kann.

„Ist hier dein Herz?“, fragte ich Tom leise und mir war es grade scheiß egal, was die Frau jetzt von mir denken würde. „Mit wem redest du da, Kind?!“, fragte sie und sah in die Richtung in der Tom stand.

Ich wandte mich der Frau wieder zu, „Ich kenne ihre Söhne.“ Sagte ich einfach und wischte mir eine Träne aus dem Gesicht. „Wie das denn? Die sind vor 16 Jahren gestorben…“ „Ich weiß…“, jetzt konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten und erzählte der Alten die ganze Geschichte – dass ich Tote sehen kann, dass ich in ihrem alten haus wohne, dass ich dort die Jungs kennen gelernt habe und das mit ihren Herzen.

Ich sah die ganze Zeit auf die Bilder, wo die Zwillinge lachend auf Konzerten waren, wo sie ei der Einschulung waren, wo sie im Proberaum standen, wo sie Gustav und Georg kennen lernten, Geburtstage, Familienfeste, Veranstaltungen, Ausflüge…

Doch auf einmal hörte ich ein leises Schluchzen und sah auf, Die Mutter der Zwillinge weinte und automatisch legte ich ihr meine Hand auf ihre. „Und Tom steht neben mir?“, fragte sie mit zitternder Stimme. Ich nickte Stumm und sah Tom an, der eine Hand auf die Schulter seiner Mutter legte. Auf einmal verstummte die Frau, sie spürte Toms Hand auf ihrer Schulter. „Ich… ich kann ich fühlen…“, sagte sie leise und ich bemerkte ein erleichtertes Lächeln in Toms Gesicht.

Die Frau ergriff Toms Hand und zog ihn an sich heran und umarmte ihren Sohn. „Mama…“, sagte Tom leise und drückte seine Mutter fest an sich, die jetzt nur noch mehr weinte. Nach einer kurzen Zeit, ließen sie wieder von sich, ab doch Tom ließ die Hand seiner Mutter nicht los.

„Wie sehen sie aus?“, fragte die Frau. „So wie immer… so wie am letzten tag.“; sagte ich lächelnd. „Die Kiste…“, sagte Tom auf einmal und sein Gesicht verfinsterte sich wieder. „Was ist damit?“, fragte ich etwas erschrocken, denn ich merkte, dass es nichts Gutes zu bedeuten hatte.

„Was ist?“, fragte die Alte und strich ihrem Sohn über die Hand. „Ich hab Ihnen doch erzählt, dass die Jungs ihre Herzen wieder finden müssen und das Tom erst meinte, er hätte keins, weil er sich selber umgebracht hat… und die Herzen sind in Kisten bei den Ort, wo sie am liebsten waren oder in den Sachen was sie liebten…“, erzählte ich leise und Tom sah seine Mutter mitleidig an.

„Wo ist deine Kiste?“, fragte ich.

 

***

Tom sah seine Mutter an und ihm stiegen wieder Tränen in die Augen. Langsam verstand ich wo sein Herz war und seine Mutter auch.

„Aber du kannst dein Herz nicht wieder haben… sonst…“, fing ich an. „Sonst müsste ich sterben.“, beendete die Mutter meinen Satz und mir stockte der Atme. „Ich weiß…“, sagte Tom, „und deswegen will ich mein Herz nicht zurück haben…!!!“ Er umarmte seine Mutter.

Tom würde sein Herz nicht so schnell bekommen, erst wenn seine Mutter stirbt und wahrscheinlich war das die Last die er tragen musste, weil er sich selber umgebracht hatte.

„Cathrin, lass uns gehen…“ „Ok…“, ich stand auf und Tom ließ von seiner Mutter ab, die sofort in Panik geriet, als sie spürte, das Tom sich von ihr löste.

„Was ist los?“, fragte sie verwirrt. „Tom will sein Herz nicht…“, erklärte ich. Ich sah die Tränen an der Wanger der Alten herunter laufen und in ihre Hände tropfen, die sich in ihrem Schoß liegen hatte. „Kommt er wieder?!“, fragte sie zögernd und sah mich mit glasigen Augen an.

ich nickte, ohne auf Toms Reaktion abzuwarten, „Ja, das macht er!“, versprach ich. Die Frau stand auf und umarmte mich auch, „Danke!“

Tom war schon hinausgegangen und ich löste den griff der Alten, „Wir kommen wieder.“, sagte ich noch einmal und so ließen wir sie alleine.

 

„Sag Bill nichts davon!“ „Aber..“ „Nein! Sag es ihm nicht! Bitte!“ Ich nickte und wir betraten mein Zimmer.

„Ach und Cathrin…“, ich wandte mich um, „… Bill… er mag dich sehr!“, sagte er auf einmal und verpasste mir damit einen weiteren Stich ins Herz. „Nein, das glaube ich nicht…“, ich sah auf den Boden. „Doch! Vertrau ihm!“ „Und warum will er dann sein Herz nicht und spielt nur mit mir?!“, meinte ich trotzig.

„Er hat Angst.“ Ich sah Tom an – er sagte die Wahrheit. „Aber wovor?!“ Doch darauf antwortete er mir nicht mehr und verschwand. „WOVOR?!“, rief ich ihm nach, doch er war schon weg.

„Wovor hat er Angst?!“, sagte ich leise und blieb in der Tür stehen.

 

Total in Gedanken versunken saß ich auf meinem roten Teppich und sah aus dem Fenster. Draußen zwitscherten schon die ersten Vögel und die Sonne schien in mein Zimmer – auf dem Boden zeichnete sich der Umriss meines Fensters wieder.

Auf einmal räusperte sich jemand hinter mir und ich zuckte leicht zusammen. „Was denkst du grade?!“, hörte ich Bill fragen. Ich sah wieder aus dem Fenster und beobachtete die Wolken, die am Himmel vorbeizogen.

„Erzählst du es mir?!“, fragte ich ohne vom Fester wegzuschauen. Bill setzte sich neben mich und sah mit mir aus dem Fenster. „Wieso ich mein Herz nicht haben will?“ Ich nickte stumm.

„Ich habe Angst vor den Gefühlen…“ „Welche Gefühle?!“, ich sah ihn an.

„Ich habe Angst vor den Gefühlen… für jemand anderen… das sie wieder kommen und ich nichts dagegen machen kann – denn ich will diese Gefühle nicht mehr!“ Ich spürte, dass er von jemand anderen sprach – von einem anderen Mädchen. Und das Messer das mir Bill damals schon mit diesen Worten ins Herz gerammt hatte, stach immer tiefer.

„Wieso willst du diese Gefühle nicht?!“, ich wusste, dass ich das alles gar nicht hören wollte, doch ich wollte auch nicht für immer mit diesem Geheimnis weiter leben.

„Weil ich… ich will andere Gefühle… nicht für diesen Menschen, sondern für jemand anderen und davor hab ich Angst - das ich diese Gefühle nicht habe…!“, mit diesen Worten sah er mich an. er sah mich mit demselben eindringlichen Blick an, als wir uns geküsst hatten.

„Sie sieht dir so ähnlich…“, auf einmal strich er mir die Haarsträhnen aus dem Gesicht.

„Meine Mutter.“, ich wandte meinen Kopf ab. Bill hatte Angst, dass er immer noch Gefühle für meine Mutter hatte. Schon die ganze Zeit waren das keine Küsse, keine Berührungen für mich, sondern für meine Mutter.

„Ich war mit Katrin zusammen. wir kamen noch vor unserem großen Erfolg zusammen und das Managment verbot uns, dass in der Öffentlichkeit zu zeigen – schon ab da an, wusste ich, dass aus uns nichts werden konnte. Doch ich konnte mich auch nicht von ihr Trennen.“, Bill sah wieder aus dem Fenster und ich hörte ich schweigend zu.

„Doch irgendwann lernte ich Anja kennen, deine Mutter. Sofort wusste die Presse davon. Wir konnten es nicht aufhalten und wurden zum Paar. Doch zur gleichen Zeit war ich auch noch mit Katrin zusammen – ich wollte es ihr endlich erzählen als wir für kure Zeit zu Hause waren. Doch ihre Eltern sagten mir, sie seihe weggelaufen. Niemand wusste wo sie war und wann sie wieder kam.“, er machte eine Pause und sah auf den Boden, „Und dann kam sie in den Proberaum…“ „Das hat mir Tom schon erzählt.“, sagte ich schnell, da ich die Geschichte nicht noch einmal hören wollte.

„Nun ja. Sie brachte mich aus Eifersucht um…“, meinte er trocken.

Eine Zeit lang saßen wir schweigend da. Auf einmal schluchzte ich auf und eine Träne floss an meiner Wange herunter. Bill sah mich erstaunt an, er hätte nicht gedacht, dass er mich zum weinen bringen würde.

„Was ist los?!“, fragte er besorgt. „Weißt du eigentlich wie es mir geht? Hast du schon einmal daran gedacht?!“, meinte ich wütend und ballte meine Hände zu Fäusten. „Ich.. Du… du spielst die ganze Zeit nur mit mir. erzählst mir nichts… und dann erfahre ich, dass du immer noch Gefühle für meine Mutter hast… weißt du wie man sich dabei fühlt?“

Bill war total geschockt von meiner Reaktion. „Aber…“ „NEIN!“, ich unterbrach ihn, „Ich liebe dich! Ich liebe dich so sehr! Und immer wenn du von meiner Mutter erzählst… weißt du wie weh das tut?!“, schrie ich auf einmal.

„Aber Cathrin!“, Bill versuchte mich zu Beruhigen, „Was habe ich denn vorhin gesagt?!“ Ich sah ihn irritiert an. „Ich will diese Gefühle nicht zurück!“, er hielt meine Hände fest und zog mich zu sich heran. „Ich will nicht diese alten Gefühle, deswegen will ich mein Herz nicht.“

„Aber was willst du dann?!“, weinte ich leise. „Ich … ich will dich!“, flüsterte er.

Auf einmal war ich völlig sprachlos. Ich hatte Bill die ganze Zeit falsch eingeschätzt…

 

***

 

„Ich will nur dich!“ „Aber du fühlst nichts für mich!“ „Aber ich will! Doch wenn ich mein Herz wieder bekommen, kommen vielleicht auch all die alten Gefühle wieder hoch…und was dann?!“

„Versuch es doch…“, schluchzte ich auf und Bill wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. „Nein…“, flüsterte er. „VERDAMMT! Ich versteh dich einfach nicht.“, schrie ich wieder wütend und riss meine Hände aus seinen.

„Willst du mich nicht verstehen?!“, meinte er jetzt gereizt, „langsam reißt bei mir aber auch mal der Geduldsfaden! Du denkst nur an dich!“ Ich sah ihn erschrocken an, wieso streiten wir uns?!

„Wenn ich mein Herz wieder bekommen und die alten Gefühle auch, dann … dann will ich dich nicht mehr.“, sagte er ernst. „Aber das weißt du doch nicht… ich… ich brauche jemanden der mich liebt…“, meinte ich verzweifelt, „und das tust du nicht!“

auf einmal wurde Bills Blick sanfter und verzweifeltet, er wusste was ich meinte.

„Ich habe mir schon als kleines Kind immer die Perfekte große Liebe vorgestellt. Ich wollte jemanden der nur für mich da ist, der mich versteht, der mich so haben will wie ich bin – ich wollte mich nicht für diesen jemand verändern. Ich brauche jemanden der mich beschützt, der ei mir ist wenn es mir schlecht geht!... diesen Traum hatte ich schon als kleines Kind und ich… ich bin noch nicht bereit diesen Traum aufzugeben… noch nicht…“, sagte ich leise, stand auf und sah Bill erwartungsvoll an.

„Und wenn ich dir sagen, dass ich mein Herz nicht mehr habe…“ „Was?!“ „Was wäre wenn ich mein Herz … nicht mehr habe? Was soll ich dann machen?!”

ich wollte nicht mehr weiter darüber diskutieren und so drehte ich mich um, lief zur Tür, öffnete sie, verschwand nach draußen und ließ Bill alleine zurück.

„Nein, du verschwindest jetzt nicht!“, hörte ich Bill hinter mir herrufen, doch ich ignorierte ihn.

 

Gegen Abend kam ich zurück nach Hause. ich war den ganzen Tag unterwegs gewesen, musste mich erst einmal wieder beruhigen und nachdenken.

Als ich in mein Zimmer hoch lief und die Tür öffnete, blieb ich erschrocken stehen.

Bill saß auf meinem Bett, mit dem Rücken zu mir, auf dem Boden lag seine Kiste offen, sie war leer. Langsam schloss ich die Tür hinter mir und ging um das Bett herum.

„Oh mein Gott…“, stammelte ich und blickte auf dem Boden, der voller Blut war. Bill saß regungslos da und blickte auf sein Herz, das auf dem Boden lag. Ein leises Pochen konnte man vernehmen.

„Es geht nicht…“, flüsterte er. Jetzt erst bemerkte ich seine blutverschmierten Hände. „Was geht nicht?!“ „Ich kriege mein Herz nicht…“

„Bill weigert sich dagegen.“ Ich wandte mich etwas erschrocken um und erblickte Tom, wie er im Schrank stand. „Bill will sein Herz nicht zurück… und dann kann man es auch nicht bekommen.“, erklärte er, ging zu Bills Kiste, nahm sie und reichte sie mir.

„Er muss erst sein Herz zurück wollen, ansonsten stirbt es vielleicht.“ Ich sah Bill erschrocken an, der immer noch auf sein pochendes Herz starrte.

„Ich kann nicht…“, flüsterte Bill, „Vielleicht gehören wir nicht zusammen.“ und mit diesen Worten stach er mir das Messer ganz ins Herz, „Vielleicht tun wir das wirklich nicht.“, kam es von mir und Bill sah mich erschrocken an, er hätte nie gedacht, dass ich so etwas sagen würde.

„Langsam zweifle ich an meinen Gefühlen. Vielleicht dachte ich nur ich würde dich lieben, denn du warst der erste, der mir Nähe und Vertrauen geschenkt hatte – doch vielleicht war diese Liebe zu dir nur eine Illusion…“, ich ließ die Kiste fallen und hörten den Harten Aufprall – sie zerbrach in tausend Stücke.

„Hast du sie nicht mehr alle?!“, schrie Tom plötzlich und schubste mich beiseite. Ich jedoch ließ meinen Blick nicht von Bill, der mich immer noch fassungslos anstarrte.

Tom hob die Stücke auf und versuchte die Kiste seines Bruders wieder zusammen zu setzten. Langsam stiegen mir Tränen in die Augen und meine Sicht verschwamm.

Ich erkannte, dass Bill leicht den Kopf schüttelte, er konnte nicht glauben was grade passierte und ich sah, wie er leise ´Nein` flüsterte. „Nein… ich will dich nicht verlieren…“, hörte ich ihn leise sagen, „Nein…!“ man hörte immer noch das gleichmäßige Pochen seines Herzens.

Ich stand weiter reglos da, ließ meine Tränen in die Tiefe fallen. „Ich habe lange genug gewartet… das hättest du dir alles früher überlegen müssen… es ist vorbei…“, flüsterte ich mit zitternder Stimme. Bill schüttelte den Kopf, er wollte es nicht wahrhaben – doch ich nickte stumm.

Plötzlich wurde es ganz ruhig und Tom sah erschrocken auf. Auch mir stockte der Atem. Bill zuckte einmal leicht auf und kippte dann nach hinten um. Das Pochen des Herzens hatte aufgehört. „Nein!“, Tom stand auf, sah seinen Bruder an, der reglos auf dem Bett lag und mit leerem Blick an die Decke starrte – Blut floss aus seinem Mund, seine letzte Träne verfärbte sich rot und floss an seiner Wange herunter auf das Bettlaken.

Ich fing an zu weinen, konnte die Tränen nicht länger zurück halten. Doch ich bewegte mich nicht einen Zentimeter von meinem Platz, blickte weiter hin auf diese eine Träne die langsam im Laken einsickerte.

Ich hörte, wie Tom seinen Bruder rief und zu ihm lief – er ließe sich neben ihn aufs Bett fallen und rüttelte an seinem Arm, doch Bill bewegte sich nicht mehr. Toms Stimme kam mir so weit entfernt vor und mein Blick fiel auf Bills Herz, das reglos auf dem Boden lag – Blut sammelte sich darum.

Jetzt erst wurde mir bewusst, dass ich diesen Jemand den ich mir immer gewünscht hatte gefunden hatte. Bill hatte alles daran gelegt sein Herz wieder zu bekommen, doch es ging nicht. Bill war immer für mich da gewesen, hat mir Nähe und vertrauen geschenkt, er hat mich geliebt, auch ohne Herz, er hat mich geliebt…

Ich brach weinend auf dem Boden zusammen, hörte Tom immer noch nach seinem Bruder schreien, und vergrub mein Gesicht in den Händen.

Ich hatte diesen Jemand den ich mir immer gewünscht hatte verloren – für immer. Ich war meiner großen Liebe begegnet und hatte sie auch gleich darauf verloren.

Für immer.

Für immer…

 

ENDE

 

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