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Wenn Bill fällt - fällt TokioHotel!


Wortlos
Sorry for all the things I could do
Wenn Alpträume fliegen lernen
Bonus FF
Geht das überhaupt?

Sorry for all the things I could do

 
Ein Geheimnis...
 
Ein Geheimnis, dass du niemanden erzählen kannst…
dass, wenn es raus kommt dein ganzes Leben zerstören würde…
 
Doch Einer weiß davon – er hatte geschworen nichts zu sagen.
Doch was passiert, wenn er dieses Geheimnis zu seinem Nutzen macht?!
 
Ein Geheimnis, dass deine Liebe auf die Probe stellt.
Ein Geheimnis, dass dich nicht mehr in Ruhe lässt…
 
… bis an dein Lebensende,
es sei denn, man erzählt es seinem Geliebten und nimmt dafür in Kauf ALLES zu verlieren!
 
Ein Geheimnis, das so grausam sein kann, obwohl es nur eine ganz kleine Sache ist.
Doch genau diese Sache, kann dich deine Liebe kosten!
 
„BIIIILLL!“, schrie ich, so laut ich konnte und versteckte schnell sein Geschenk hinter meinem Rücken. Mein Blick schweifte die Hauswand empor zu seinem Fenster, das sich in der Abendsonne leicht verfärbte.
„MENSCH BILL! ICH WIE? DASS DU MICH HÖRST!“, grinste ich und trat schon von einem Bein aufs andere.
Heute war unser Jubiläum – ein Monat. Einen ganzen Monat waren wir jetzt zusammen und immer noch so verliebt wie am ersten Tag - und genau zwei Monate nach dieser Sache, die zu meinem Geheimnis wurde.
Endlich tat sich etwas im Haus. ich sah Bill die Treppe herunter laufen – er hatte auch ein kleines Päckchen in der Hand. ich ging mit langsamen Schritten auf die Tür zu und bekam das Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht.
Auf einmal wurde mit einem gewaltigen Ruck die Haustür aufgerissen und Bill grinste mich genau so wie ich ihn, an. Eine kurze Zeit standen wir einfach nur da und starrten uns erwartungsvoll an, doch dann hielt ich es nicht mehr aus, ich lief auf ihn zu und sprang überglücklich in seine Arme.
Bill fing mich auf, ließ dabei sein Geschenk fallen und stolperte zurück in den Flur, „WAAHHH!“, rief er etwas erstaunt, fing dann aber plötzlich mich an zu küssen. Ich spürte seine Lippen überall – an meiner Wange, auf meinem Mund und an meinem Hals.
„Na, wollt ihr nicht bald mal los?! Die anderen warten sicher schon.“, hörten wir auf einmal Simone, Bills Mutter lachen. Sofort ließen wir von einander ab und ich lächelte sie etwas schüchtern an. ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss und ich rot anlief, sofort wandte ich mich zu Bill, der sich nach dem herunter gefallenen Geschenk bückte.
„Was ist das denn?!“, ich musste laut anfangen zu lachen, doch als ich seinen enttäuschten Gesichtsausdruck sah, hielt ich mir die Hände vor den Mund und musste aber weiter grinsen.
„Er wollte es alleine einpacken, da durfte ich nicht helfen.“, grinste seine Mutter mir zu.
ich blickte auf ein Knäuel buntes Papier mit einer roten Schleife darum gewickelt, was mir Bill hinreichte. Ich lächelte und nahm es. Nach dem Gefühl zu urteilen, war es etwas rundes Kleines.
„Na los, mach es auf.“, forderte mich mein Freund auf und schnell tat ich was er sagte. Vorsichtig entfernte ich die Schleife und rollte mein Geschenk aus. zum Vorschein kam eine runde, kleine, schwarze Samtschachtel. Bill nahm mir die Schachtel ab und öffnete sie vorsichtig. Ein leichtes –Klick- war zu hören und ich erkannte ein silbernes Armband. Es glitzerte in allen Farben und hatte kleine Anhänger daran.
„Oh nein…“, sagte ich gerührt und Bill grinste zu frieden. Ich fiel ihm wieder um den Hals und küsste ihn wild, „Danke, danke, danke!“ vorsichtig machte er mir das Armband um und ich betrachtete es noch einmal.
„Und was krieg ich?!“, grinste Bill schon wieder total dreist. Ich schlug ihn leicht und musste auch grinsen, aber dann reichte ich ihm mein Geschenk. Lange musste ich danach suchen – doch am Schluss und nach tausend Läden hatte ich es endlich gefunden. Gustav musste die ganze Zeit, leidend mitgeschleift werden, wofür ich ihm noch etwas schuldig war, doch es hatte sich gelohnt.
Gespannt riss Bill das Papier vorsichtig auf. „WAH! Pass auf!“, rief ich, als ich den Ring herunter fallen sah. Bill bemerkt es erst gar nicht, denn er hielt ein Bild in den Händen. Ich bückte mich nach dem Ring und gab ihn Bill, der aber mit dem Bild mehr beschäftigter war, als mit dem Heruntergefallenen.
„Wow!“, staunte er und strich mit einem Finger darüber. „Und der Rahmen?!“, fragte ich beleidigt, „Danach habe ich fast drei Wochen gesucht…“ „Also ich finde das darin viel besser.“, grinste er frech. Ich war extra für Bill, wegen seiner Aufforderungen, zu einem Fotografen gegangen. Er meinte immer ich solle ein Model werden, da ich fast 1.80 war, schlank und lange Beine hatte, doch da war ich mir nicht so sicher – eigentlich hasste ich Bilder von mir, doch wenn man mal wieder nur Kacke machte, kommen dabei schon manchmal lustige Fotos heraus, daher gibt es von mir auch nur welche, wo man irgendwie komisch aussieht. Doch jetzt war ich bei diesem Fotografen und das Ergebnis hielt Bill jetzt in den Händen.
„Das ist wunderschön…“ Ich stellte mich neben in und schaute mir das Foto auch noch einmal an. Es war ein schwarz weiß Foto mit mir darauf – nur leicht bekleidet und mit draufretuschierten Flügeln. Meine Haare waren leicht wellig auf dem Bild und fielen um meinen Hals und ich hielt eine schwarze Rose in den Händen.
„Und das hier gibt’s auch noch.“, sagte ich schnell, bevor Bill noch etwas zu meinem Geschenk sagen konnte. Ich nahm eine Hand und steckte ihm einen schwarzen Ring mit einem weißen eingekratzten Kreutz auf. „Den hab ich überall gesucht.“, staunte er und vergas das Bild, was ich ihm lieber schnell aus der Hand nahm und es auf e kleinen Tisch im Flur legte.
„Ich weiß… und Gustav und ich haben ihn gefunden.“, sagte ich stolz. Ich bekam einen dicken Kuss aufgedrückt und wurde gleich darauf aus dem Haus gezogen. „Wir kommen sowieso schon fast eine Stunde zu spät.“, hörte ich Bill sagen. „Na und. Wir sind heute Abend die ´Stars`.“, lächelte ich und holte ihn auf, damit ich mich an ihn heran kuscheln konnte.
Nur im leichten Sommerkleidchen war es abends schon etwas zu kühl und so beeilten wir uns, dass wir die Feier, die ein paar Freunde organisiert hatten, noch miterleben konnten.
 
***
 
Wir wurden schon sehnsüchtig erwartet. Gustav und Georg standen beide mit einem großen Glas, wo irgendeine bunte Flüssigkeit drin war, in der Hand vor unserem Stammtreff, dem Alex.
Ich fing wild an zu winken und riss dabei Bills Arm mit in die Höhe, der erschrocken auf quiekte. „NAAAA!“, riefen die beiden und wir wurden umarmt, „Ein Monat ist es jetzt schon… wir fühlt man sich?!“, grinste Georg, „Ist ja fast, als wärst ihr schon verheiratet. Das muss echt was ernstes sein.“, lachte Gustav hinter her und Bill und ich grinsten uns breit an.
Doch als wir das Cafe betraten, ertappte ich mich wieder dabei, wie ich meinen Freund hilflos und verzweifelt ansah. zum Glück merkte Bill nichts davon, denn drinnen ging plötzlich laut Musik an und alle jubelten uns zu.
Ich hätte nicht gedacht, das so viele kommen würden, da es ja eigentlich nichts zu feiern gab nach einem Monat. Doch ich sah alle unsere Freunde.
Tom kam auf uns zu und umarmte mich, seinem Bruder schlug er herzlich auf die Schulter und sofort hatte er wieder ein Mädchen an jedem Finger – er konnte es einfach nicht lassen und langsam wunderte ich mich auch schon gar nicht mehr, wieso er nicht bald mal eine feste Freundin hatte: er konnte einfach nicht treu bleiben. Heimlich habe ich mir schon oft vorgestellt, was sein Lebensmotto sein kann: Ich liebe alle Frauen! Das traf eigentlich ganz gut auf Tom zu, doch das erzählte ich lieber keinem.
„Cathrin!“, ich wandte mich um und erblickte weiter hinten Sarah – ich hatte sie einmal durchs Internet kennen gelernt, ich wusste eigentlich auch nicht mehr Recht wieso und woher, doch sie wurde damals zu einer guten Freundin, obwohl wir uns noch die gesehen hatten, doch dann irgendwann trafen wir uns auf einem Konzert und seit dem sind wir unzertrennlich geworden, obwohl zwischen unseren Heimatorten ein paar 100 km liegen.
Freudig ließ ich Bills Hand los und stürmte auf meine Freundin zu, die sich mir in die Arme schmiss. „Wie schön dass du gekommen bist!“, begrüßte ich sie überschwänglich. „Ja, ich dachte schon ich käme zu spät…“, grinste sie mich breit an, als wir von einander ab ließen.
Manchmal war ich schon kurz davor ihr mein Geheimnis anzuvertrauen, doch ich hatte viel zu viel Angst vor den Konsequenzen, die daraus folgen konnten und so schwieg ich lieber. Doch Sarah spürte ab und zu, dass es mir nicht gut ging – und dafür mochte ich sie umso gerner. Wir verstanden uns ohne Worte.
Sofort fiel ihr auch auf, dass ich ein neues Armband trug. Ich hielt ihr stolz mein Handgelenk hin und sie bewunderte da glitzernde Etwas daran. „Voll schön.“, sagte ich. „Genau wie du…“, auf einmal legten sich Arme um meine Taille und er spürte Bill hinter mir.
„Hi Sarah.“, begrüßte er meine Freundin, die ihm zu lächelte, „Nicht schlecht.“
 
Die Party war voll im Gang und Bill und ich ließen uns nicht einen Moment aus den Augen. Auch wenn ich bei Freunden stand, spürte ich immer wieder die suchenden Blicke von ihm. Doch was mir nicht so gefiel, waren die prüfenden Blicke von Tom. irgendwann kam Sarah zu mir und fragte, ob Tom nicht auch was von mir wolle, denn ihr waren die Blicke auch aufgefallen – doch ich werte diese Aussage schnell ab und versicherte ihr, dass Tom und ich nur Freunde seien.
Zu meinem Glück waren Bill noch nicht die Blicke seines Bruders zu mir aufgefallen, worüber ich sehr erleichtert war.
 
Bis spät in die Nacht wurde gefeiert und immer wieder sangen einige unserer Freunde vorne auf der Bühne irgendwelche Lieder in den schiefsten Tönen. Doch das fiel gar nicht mehr auf, nach den fielen Gläsern von dem bunten Drinks.
Ich war in ein total spannendes Gespräch über Kunstrasen verwickelt, als plötzlich Tom auf mich zu gestürmt kam, mich von meinem Platz aufriss und nach draußen in eine abgelegene Ecke riss.
„WAS IST DENN MIT DIR LOS?!“, fauchte ich ihn wütend an, doch das bereute ich sofort, denn er presste mich an eine Wand und drückte mir seine Lippen auf meine.
Ich versuchte mich zu wehren, da ich Angst hatte jemand könnte uns sehen, doch Tom hielt meine Hände mit aller Kraft fest. Verzweifelt presste ich meine Lippen auf einander und kniff die Augen zu – ich wünschte mir, dass das alles schnell vorbei ging und langsam ließ Tom von mir ab, hielt jedoch immer noch meine Hände fest.
Ich blickte zur Seite, damit ich ihn nicht ansehen musste. „Na, na, wir wollen doch nicht so sein…“, lächelte er leicht und küsste mich noch einmal. Dann verschwand er zurück ins Alex.
Ich verharrte weiter hin an der Wand, wagte nicht mich zu bewegen und spürte auf einmal eine leichte Träne an meiner Wange herunter laufen.
Warum lässt er das nicht? Warum lässt er mich nicht endlich in ruhe. Ich hab doch alles gemacht was er wollte… mein Blick schweifte auf die Feier und ich sah durch die Scheiben, wie Tom sich ganz normal mit zwei Mädchen unterhielt und wieder sein bestes Lächeln auflegte – er ist so falsch!
„CATHRIN?!“ Ich zuckte leicht zusammen, als ich Bill meinen Namen rufen hörte und blickte vom Boden auf. „CATHRIN? WO BIST DU?“, rief er und sah sich suchend um.
Auf einmal konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten und schluchzte auf – doch nicht wegen Tom und was er vorhin gemacht hatte, sondern wegen etwas anderem.
Leider war mein Schluchzer zu laut und Bill erblickte mich – er kam zu mir gelaufen und ich sank weinend an der Hauswand herunter. „Hey,.. was ist denn passiert?!“, sofort hockte er sich neben mich und zog mich ans sich heran.
Ich spürte seine vertraute Wärme und musste nur noch mehr anfangen zu weinen.
Bill war das schon von mir bekannt, dass ich ab und zu einfach so anfing zu weinen, ohne dass er den Grund wusste – doch er fragte auch immer nicht weiter danach, denn ich antwortete ihm nie, wenn er fragte was denn mit mir los sei und darüber war ich sehr froh, denn vielleicht hätte ich es ihm so schon längst gesagt, doch so konnte ich es weiter hin für mich behalten. Doch ich nahm an, dass er langsam einen Verdacht schöpfte und das war nicht gut. Gar nicht gut!
 
***
 
die Feier war dann für uns beide doch noch schneller zu ende gegangen als geplant. Ohne ein Wort, brachte mich Bill fort und ich wehrte mich nicht dagegen.
Wir gingen langsam durch die dunklen, verlassenen Straßen unseres kleinen Dorfes. Bill hielt mich ihm Arm und ich kuschelte mich unter seine Pullijacke, denn langsam fröstelte es mir etwas.
Die ganze Zeit über schwiegen wir – ich blickte auf den Boden und beobachtete unseren gleichmäßigen Schritt.
„Guck mal, da ist der große Bär.“, hörte ich Bill auf einmal leise sagen. Ich blickte verwirrt auf und wusste gar nicht was er meinte. Doch als ich merkte, dass er in den Himmel sah, verstand ich.
„Wo?!“ „Da…“, er lehnte sich zu mir rüber und zeigte in die Sterne. Irgendwo erkannte ich dann wirklich einen Bären und plötzlich eine Sternschnuppe. Ich blieb stehen, kniff die Augen zusammen und wünschte mir ganz schnell etwas.
Bill war von meinem plötzlichen Stehen etwas überraschte und ließ von mir ab.
Ich wünschte und wünschte, öffnete dann wieder die Augen und sah Bill lächelnd vor mir. „Lach nicht.“, meinte ich etwas beleidigt. „Mach ich doch gar nicht – ich find´s bloß süß…“, grinste er, zog mich wieder zu sich und wir schlenderten unseren Weg weiter die Straße hinunter.
Jetzt erst fiel mir auf, dass wir gar nicht in meiner Straße waren, sondern in der von Bills. „Öhm… ich dachte du bringst mich nach Hause.“ „Mach ich doch… aber später.“, sagte er leise und lächelte mich geheimnisvoll zu. und genau dieses Lächeln, dieser Blick – das liebte ich so sehr an ihm. Es war so unbeschreiblich, wie er mich manchmal ansah – da läuft mir ab und zu immer ein kalter Schauer über den Rücken.
Bei Tom war das nie so. da hatte mich nur sein Lächeln fasziniert, mehr aber auch nicht.
Wir kamen bei den Zwillingen zu Hause an, Bill öffnete das kleine Gartentor und ließ mich hinein. Der kleine Kiesweg knirschte immer so schön unter den Schuhen und wir schlurften beide zur Haustür.
Leise schloss Bill die Tür auf und wir schlüpften in den Flur, zogen unsere Schuhe aus und schlichen die Treppen nach oben zu seinem Zimmer.
Ich ergriff Bills Hand und er zog mich hinter sich in sein Reich. Wie sehr ich dieses Zimmer doch liebte. Es war total gemütlich – im Gegensatz zu meinem. Und in diesem Zimmer hatten Bill und ich schon so viele Erinnerungen, auch wenn wir noch gar nicht so lange zusammen waren.
Automatisch schmissen wir uns beide auf sein großes Bett und ich kuschelte mich an ihn heran. Ich spürte noch die Kälte von draußen auf Bills Haut, doch gleichzeitig spürte ich auch seine Wärme darunter und schloss die Augen.
Wie oft wir nicht schon Stunden lang einfach so hier neben einander lagen und nichts taten. Oft hatten wir schon von anderen Seite zu hören bekommen, dass wir nicht mehr lange zusammen sein bleiben, oder dass das was wir hier führen doch keine richtige Beziehung wäre – denn ab und zu schweigen wir uns einfach nur an. wir mussten nichts sagen, das wichtigste war nur da zu sein für den anderen, doch das verstanden manche nicht. Doch Bill und mich störten diese Bemerkungen nicht, wir waren glücklich zusammen – jedenfalls war es Bill…
Ich erinnerte mich genau an unseren ersten Kuss. Bill und ich trafen uns fast jeden Tag – es war irgendwann im Winter und dicker Schnee fiel. Wir standen beide an der Bushaltestelle vor Bills Haus. eigentlich wollte ich nach Hause, doch auf einmal kam er aus dem Hausgelaufen und zu mir. ich sah ihn etwas verwundert an.
Bill stellte sich damals vor mich und schweige – er zögerte etwas zu sagen und der langsam bedeckte uns der Schnee. Doch plötzlich meinte er, „Küss mich!“
Zu erst war ich etwas irritiert, doch dann gab ich ihm einen Kuss auf die Wange Wieso auch immer, dachte ich mir. „Nein… nicht hier…. Hier!“, er zog mich zu sich und küsste mich auf die Lippen. Von da an kannte ich dieses Gefühl – dieses kribbeln im Bauch und einem wird heiß und kalt zu gleich.
Das war unser erster Kuss. Ich fühlte damals so gut wie gar nichts, denn meine Lippen waren eiskalt, doch sie konnte nicht mehr von Bill ablassen. Ich spürte seine kalten Hände an meiner Wange – auch jetzt noch wenn ich mich daran zurück erinnere, spürt ich diese kalten Hände, wie sie mich zu ihm zogen und nie wieder los lassen wollten.
Und ab da uns fing mein Geheimnis an – denn Tom hatte uns gesehen.
 
***
 
ich wachte erschrocken auf und sah Bill neben mir liegen, er schlief tief und fest. Ich hatte die Zeit vergessen, war gestern einfach so hier eingeschlafen – mein Vater bringt mich um.
Schnell schlüpfte ich unter der Decke hervor, gab Bill einen flüchtigen Kuss, schnappt mir meine Klamotten und lief so schnell es ging nach Hause.
Die Tür fiel mit einem lauten Knallen hinter mir ins Schloss. Die Stille beunruhigte mich und ich sah mich in der kleinen armseligen Wohnung um. Wir hatten nicht viel Geld und das sah man auch an unserer Einrichtung – alte oder kaputte Möbel.
Ich zog meine Schuhe aus, stellte sie ordentlich beiseite und lief leise über das kalte Paket. Überall lag schon wieder Müll herum – mein Vater räumte nie auf, so etwas blieb dann immer der ´Frau im Hause` übrig. Und da ich seid meiner Geburt keine Mutter mehr hatte musste ich die Drecksarbeit erledigen.
Vorsichtig öffnete ich meine Zimmertür und blieb etwas erschrocken im Rahmen stehen. Mein Vater saß auf dem Bett, hatte eine Flasche Bier in der Hand und sah betrübt auf den Boden.
„Wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht.“, sagte er mir seiner rauen Stimme und nahm noch einen großen Schluck aus der Flasche, bevor er sie wütend an die gegenüberliegende Wand schmiss.
Bei dem Zerklirren des Glases zuckte ich zusammen, „Tut mir leid…“, sagte ich leise. „Warst du schon wieder bei diesem Jungen? Der ist nichts für dich!“, mein Vater wurde laut und stand von seinem Platz auf, „Der ist nichts für dich! Und wehe dir wenn du schwanger wirst – dann schmeiß ich dich raus!!!“, wütend knallte er die Tür hinter sich zu und ließ mich alleine im Zimmer.
Mein Vater war eigentlich noch nie richtig wütend auf mich gewesen – warum auch. Ich versuchte immer das brave Mädchen zu sein und den Anforderungen meines Vaters gerecht zu werden. Deswegen war ich jetzt auch so verletzt, als er mich anschrie.
Ich sah mich im Raum um. Die Wände kahl und weiß. Ein altes Bett, ein kleiner Schreibtisch und ein paar Kartons für meine wenigen Klamotten – mehr konnten wir uns nicht leisten, weil mein Vater auch die Hälfte des Geldes für Alkohol ausgab.
Es gab mal kurz eine Zeit, da wo ich wahrscheinlich auch Alkoholabhängig geworden wäre, wenn ich nicht Sarah kennen gelernt hätte. Ws soll man auch als kleines Kind anderes denken, wenn der Vater die ganze Zeit dieses Gesöff trinkt und überall die Flaschen in der Wohnung herum stehen.
Ich ließ meine Tasche auf den Boden fallen und wandte mich der zerbrochenen Flasche zu. zum Glück war sie schon leer gewesen, sonst hätte ich jetzt einen riesen Fleck an der Wand. Na, ja. Wem würde es denn auch schon auffallen?
Bill war noch nie hier gewesen, geschweige denn von ein paar Freunden. Er wusste nur dass wir nicht wirklich viel Geld hatten, war aber noch nie hier gewesen – mir war es etwas unangenehm. Die Zwillinge hatten so ein tolles zu Hause, so eine tolle Familie – und ich dagegen…
 
Wochenende. Diese Zeit verbrachte ich zu Hause bei meinem Vater und um die Bude aufzuräumen.
„Hey Kleines… wollen wir nicht irgendwas mal unternehmen?“, hörte ich es aus der Küche rufen. Ich streckte verwundert den Kopf aus meinem Zimmer, „Wie bitte?!“, ich dachte ich hätte mich verhört und lief in die Küche.
„Wollen wir nicht mal irgendetwas machen? Wir sitzen jedes Wochenende hier in der Wohnung.“ „Was denn?!“, fragte ich erstaunt und freute mich einwenig.
„Wir könnten ja mal durch die Stadt gehen – uns ein paar Sachen anschauen und vielleicht ein Eis essen gehen.“ Bei diesen Worten erhellte sich mein Gesicht – so etwas hatten wir nur in meiner kurzen Kindheit ein paar Mal gemacht.
schnell schnappte ich mir meine Tasche und so machte ich mich mit meinen Vater auf den Weg in die Stadt.
 
Wir blieben vor jedem Schaufenster stehen und sahen uns die tollen Kleider und Sachen an. ab und zu ertappte ich mich dabei, wie ich auf die Preise schielte und traurig feststellen musste, dass ich so tolle Klamotten niemals tragen werde.
Doch schnell holte mein Vater zwei Eis für uns und ich vergaß die anderen Sachen.
Ab und zu blieben wir auch mal stehen und sahen uns die verschiedensten Leute an und beurteilten sie kritisch.
„Guck dir die beiden Mal an – Ich würde sagen der eine ist Schwul, der andere weiß es noch nicht recht.“, lachte auf einmal mein Vater und zeigte auf zwei Jungs, die an uns vorbei gingen.
Mir stockte der Atem und schnell wandte ich mich um: Bill und Tom. sie sollten mich nicht so sehen und so schnappte ich mir meinen Vater und lief schnell mit ihm weg.
Und so endete der Tag mal wieder total schrecklich und als wir dann noch nach Hause kamen, war die Wohnung noch nicht aufgeräumt – ich stöhnte und ließ die Tür hinter uns zu fallen.
„Ich geh schlafen.“, verabschiedete sich mein Vater schnell, als er meinen leicht genervten und verzweifelten Blick sah.
Und so war ich alleine mit dem Chaos.
 
***
 

Als die Schule wieder anfing, wartete ich wie immer vor unserer Wohnung auf Bill, da er nur ein paar Straßen weiter wohnte und mich normalerweise morgens immer abholte – doch nicht heute. Heute kam Tom.

Schnell wandte ich mich um und wollte unbemerkt losgehen, doch leider hatte ich dabei mal wieder kein Glück. Ich hörte Tom schon nach mir rufen und widerwillig blieb ich stehen.

„Na was macht meine Sklavin denn heute schönes? Nicht?! Das ist gut – dann hilft sie mir bei Mathe.“, lachte er und zusammen marschierten wir weiter die Straße hinab.

„Was? ich hab keine Zeit!“, protestierte ich schnell. „Ach, weiß Bill etwa unser Geheimnis schon?!“, grinste Tom siegessicher und so war das Gespräch beendet – ich musste nach der Schule mit zu Tom.

„Wo ist Bill?!“, fragte ich vorsichtig, bevor wir den Schulhof betraten, wo das helle Leben herrschte. „Wo Bill ist?! Krank?!“ und mit dieser wirklich ´tollen` Antwort ließ er mich stehen und lief zu seinen Freunden.

„Arsch!“, fauchte ich wütend und lief zum Unterricht.

Als ich die Klasse betrat, blieb ich erst etwas verwirrt stehen, jemand hatte seine Sachen auf meinen Platz gelegt. Ich sah mich um und entdeckte ein neues, mir aber bekanntes Gesicht.

Schlagartig besserte sich meine Laune, „SARAH!“, schrie ich freudig und das neue Mädchen wandte sich grinsend zu mir um.

Wir liefen beide quiekend auf einander zu und vielen uns um den Hals, „Was machst du denn hier?!“, fragte ich total hibbelig und drückte meine Freundin ganz fest. „ja, das weiß ich wohl auch nicht so recht. Meine Eltern meinten letztes Wochenende, ´Sarah wir ziehen um!` und so sind wir dann einfach hier her gezogen, frag mich nicht warum.“ „Das ist ja toll!“, wieder drückte ich sie an mich und es klingelte zum ersten Unterricht.

Der Lehrer kam und wir setzten uns tuschelnd nebeneinander auf unsere Plätze. Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass meine beste Freundin jetzt bei mir war.

 

Mit Sarah vergingen die Wochen fast wie im Flug. Und ich musste eingestehen, dass ich Bill ein wenig wegen ihr vernachlässigte, doch das schien ihn nicht groß zu stören – was mich wiederum aber etwas störte. Und die ´Nachhilfestunden` bei Tom häuften sich in letzter Zeit merkwürdigerweise auch – obwohl er das gar nicht nötig hatte, fragte er immer wieder ob ich ihm nicht helfen könne und komischerweise ließ er auch von mir ab. Er küsste mich nicht mehr und machte auch sonst keine Anspielungen auf irgendetwas.

Das alles kam mir sehr seltsam vor, doch ich sagte lieber nichts, denn so gefiel es mir auch irgendwie.

Auch Sarah freundete sich mit den Zwillingen schnell an – ab und zu kam es dann auch vor, dass wir zu viert etwas unternahmen. Aber nicht oft. Und ich hatte das Gefühl, dass Sarah einen der Zwillinge etwas mehr mochte, doch das konnte ich noch nicht mit Bestimmtheit sagen, deswegen schwieg ich lieber noch etwas und beobachtete sie.

 

„Cathrin! Hilfe!“ Ich horchte auf, genau so wie Bill. wir lagen schon den ganzen Tag gemütlich in seinem Zimmer und machten einfach gar nichts. doch plötzlich wurde ich verzweifelt gerufen. Ich stand mühsam auf und taumelte zur Tür. Doch bevor ich sie öffnen konnte, stand Sarah vor mir.

„Was denn?!“, fragte ich sie erstaunt sie hier zu sehen. „Du bist noch nicht fertig?!“ „Wie? Wofür denn?!“ „Der Geburtstag von Andre…“, half sie mir auf die Sprünge. „Oh nein den haben wir ja total vergessen.“, rief Bill, sprang auf und rannte zu seinem Schrank um sich etwas anderes zum anziehen zu suchen.

„Na toll…“ ich schlug mir vor Schusseligkeit vor den Kopf „Und ich brauche deine Hilfe. Ich weiß nicht was ich anziehen soll….“, stöhnte meine Freundin. „Ok.. ich komm kurz mit zu dir.“, grinste ich, sah kurz zu Bill, der halb im Schrank verschwunden war und lief dann mit Sarah schnell zu ihrem Haus.

im Flur wurde ich von ihrer Mutter gedrückt, aber sofort weiter nach oben gezogen, wo ich in ein Chaos aus Klamotten kam. „Das sieht alles nicht gut genug aus.“, sagte Sarah trotzig.

„Aber du findest doch sonst immer so tolle Outfits, warum den jetzt nicht?!“, lachte ich und ließ mich irgendwo, wo ich das Sofa vermutete hinfallen.

„Nun ja…“, ich bemerkte, dass sie leicht rot anlief, „Da musste ich j auch nicht aufpassen, dass ich umwerfend aussehe…“, gestand sie. „Ohoo“, ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, „Hat da etwa meine Freundin einen Schwarm?!“, ärgerte ich sie und bekam dafür sofort ein Kissen ins Gesicht geworfen.

„Tut mir leid.“, sagte ich schnell, musste aber trotzdem weiter grinsen, „Dann lass uns mal gucken was wir finden.“ Und so machten sich Sarah und ich auf die Suche nach dem perfekten Outfit – was sich über fast zwei Stunden zog, da meine Freundin heute ziemlich unschlüssig war.

 

nach zwei Stunden saß ich etwas erschöpft zwischen den ganzen Klamotten auf dem Boden und fing schon mal an, ein paar der Sachen zusammen zu legen. Auf einmal ging die Tür auf und Sarah kam herein, „WOUW!“, rief ich etwas neidisch, Sarah sah toll aus.

„Meinst du?!“, fragte sie unsicher und stellte sich vor den Spiegel um sich zu betrachten. „Aber Holla die Waldfee!!“, ich hob beide Daumen und grinste breit.

„Na gut. Ich hab jetzt sowieso keine Lust noch weiter zu suchen … was ist mit dir, bleibst du so?!“ und ohne auf eine Antwort von mir ab zu warten, war sie mir irgendwelche Klamotten zu und deutete darauf, dass ich sie anziehen solle – und das tat ich.

Nach einer weiteren Stunde und schon mal ein, zwei Drinks zur Anheiterung saßen wir total fertig auf dem Bett. Die Klamotten hatten wir dann einfach nur noch in den Schrank gestopft und den Rest bei Seite geschoben.

„Wann müssen wir los?!“, fragte Sarah. Ich sah auf meine Uhr, „Öhm… halbe Stunde? Nee, Stunde.“, verbesserte ich schnell.

Plötzlich sprang meine Freundin auf, schloss die Tür und kam zurück zu mir um mich dann erwartungsvoll anzuschauen. „Was?“, fragte ich und setzte mich auch auf.

„Erzähl mir was über…“, meine Freundin zögerte. „Über wen?!“, lächelte ich. „Tom…“, sagte sie leise. Ich sah sie erschrocken an, „Tom?!“ Sie nickte. Oh nein. Es war doch nicht Tom, den sie toll fand?! Doch nach ihrem erwartungsvollen Gesicht zu muten, war er es.

Vor zwei Jahren war es Tom, dem ich mein Herz geschenkt hatte – ihn lernte ich auch als erstes kennen. Wir trafen uns beide in der Musikschule seines Stiefvaters und freundeten uns sofort an. da ich schon immer den Hang zum unnormalen hatte, gefiel mir Tom vom ersten Augenblick an – er war anders als andere, nicht nur vom Aussehen.
Irgendwann fingen unsere Treffen an und er fragte mich nach meinem ganzen Leben aus – eigentlich hätte mir da schon irgendetwas auffallen müssen, da er nie etwas von sich erzählte, noch nicht einmal, dass er einen Zwillingsbruder hatte.
Doch das fand ich dann nach knapp einem Jahr heraus, denn irgendwann sah ich ihn immer öfters mit diesem anderen Jungen, mit Bill. als ich Tom nach ihm befragte stieß ich auf Ablehnung und Ignoranz, er fing an mich zu meiden. Und ab da fing es an, dass ich mich mit Bill anfreundete – er sprach mich irgendwann einmal bei der Bushaltestelle an, wer ich denn sei, weil sich sein Bruder immer so oft mit mir traf.
Ich vergaß Tom und Bill weckte mein Interesse – mehr als gedacht. Und das wurde mir zum Verhängnis…
 

***

 
die ganze Feier über beobachtete ich meine Freundin. Ich ertappte sie dabei, wie sie ab und zu immer wieder gedankenverlorene Blicke zu Tom warf und wie er sie erwiderte. Es tat mir weh zu sehen, wie sich meine beste Freundin in den beschissensten Jungen den es gab verliebte. Warum konnte es nicht jemand anderes sein? Warum ausgerechnet Tom?!

Doch ich konnte ihr auch nicht sagen, was Tom für ein Typ war, was er mit mir machte – ich konnte es ihr einfach nicht sagen. Denn ich könnte es nicht ertragen, dieses glückliche Gesicht traurig zu machen. So hatte ich Sarah noch nie zuvor gesehen und das wollte ich ihr einfach nicht nehmen. Doch mir war bewusst, dass es irgendwann so kommen würde, dass irgendwann dieses glückliche Gesicht in Tränen und Schmerz versinken wird – irgendwann.

„Hey Kleine. Ist irgendetwas?!“, ich spürte, wie sich Arme von hinten um mich schlangen und Bill seinen Kopf auf meine Schulter legte. „Nein, gar nichts.“, lächelte ich, drehte mich um und küsste ihn sanft.

„Und warum starrst du die ganze Zeit Tom an?!“ –Schock- „Ähm, das stimmt doch gar nicht.“, stotterte ich leicht. „War nur´n Scherz.“, Bill lachte und gab mir noch einen Kuss, bevor er uns etwas zu trinken holen ging. Ich stöhnte erleichtert und warf einen letzten Blick für diesen Abend auf Sarah – sie stand bei Tom.

 

Etwas später saß ich bei ein paar Freunden auf dem Sofa und mein Blick schweifte mal wieder über die Leute – die Hälfte kannte ich nicht einmal. Plötzlich sah ich Bill, er drängelte sich leicht gereizt durch die Masse zu Tom, riss ihm am Arm herum und sagte irgendetwas. Toms Blick verfinsterte sich und er schubste seinen Bruder weg. Ich konnte ihm ein ´Nein` von den Lippen ablesen und dann ließ Bill ihn in Ruhe.

Was ist denn zwischen den los?! Doch bevor ich darüber weiter nachdenken konnte, sah Tom auf einmal zu mir. ich erschrak etwas und das Gefühl machte sich in mir breit, das es sich bei der Auseinandersetzung um mich handelte.

Doch darüber konnte ich auch nicht weiter nachdenken, denn gleich darauf ließ sich Sarah neben mich aufs Sofa fallen. Sie sah mich mit großen, freudigen Augen an und strahlte über das ganze Gesicht. Ich wusste wie sie sich grade fühlte – dieses frisch verliebte.

„Er ist so toll…“, schwärmte sie. „Tom?!“, fragte ich, obwohl ich die Antwort schon kannte. „Woher weißt du das?!“ „Das sieht man dir total an.“, lachte ich auf, doch gleich darauf verstummte mein Lachen wieder „Ich glaube das ist was ernstes…“, schwärmte Sarah weiter. Ich stockte und sah sie lange an, „Bist du dir sicher?!“ fragte ich misstrauisch.

Sarah sah mich an, überlegte kurz, lächelte, „Ich bin mir sicher – e ist es einfach.“ Nein, ist er nicht…

„Ist was?!“, fragte Sarah auf einmal, als sie meinen unzufriedenen Blick bemerkte. Ich schüttelte schnell den Kopf und sah mich nach Bill um. „Natürlich ist was…“, sie ließ nicht locker und ich vermutete, dass sie mich gleich nach draußen schleifen würde um mit mir zu reden.

Und was geschah? Genau das. Sarah nahm meine Hand, drückte sie leicht, stand auf und zog mich hinter sich her, durch die vielen Leute in den Garten und noch etwas weiter zu irgendeiner Bank.

„Es ist nichts!“, sagte ich noch einmal und lächelte. „Mit dir nicht. Aber mit Bill.“, sagte sie auf einmal. „Was?!“, ich verstand nicht was sie damit meinte und wir setzten uns auf die Bank, „Was ist mit ihm?!“, wiederholte ich noch einmal.

Ich sah meine Freundin an, dass sie zögerte es mir zu sagen und das beunruhigte mich nur noch mehr.

„Ich weiß nicht ob ich es dir sagen soll…“, sie machte eine Pause, „… ob du es überhaupt wissen willst. Vielleicht ist ja auch alles in Ordnung und ich interpretier das nur irgendwas falschen rein… ich weiß es nicht.“ „Wieso? Was ist denn?!“, ich wurde nervös und spürte das wirklich etwas nicht in Ordnung war.

„Ich finde er streitet sich ziemlich oft mit Tom. weißt du wieso?!“ Stimmt, jetzt wo sie es sagt – Bill streite sich oft mit seinem Bruder…

ich versank in Gedanken. Es schien mir, als würde Bill die ganze Zeit irgendetwas von Tom wollen. Ich beschloss Bill morgen mal danach zu fragen, aber nicht jetzt auf der Feier.

 

Doch dazu kam es nicht – Bill erschien nicht in der Schule, genauso wenig wie Tom und Sarah, was mich ziemlich stutzig machte. Die drei waren gestern noch länger da geblieben, ich musste nach Hause – wahrscheinlich hatten sie die Nacht zusammen verbracht.

Ich beschloss, gleich nach der Schule mal bei den dreien vorbei zu schauen.   

 

„NEIN! Ich mach das nicht mehr – ist mir egal ob du es sagst oder nicht!“. Als ich dem Haus der Zwillinge näher kam, hörte ich laute Stimmen aus dem Garten – Bill und Tom stritten sich schon wieder. „Ich sag alles!“, schrie Bill wütend.

Ich öffnete das Gartentor und ging zögernd nach hinten. „Na und. Mach doch. Aber ich tu das Cathrin nicht mehr an!“ Als mein Name fiel, blieb ich erschrocken stehen und sah die beiden vor mir stehen. Auch sie schweigen erschrocken, als sie mich erblickten.

„Tut mir leid… ich…. Ich wollte nicht stören…“, stotterte ich verwirrt. Sofort kam Bill auf mich zu und wollte mich in den Arm nehmen, ich ging ein paar Schritte zurück, doch das hinderte ihn nicht daran. Bill zog mich zu sich und schlang seine Arme um mich.

Ich sah Tom an, er wirkte verzweifelt und blickte auf den Boden. schon seid längerem fiel mir auf, dass er mir nicht mehr in die Augen sehen konnte. Vielleicht hatte er Gewissensbisse. Aber dem Gespräch mit seinem Bruder zufolgen, müsste Bill eigentlich wissen was Tom die ganze Zeit mit mir gemacht hatte – aber wieso sagte er dann nichts?!

Ich wusste nicht mehr was ich denken… dass ich glauben sollte. Was richtig und was falsch war. die beiden Zwillinge verwirrten mich total.

Auf einmal erblickte ich Sarah. Sie stand die ganze Zeit auf der Verander und hatte alles mit bekommen – wahrscheinlich auch den Streit der Zwillinge. Sie sah auch verzweifelt aus und blickte zu Tom.

Was war hier los?! Ich verstand gar nichts mehr und schubste Bill von mir weg. Er sah mich fragend an und streckte wieder eine Hand nach mir aus, doch ich sah ihn nur fassungslos an. die drei wussten irgendetwas was ich nicht wusste und dass Sarah es mir nicht sagte fand ich am schlimmsten. Ich dachte wir wären Freundinnen – doch so schien es wohl nicht.

Ich schüttelte mit Tränen in den Augen leicht den Kopf.

„Cathrin. Bitte…“, Bill hielt mir immer noch seine Hand hin. „Nein…“, flüsterte ich, wandte mich um und lief weg.

Ich musste wieder einen klaren Kopf bekommen. Mir schwirrten so viele Gedanken umher und bevor ich was Falsches sagte oder machte, ging ich lieber.

 

***

 

Doch leider wurde ich nicht in Ruhe gelassen – Sarah lief mir hinter her und irgendwann holte sie mich ein. was sollte ich jetzt machen?!

„Cathrin – bitte… was ist los?!“ sie hielt mich am Arm fest, damit ich nicht wieder weg konnte. Ich schwieg, wandte mich immer wieder um, damit ich sie nicht ansehen musste.

„Du musst es doch wissen. Du hast doch anscheinend das ganze Gespräch von Bill und Tom mitbekommen…“, schrie ich sie auf einmal wütend an und riss mich aus ihrem Griff los.

Jetzt stockte Sarah – sie war total erschrocken über meine heftige Reaktion und sofort tat es mir leid, als ich ihren Blick sah. „Tut mir leid.“, sagte ich leise.

Sarah sagte nichts, sah mich nur weiter hin fassungslos an. „Bitte verzeih mir – ich wollte dich nicht anschreien…“ „Komm!“, Sarah nahm meine Hand und zog mich unsanft hinter sich her zu ihr nach Hause und weiter in ihr Zimmer wo sie die Tür hinter sich schloss.

„Erzähl mir alles!“, sagte sie knapp und setzte sich vor mich auf den Boden. „Was alles?!“ „Alles. Wie du die Zwillinge kennen gelernt hast – einfach alles! Und wehe du lässt was aus!!!“

Und so erzählte ich ihr, was sie hören wollte. es sprudelte alles auf einmal einfach so aus mir heraus. Ich erzählte dass mit Tom und dann wie ich Bill kennen lernte.

„.. Aber ich weiß bis heute nicht, wieso Tom auf einmal anfing nicht mehr mit mir zu reden.“, beendete ich meine Geschichte und sah Sarah an – sie starrte die ganze Zeit auf den Boden und fing auf einmal an, den Kopf zu schütteln. „Was?“, fragte ich irritiert.

„Sie haben dir also wirklich nichts erzählt…. Tsss.“ „Wieso. Was erzählt?!“ Sarah blickte mich an – lange sagte keiner von uns etwas.

„Frag Bill! nein! Frag  Tom wieso er nicht mehr mit dir gesprochen hatte. Und wieso er dich irgendwann anfing zu erpressen.“ Ich sah sie geschockt an, woher weiß sie von all dem? Hat Tom ihr alles erzählt?! „Woher…“, ich konnte gar nicht zu ende sprechen, da fing meine Freundin an zu erzählen, „Tom hat mir alles gesagt – aber erst als ich ihn zu Tode genervt hatte. Ich wusste irgendwie schon Anfang an, dass da irgendwas schief lief bei dir…. Du hattest Angst, dass Bill erfährt, dass du kurz mal etwas mehr als nur Freundschaft mit Tom hattest, weil er immer erzählte, dass er mit keinem Mädchen zusammen sein will, die vorher etwas mit seinem Bruder hatte – stimmt´s?!“

Sarah hatte den Nagel auf den Kopf geschlagen, „Aber… wieso hat dir Tom das erzählt? Warum … warum kann er mich nicht einfach in Ruhe lassen?!“, Tränen stiegen mir in die Augen, denn all die Erinnerungen mit Tom kamen hoch. wie wir uns das erste Mal küssten – Tom war meine erste große Liebe. Eigentlich hätte ich nie an die große Liebe geglaubt, aber als Tom kam, änderte ich meine Meinung. Und dann diese Ablehnung von ihm – es hat mir beinahe das Herz zerrissen, weil ich en Grund für sein Verhalten nicht wusste, „Warum lässt er mich nicht in Ruhe – wenn er nicht da wäre… wenn er das nicht alles gemacht hätte, wäre mein Leben viel besser verlaufen!“, ich wischte mir durchs Gesicht und sah, dass meine Wimperntusche verwischte, doch das war mir grade eben egal.

„Ich glaube nicht, dass dein Leben dann besser verlaufen wäre!“, sagte Sarah auf einmal kühl.

„Was?“, fiel mir jetzt auch noch meine beste Freundin in den Rücken?! „Ohne Tom wärst du wahrscheinlich noch schlimmer dran – zwar nicht gleich, aber du wärst schlimmer dran! Glaub mir! ohne Tom wärst du schon in Tränen zusammen gebrochen!“ „Was erzählst du da?!“, ich verstand die ganze Welt nicht mehr und war total verzweifelt.

Ich wollte doch nur wissen was hier los war und dann verschwor sich noch meine beste Freundin gegen mich, was ich nie gedacht hätte.

„Ich dachte wir wären Freunde.“, kam es auf einmal wütend aus mir heraus. Sarah sah mich fassungslos an, als sie das hörte, „Sind wir doch auch!“, sagte sie schnell. „Natürlich!“, lachte ich trocken auf, stand auf verließ das Zimmer und schmiss ihre Tür mit einem lauten Knallen hinter mir zu – die Brücke zwischen Sarah und mir, die wir uns in so kurzer Zeit aufgebaut hatten zwischen uns riss und fiel in die Tiefe – und die gemeinsame Zeit fiel mit ihr in die Tiefe. Unsere Freundschaft war hier für mich vorbei!

 

***

 

ich blickte verschlafen auf mein Handy: 27 Anrufe in Abwesenheit und 14 SMS´s. stöhnend schmiss ich das Ding auf mein Sofa und drehte mich in meinem Bett noch einmal um – ich wollte nicht in die Schule, ich wollte nicht den anderen gegenüber stehen, ich wollte nur noch alleine sein.

Zum Glück waren meine Eltern schon längst arbeiten und so beschloss ich heute einfach mal die Schule zu schwänzen – mir ging es ´nicht gut’.

Doch als ich die Augen wieder schloss, klingelte es an der Tür. „Oh nein! Wer ist das denn so früh?!“, jammerte ich und auf einmal schoss mir der Gedanke durch den Kopf – Bill. er wollte mich wahrscheinlich abholen.

Ich zog die Decke über den Kopf und krümelte mich schnell zusammen, „Ich bin einfach nicht da.“, dachte ich mir und schlief dann irgendwann wieder ein.

 

Die Sonne schien mir direkt ins Gesicht und ich wollte einfach nicht die Augen öffnen. Wahrscheinlich war es schon längst Mittag.

Plötzlich legte sich ein Schatten auf mein Gesicht – jemand stand vor mir. ich öffnete meine Augen einen Spalt breit und schloss sie sofort wieder, als ich die Umrisse der Person vor mir erkannte, „Was willst du hier?!“, fauchte ich leicht gereizt.

„Deine Mutter hat mich rein gelassen…“, sagte Tom leise und setzte sich auf den Boden vor mich. „Du hast nicht meine Frage beantwortet!“ „…“, Schweigen von Tom.

Eine Weile war es Still und ich war wieder kurz davor ein zu schlafen. „Es tut mir alles so leid.“ Ich öffnete stutzig die Augen wieder und sah Tom an. „Was?“ „Ich… Ich wollte dir das nie antun.“, erzählte er weiter.

Jetzt wurde ich neugierig und setzte mich langsam auf.

„Bill war es.“ „WAS?!“, das war doch das Letzte – jetzt wollte Tom alles seinen Bruder in die Schuhe schieben. „Du warst es dich, der mich erpresst hat – der mir das alles angetan hat.“, meinte ich wütend. „Aber nur… nur damit Bill den Mund hält.“ Jetzt war ich total verwirrt.

„Weißt du noch, als eines Tages auf einmal diese dicke Beule bei unserer Mutter im Wagen war und die Türen aufgebrochen waren?!“ Ich schwieg. „Bill sollte es nicht sagen, doch dafür verlangte er natürlich etwas.“ „Bill soll also hier der Böse sein?!“ Tom blickte mich stumm an – in seinen Augen konnte ich erkennen, dass er nicht log und das verunsicherte mich nur noch mehr.

„Ich habe an diesem Abend mit ein paar Freunden das erste Mal Drogen ausprobiert. Ich weiß gar nicht mehr wie wir daran gekommen sind – ich glaube Jan hat die von irgendwem bekommen. Jedenfalls waren wir total im Rausch, haben uns sie Autoschlüssel geschnappt und haben den Wagen halb zu Schrott gefahren und haben Fahrerflucht begangen. Jan hatte eine ältere Frau angefahren und wir haben sie einfach aus Angst zurück gelassen – keine Ahnung was jetzt mit ihr ist.“, Tom machte eine Pause und warf noch mal einen prüfenden Blick zu mir, dann erzählte er schnell weiter, „Und Bill wusste davon. Ich habe ihn angefleht bloß nichts unserer Mutter zu erzählen! Doch dann meinte er auf einmal – als er merkte, dass ich mich immer mit einem Mädchen traf, dass ich…. Dass ich dich…“, er zögerte weiter zu sprechen.

„…. Wie konnte er nur…!“, stotterte ich mit Tränen in den Augen. Ich hatte die ganze Zeit gedacht, Tom wäre der, der mir das Leben zur Hölle machte. Doch so war es gar nicht, es war Bill – meine zweite Liebe.

„Ich … es tut mir so leid. Ich konnte nichts dagegen machen.“, versuchte sich Tom hilflos zu entschuldigen.

Die ganze Sache war von Bill geplant. Aber warum hatte er das gemacht?! Auf einmal konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Junge den ich liebte – wegen ihm hätte ich beinahe meine besten Freunde verloren.

Tom stand auf, setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm. Ich wehrte mich nicht dagegen.

„Wo ist er?!“, fragte ich dann auf einmal leise und wischte mir durchs Gesicht. „Zu Hause. wieso?!“, Tom hatte schon eine leichte Vorahnung und ließ mich los.

Ich blickte Tom an, strich ihm einmal sanft durchs Gesicht und spürte dann diese ungemeine Wut in meinem Bauch – Wut auf Bill!

„Danke.“, flüsterte ich, gab Tom einen Kuss, stand auf und machte mich auf den Weg. Ich lief so schnell es ging zu den Zwillingen nach Hause und klingelte. Niemand öffnete, also nahm ich den Ersatzschlüssel aus dem Blumentopf am Eingang und schloss die Tür auf, rannte nach oben in Bills Zimmer.

Kurz blieb ich stehen, ließ die Erinnerungen an mir vorbei fließen – wir viel Zeit wir hier zusammen verbracht hatten. Doch diese Zeit war eine einzige Lüge! All unsere Pläne und Träume – sie waren gelogen!

Auf einmal packte mich wieder diese Wut. Ich wischte mir die letzte Träne aus dem Gesicht, lief auf den Schrank zu, riss die Türen auf und schmiss all seine Klamotten raus – zerschnitt Shirts und zerriss seine Hosen. Dann wandte ich mich seinem Bett zu, nahm mir eine Schere und schlitze seine Kissen und decken auf.

Auf seinem Schreibtisch entdeckte ich seine Texte – wie oft wir nicht unsere Gedanken darauf geschrieben hatten. Ich nahm einen dicken Edding und strich alle Zeilen, alle Wörter, alle Buchstaben durch.

Tränen stiegen wieder in mir auf, als ich vereinzelt die Wörter las, die ich alle durchstrich >für immer… zu zweit…. Liebe…. Angst….< Jedes Wort weckte Erinnerungen in mir – ich wollte sie nur noch verbannen. Die Gemeinsame Zeit mit Bill wegschmeißen!

Auf einmal hörte ich unten aus dem Flur, wie die Tür aufgeschlossen wurde. Bill kam nach Hause. erschrocken sah ich mich um – doch dann, als ich die Schritte auf der Treppe hörte, war ich auf einmal gar nicht mehr Traurig – ich fühlte mich erleichtert.

Ich wandte mich der Wand zu, riss die Bilder ab und schrieb mit dem Edding Buchstaben darauf. Irgendwann ergaben sie einen Text: WEGEN DIR WEINE ICH BESTIMMT NICHT!

Auf einmal tauschte Bill in der Tür auf. Er sah sich fassungslos in seinem Zimmer um, „Was hast du gemacht?!“, schrie er. Ich schmiss lächelt den Stift weg, ging auf meinen Freund zu, gab ihm einen letzten Kuss, „Nur das was du mit mir gemacht hast.“, sagte ich dann leise und lächelte.

„Du miese Schlampe!“, schrie er wütend. Doch ich ließ mich nicht davon beeindrucken, sondern ballte die Hand zur Faust, holte aus und schlug Bill mitten ins Gesicht. Sofort spürte staute sich das Blut in meiner Hand und sie fing an zu brennen vor Schmerzen – doch es tat auch gleichzeitig gut. Denn Bill taumelte benommen zurück, riss die Arme vor sein Gesicht und jaulte auf.

„Danke für die schöne Zeit.“, waren meine letzten Wort und dann ging ich seelenruhig an dem verletzen Bill vorbei, die Treppe hinunter, nach draußen, schloss die Tür leise hinter mir und verschwand für immer.

 

ENDE

 

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