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Wenn Bill fällt - fällt TokioHotel!


Wortlos
Sorry for all the things I could do
Wenn Alpträume fliegen lernen
Bonus FF
Geht das überhaupt?

Wortlos

 
Das Leben kann einem perfekt erscheinen.
Man hat alles was man sich wünscht.
Eine tolle Familie, tolle Freunde und in der Schule kann es nicht besser laufen.
 
Doch dann der Schicksalsschlag.
Was wenn man etwas verliert.
Etwas, das man über alles geliebt hat und nie gehen lassen wollte.
 
Plötzlich spürt man diese Leere in sich – Etwas fehlt.
Dieses Etwas hinterlässt eine Lücke in einem Herzen.
Und diese Lücke droht dich zu zerreißen.
 
Eines Morgens wacht man auf und bringt kein Wort mehr über die Lippen …
 

„Habt ihr alles beisammen?!“, rief meine Mutter und man konnte ihrer Stimme immer noch die Trauer anhören.

Erst vor einer Woche hatten wir die Beerdigung meines kleinen Bruders. Ich konnte immer noch nicht glauben, was hier passierte – dass ich meinen kleinen Bruder für immer verloren hatte. Zwar ärgerte er mich ab und zu und konnte ganz schön nerven, doch ich hatte ihn geliebt – er war halt mein kleiner Bruder. Und  nun ist er für immer weg.

Niemand weiß was passiert war. niemand konnte uns sagen, wieso in dieser Nacht mein Bruder plötzlich anfing zu schreien. Ich konnte diesen Schrei nicht mehr aus meinem Kopf heraus bekommen. Ich schreckte damals aus dem Schlaf auf und hörte im Nebenzimmer diesen Schmerzerfüllten Schrei – lang und laut. Und dann plötzlich war es ruhig.

Selbst die Ärzte konnten sich nicht erklären was damals mit meinem Bruder geschehen war – sein Herz hatte anscheinend einfach so aufgehört zu schlagen.

Mein Bruder war ein gesundes Kind. 8 Jahre alt. Er hatte sein ganzes Leben noch vor sich. doch das wird er jetzt nicht mehr Leben können – ich fand es so ungerecht.

Nun, fast zwei Wochen nach dem Vorfall, hatten wir unsere Sachen gepackt – wir wollten nicht mehr an die Vergangenheit erinnert werden. Denn immer wenn ich in dem Flur stand, konnte ich hören, wie mein Bruder damals lachend dadurch lief. Am Esstisch sah ich ihn immer noch auf dem Leeren Platz mit dem Essen herum matschen und vorm Fernseher sah er sich immer noch seine Zeichntrickfilme an – obwohl niemand da war.

Ich konnte das alles nicht mehr ertragen. Alles erinnerte mich an ihn. Doch dann beschlossen wir neu anzufangen. Einerseits war es gut, doch andererseits auch wiederum nicht.

Als ich davon erfuhr, dass wir wegzogen, fand ich es am Anfang erst erleichternd. Doch dann wachte ich irgendwann auf, wollte mich fertig machen und ein gequältes ´Morgen` am Frühstückstisch herausbringen, doch da kam nichts. Ich versuchte irgendeinen Laut von mir zu geben, doch alles was man hörte war ein Keuchen oder Pfiepen.

Meine Mutter brachte mich sofort zu einem Psychologen und der Bestätigte nur: Ich leide unter dem Verlust, dass ich meinen Bruder verloren hatte. Doch das war es noch nicht. Ich hatte Angst davor die Vergangenheit loszulassen. Und das wir jetzt auch noch wegzogen, weg von den Erinnerungen konnte ich anscheinend nicht ertragen.

Es bildeten sich Knoten auf meinen Stimmbändern und ich verlor meine Stimme. Obwohl ich Sängerin werden sollte, brachte ich keinen Ton mehr aus mir heraus. Und mein Traum blieb ein Traum.

„Cathrin?!“ kommst du – wir haben alles eingepackt und wollen los.“ Ich wurde von meiner Mutter aus den Gedanken gerissen. Kurz blickte ich auf, nickte stumm und warf einen letzten Blick auf unser altes Haus.

Mein Bruder hatte gerne im Garten gespielt. Schnell schüttelte ich den Kopf, damit die Gedanken verflogen, stieg zu meinen Eltern in den Wagen und wir fuhren weg – weg in ein neues Leben.

 

***

 

Dieser Umzug ist nun auch schon wieder ein paar Wochen her. Die Sommerferien neigten sich dem Ende und bald würde ich eine neue Schule kommen. Ich war schon mal ab und zu durch das Dorf gelaufen um mich ein wenig umzusehen und saß auch schon oft auf dem Schulhof.

Zum Glück konnte ich auf eine normale Schule gehen, da die Ärzte meinten, dass es doch noch Hoffnungen gibt, dass ich eventuell irgendwann wieder sprechen könnte. Doch diese Hoffnungen standen bei 5 – 100.

Mittlerweile war es mir auch schon egal geworden ob ich irgendwann wieder reden konnte oder nicht. Ich hatte meinen Traum aufgegeben. Eigentlich hatte ich alle meine Träume und Pläne aufgegeben. Im Moment wollte ich eigentlich gar nichts mehr machen.

Ich machte mich auch gar nicht mehr richtig zu Recht wenn ich aus dem Haus ging, so wie früher. Oft stand ich mit meinem Bruder im Bad, wenn ich abends noch weg wollte und schminkte mich. Mein Bruder malte sich dabei selber mit dem Lippenstift unserer Mutter an.

Doch heute ließ ich es. Mir war es halt egal. Also lief ich ungeschminkt und ohne viel Aufwand bei meinen Klamotten herum. Doch ab und zu vermisste ich schon den ganzen Schmuck und die schrillen Outfits die ich immer trug. Doch den Gedanken verwarf ich immer wieder.

 

Irgendwann wurde es dunkel und langsam machte ich mich auf den nach Hause Weg. Es war ein ganzes Stück, das ich zu Fuß gehen durfte.

Ich hängte mir meine Tasche um und lief los. Dieses Dorf war total öde. Ich sah hier kaum Menschen herum laufen – vielleicht ab und zu mal einen Hund, aber das war es auch schon wieder.

Ich musste etwas abseits des Dorfes auf einem Feldweg lang gehen, denn unser Haus lag ein Stück außerhalb des Dorfes mit noch drei weiteren Häusern. Doch was mich etwas stutzig machte war, dass ich bin jetzt nur einen Nachbarn gesehen hatte – die anderen beiden waren anscheinend im Urlaub.

Von weiterem sah ich unsere Häuser schon und trottete langsam den kleinen Weg entlang. Plötzlich kam mir ein Goldenretriver (dieser Hund – keine Ahnung wie man den schreibt ^___^) entgegen gelaufen.

Zuerst blieb ich etwas erschrocken stehen, da er genau auf mich zu gelaufen kam. doch als ich etwas weiter hinten eine Frau mit Hundeleine sah, entspannte ich mich wieder. Der Hund kam Schwanz wedelnd zu mir und beschnupperte mich erst einmal.

Ich lächelte leicht, hockte mich hin und strich dem Tier übers Gesicht. –Wau- Die Frau kam zu uns. Sie hatte rötliche Haare und lächelte mich freundlich an. „Na. Er scheint dich zu mögen.“, sagte sie und blieb vor mir stehen. Ich lächelte.

„Bist du neu hier?!“, fragte die Frau, als sie merkte, dass der Hund keine Anstalten machte weiter zu laufen. Ich stand auf und sah sie hilflos an am liebsten hätte ich ja geantwortet: Ja, wir sind da hinten neu eingezogen. Doch ich konnte nicht.

Schnell kramte ich in meiner Tasche nach meinem Handy, ging auf ´Neue Nachricht` und schrieb schnell: Tut mir leid. Ich kann nicht reden. Du rechte der Frau das Handy. Zuerst sah sie mich stutzig an, doch als ich ihr deutete sie solle lesen, verstand sie.

„Ach so. dann seid ihr unsere neuen Nachbarn. Hi! Ich bin Simone“, lächelte sie und gab mir mein Handy zurück. Ich nickte und strich dem Hund noch einmal über den Kopf, da er anfing zu bellen.

„Deine Mutter hat mir schon erzählt, dass du nicht reden kannst.“ Ich konnte Mitleid in ihren Augen erkennen und sah lieber zu dem Hund.

„Ich hab auch gehört, dass du hier zur Schule gehst. Dann siehst du ja Anfang der Schulzeit meine Jungs.“, erzählte sie weiter. Ich blickte sie an.

Ich wusste nicht recht was ich machen sollte und lächelte verlegen – was die Frau zum Glück verstand. „Ok, dann lauf mal nach Hause, ich glaube deine Eltern warten schon.“, sie strich mir über den Arm, nahm ihren Hund, lächelte mir ein letztes Mal noch zu und ging dann ihrem Spaziergang nach.

Kurz blickte ich dem Hund noch hinter her, der schon in den nächsten Büschen verschwunden war um einen Stock zusuchen. Dann lief ich auch schnell zu unserem Haus.

Merkwürdigerweise stand eine Bushaltestelle direkt bei uns. Eigentlich könnte ich ja auch mit dem Bus fahren?! Viel es mir ein und beschloss meine Mutter danach zu fragen.

Ich schloss unser Eingangstor hinter mir, lief um unser Auto den Kiesweg zur Haustür. Unser neues Haus war im Gegensatz zu unserem Alten ziemlich klein – aber jetzt waren wir auch Einer weniger. Wozu dann noch so ein großes Haus?!

Ich kramte wieder in meiner Tasche herum, zog den Schlüssel heraus und schloss die Tür damit auf. „Cathrin! Komm her. Es gibt schon essen!“, wurde ich sofort aus der Küche begrüßt.

Nach einem kurzen Blick auf die Uhr im Flur bemerkte ich erst jetzt, dass es schon 21:36 war. schnell legte ich meine Sachen ab und rutschte über das Parkett in die Küche, wo meine Eltern schon am Esstisch saßen und Pizza aßen.

Vorher gab es nicht oft solche Gerichte wie Pizza oder einfach nur Nudeln. Früher hatten wir uns immer gesund ernährt – wegen unserer Mutter. Doch jetzt häuften sich diese anderen Essen. Diese Essen wie zum Beispiel Pizza oder Nudeln und ich nahm an, dass mir meine Mutter damit eine Freude machen wollte.

Und so ließ ich mich schweigend auf meinen Platz fallen und nahm mir ein Stück.

„Warst du wieder bi der Schule?!“, fragte mein Vater, der nebenbei in der Zeitung blätterte. Ich nickte und biss in ein Stück wo extra viel Käse drauf war.

Neben meinem Teller lag ein Block mit Stift, damit ich irgendetwas erzählen konnte. Anders wusste ich nicht wie ich mich sonst ausdrücken solle und so lagen überall im Haus vereinzelt Blocke.

Ich nahm den Stift, legte die Pizza ab und schrieb: Ich habe unsere Nachbarin grade getroffen. Simone. Und reichte den Zettel meiner Mutter, die ihn schnell las, „Ach. Wusste sie wer du bist? Ich hab ihr von dir erzählt. Sie hat auch zwei Jungen – ich glaube sogar in deinem Alter. Vielleicht freundest du dich mit ihnen an?!“, lächelte sie.

Ich zuckte mit den Schultern und griff wieder nach der Pizza.

 

Als wir fertig waren mit Essen. Winkte ich kurz, damit meine Eltern verstanden und lief nach oben in mein Zimmer. Da das Haus ja ziemlich klein war, war in der zweiten Etage nur noch der Dachboden und dort hatte ich mein kleines Reich.

Ich schloss die Tür hinter mir und sah mich um. Die Wände waren durch das Dach schräg und nur in der Mitte des Raumes konnte man aufrecht stehen. Ganz hinten hatte ich auf einem hohen Podest mein Bett, darunter ein paar Regale – neben der Tür war mein Schreibtisch und mitten im Raum ein Sessel.

Ich hatte es mir hier oben mit vielen bunten Farben und Bildern gemütlich gemacht. an jeder Wand hingen Zeichnungen und Fotos. Die Wände waren bis zur Mitte der Wand grün und der Rest lila, dazwischen war ein kleiner Streifen mit Glitzersteinen. An dem Fenster hatte ich weiße Gardinen mit großen bunten Kreisen darauf und auf dem Boden lag ein bunt gestreifter Teppich.

Ich seufzte leicht und kletterte rauf in mein Bett. Normalerweise hätte ich früher immer noch mit meinem Bruder irgendwas gespielt oder mich gestritten, wenn er mich nicht in Ruhe ließ und noch nicht ins Bett wollte – manchmal ließ ich ihn dann auch bei mir mit schlafen. Aber nur ganz selten, da unsere Mutter das nicht wollte

Doch nun war ich abends immer alleine.

Gegenüber meinem Bett war ein kleines Fenster, wo ich zufälligerweise in ein Zimmer unseres Nachbarn sehen konnte. Heute sah ich dort das erste Mal Licht brennen. Wahrscheinlich war das dass Haus von Simone und ihren Jungs – da sie heute aus irgendeinem Urlaub oder so zurückgekommen waren.

Ich setzte mich wieder auf und sah etwas genauer hinüber. Das Zimmer war orange und ich blickte auf einen Schrank, der offen stand. Unmengen von Klamotten konnte ich sehen und auf einmal lief ein Junge am Fenster entlang. Ich konnte ihn nur kurz erkennen und dann wurde das Licht ausgeschaltet.

Ich legte mich zurück in mein Bett, schaltete die Musikanlage an und schloss die Augen.

 

***

Mein erster Schultag rückte schneller heran, als ich gedacht hätte. Meine Mutter war schon längst mit mir beim Direktor gewesen um mich anzumelden und von meiner stummen Phase zu erzählen. Zum Glück ging alles gut und ich wurde trotz des Schweigens angenommen.

 

Mein Wecker klingelte das erste Mal in meinem neuen zu Hause. Ich rappelte mich müde auf, schaltete das Licht an und blinzelte erst einmal, bis sich meine Augen an den grellen Schein gewöhnt hatten.

Mein Blick fiel aus dem Fenster und ich stockte. Der Junge von neben an starrte herüber. Leider konnte ich ihn kaum erkennen, da er nur ein kleines Licht bei sich an hatte.

Eine Zeit lang sahen wir uns nur an, bis der Junge schließlich grinsend rüber winkte und dann ganz verschwand. Ich musste lächeln und wandte mich dann meinem Schrank zu.

All meine tollen Outfits hingen dort drin, doch keines wollte ich davon anziehen. Lieber zog ich eine schlichte Jeans und einen schwarzen Pulli aus dem Gewühle und schlüpfte schnell in die Klamotten. Meine langen Haare band ich mir irgendwie zu einem Zopf zusammen, lief ins Bad, machte mich fertig und dann runter in die Küche, wo mich schon meine Mutter erwartete.

„Guten Morgen!“, begrüßte sie mich und setzte sich mit einer Tasse Kaffe an den Esstisch. Ich nahm mir auch einen Kaffe, goss jedoch die Hälfte mit Milch und zwei Löffeln Zucker voll, damit er mehr oder weniger genießbar war und setzte mich zu ihr.

„Aufgeregt?“ Ich lächelte leicht und nahm einen großen Schluck aus meiner Tasse.

Normalerweise würde ich alles zu Tode labern, wenn ich aufgeregt bin, doch das ging nun mal schlecht.

„Ich fahr dich gleich noch schnell zur Schule, bevor ich zur Arbeit gehe. Ok?!“ Ich nickte und trank den Kaffe ganz aus.

Zusammen machten wir uns für den Aufbruch bereit und ich schnappte mir meine Schultasche. Meine Mutter öffnete die Tür und trat in die Morgensonne.

Ich zögerte und blieb in der Tür stehen. In meinem Inneren hörte ich, wie mein Bruder singend aus dem Haus flitze, wie er es jeden Morgen vor der Schule gemacht hatte und den Nachbarshund wild begrüßte.

„Alles in Ordnung?!“, meine Mutter sah mich besorgt an, „Du bist ganz blass.“ Ich lächelte gequält, trat hinaus und zog die Haustür hinter mir zu.

„Ah. Guten Morgen!“, rief es auf einmal aus dem Nebengarten und wir erblickten Simone wie sie auch grade das Haus verlassen wollte. Meine Mutter grüßte freundlich zurück und ich lächelte stumm. Mir schien es, als hätte diese Frau immer gute Laune.

Auf einmal schoss ihr Hund aus der Tür und sprang wild im Vorgarten herum. Als er mich erblickte, blieb er stehen, schaute und kam dann bellend an den Zaun gelaufen.

Schnell lief ich zu ihm und streichelte dem Tier über seinen Kopf.

„Wollt ihr auch grade los?!“, rief Simone mir zu und sah meine Mutter schon ins Auto steigen. Ich nickte. „Wenn du willst kann ich dich auch mitnehmen.“ „Wirklich?!“, rief meiner Mutter und sah auf die Uhr, „Das wäre nett. Denn ich bin sowieso schon zu spät!“, ich bekam einen Luftkuss meiner Mutter zugeworfen und sah sie dann weg fahren.

„Komm rüber. Tom und Bill brauchen noch ein bisschen so wie es aussieht.“, rief Simone mir zu und holte ihren Hund zurück ins Haus.

ich lächelte und kletterte kurzerhand über den Zaun, da es schneller ging und lief zu ihr rüber. Bill und Tom heißen die Jungs also… ich blieb vor der Tür stehen und sah ins Haus. Simone stand vor dem Spiegel im Flur und malte sich noch einmal ihre Lippen nach. „BILL! TOM! NA LOS!“, rief sie dann nach oben und gleich darauf hörte man ein lautes Rumpeln – die beiden kamen die Treppe herunter gesprungen, schnappten sich ihre Taschen auf den Weg und wären beinahe in mich hineingelaufen, wenn ich nicht zur Seite gegangen wäre.

Stutzig blickten sie mich an. Ich lächelte und winkte fast unmerklich. „Das ist Cathrin.“, sagte Simone, verabschiedete sich von dem Hund und schloss das Haus ab.

„Ah. Unsere Nachbarin. Hi!“, begrüßten mich Tom stürmisch. Bill blickte mich an, „Dann warst du das Mädchen da heute morgen am Fenster.“, grinste er auf einmal breit.

Ich sah sie sprachlos an. Solche Jungs hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Sie sahen sich auch irgendwie ähnlich – sehr ähnlich.

Die beiden liefen vor zum Auto und ich sah bei dem Schwarzhaarigen ein Tattoo im Nacken aufblitzen. Doch leider hatte ich keine Zeit irgendwie danach zu fragen, denn ich wurde gleich darauf schon hinter den beiden ins Auto mitgezogen und wir fuhren zur Schule.

 

Anscheinend wussten die beiden, dass ich nicht sprach, denn sie stellten mir keine Fragen, wo man lang und breit was erklären musste – worüber ich ziemlich froh war, denn ich musste nur nicken oder den Kopf schütteln.

„Vielleicht sind wir sogar in einer Klasse… du bist doch in der 9. oder?!“, Bill laberte einem schon fast ne Kannte ans Bein, doch mir gefiel es irgendwie und so nickte ich.

Der Wagen hielt und Simone sah uns in dem Rückspiegel an, da keiner von uns dreien Anstalten machte auszusteigen – lieber plauderten wir munter weiter. „Wir sind dahhhaa.“, trällerte die Mutter von Bill und Tom auf einmal und da erst bemerkten wir, dass wir vor der Schule standen. Schnell schnallte ich mich ab und stieg aus, die beiden Jungs mir hinter her.

„Warst du schon mal hier?!“, fragte Tom und schmiss die Wagentür gekonnt zu.

„Hmhm“, brachte ich heraus und zog einen Zettel aus meiner Hosentasche um ihn den beiden zu zeigen. Darauf stand, dass ich mich vor dem ersten Unterricht noch einmal beim Direktor melden sollte um dann in meine Klasse zu kommen.

„TOOOHOOOM!“, rief es auf einmal und die Jungs blickten auf. Ein schwarz haariges Mädchen kam angelaufen und umarmte Tom stürmisch, „Na.“, er gab ihr einen Kuss. Anscheinend seine Freundin.

Doch als mich das Mädchen erblickte, wandte sie sich schnell wieder ab, zog ihren Freund weg und ich stand alleine mit Bill da. „Mach dir nichts draus. Sie ist Neuen immer so gegenüber.“, sagte dieser schnell, gab mir meinen Zettel wieder und wir schlenderten auf das Gebäude zu. „Soll ich mitkommen?!“ Ich sah Bill fragend an, doch dann verstand ich, nickte und er begleitete mich zum Direktor.

 

***

 

Beim Direktor musste ich angeben in was für WPK´s, Wahlpflichtkurse, ich gehen wollte und ob ich eine AG machte oder nicht.

Bill durfte nur unter großem Protest noch bei mir bleiben, da die erste Stunde schon längst anfing. Doch auch durch seine Überredenskünste, konnten wir nicht in eine Klasse zusammen kommen. So wurde ich dann später noch von ihm zu meinen Schulkameraden begleitet, die schon bei der Sporthalle auf mich warteten und Bills Klasse jetzt auch Sportunterricht hatte.

Zuerst wunderte es mich einwenig, dass Bill und Tom nicht zusammen in einer Klasse waren.

Zusammen liefen wir über den Schulhof in die Sporthalle. „Du muss dahinten hin. Da sind die Mädchenumkleiden.“, Bill deutete nach links. Ich nickte und sah ihn nach rechts verschwinden.

Ich wandte mich um und lief den kleinen Flur entlang. Auf den Türen las ich Mädchenumkleidekabinen und öffnete eine der Türen, wo ich auch gleich schon über Anziehsachen fiel, die auf dem Boden verstreut waren. Auch die ganzen Schulsachen waren aus den Rucksäcken der Mädchen genommen und im Raum herum geschmissen – irgendjemand schien hier ein Chaos veranstaltet zu haben.

Vorsichtig wollte ich zurück und die Tür wieder hinter mir schließen, als auf einmal die gegenüberliegende Tür aufsprang und zwei Mädchen herein kamen. Sie sahen erst das Chaos und dann mich an.

„WAS HAST DU GEMACHT?!“, schrie mich das eine Mädchen wütend an. Ich hob abwehrend die Hände um den beiden deutlich zu machen, dass ich mit der ganzen Sache nichts zu tun habe – doch leider wurde mir die Geste nicht abgenommen.

„Wer bist du überhaupt?!“, schnauzte mich jetzt die andere an.

ich sah die beiden verzweifelt an – doch bevor sie irgendetwas unternehmen konnten, kam ein Lehrer herbei gelaufen. Er hatte anscheinend das Geschrei der Mädchen gehört und sah uns  erschrocken an, da er wahrscheinlich dachte, dass irgendetwas passiert sei.

„Wer war das?!“, schrie er wütend, als es auch die Unordnung erblickte. Sofort zeigten die beiden Mädchen auf mich.

Jetzt riss mir aber auch der Geduldsfaden, ich schmiss meine Tasche hin, kniete mich nieder und wühlte darin nach einem Block. Doch bevor ich ihn fand, erschein Bill hinter mir.

Irgendwie verstand er sofort was hier lief und fing an zu erklären. „Das ist Cathrin. Die Neue in Ihrer Klasse.“, erklärte er schnell dem Lehrer, der grade eben die Mädchen und anderen Schaulustigen wieder zurück in die Sporthalle schickte.

„Ach so.“, meinte er nur abfällig und blickte mich von oben herab an. „Mach das hier in Ordnung und komm nach!“, sagte er und schmiss die Tür hinter sich mit einem lauten Knall zu.

fassungslos blickte ich ihm nach. auch Bill verstand diese Reaktion nicht und wandte sich zu mir. Tränen standen mir schon in den Augen, weil mein erster Tag ja mal wieder perfekt verlief. Doch schnell unterdrückte ich die Tränen und rappelte mich wieder auf.

„Ich helfe dir.“, sagte Bill und blickte sich um, doch als er die ganzen Mädchenklamotten sah, zögerte er sie, da auch einige BH´s da lagen. Ich musste grinsen und fing an die Klamotten vom Boden aufzuheben. Bill machte sich lieber daran die Schulsachen einzusammeln und alle auf einem Haufen zu stapeln.

Irgendwie war mir die Stille unangenehm und ich fing an ein Lied vor mich hinzusummen. „Committed – Perfekt… hab ich recht?!“, sagte Bill auf einmal und ich nickte etwas erstaunt. Ich hätte nicht gedacht, dass er die Band kennt.

 

Nach fast einer Stunde waren wir s gut wie fertig und hatten alles irgendwie aufgeräumt, damit die Mädchen ihre Sachen dann nur noch zusammen suchen mussten. Anscheinend hatte meine Klasse eine Doppelstunde Sport und so setzte ich mich nach einem flüchtigen Blick auf die Uhr auf eine der Bänke, da es sowieso nur noch 10min Unterricht waren.

Bill setzte sich auf die Bank hinter mir und schnaufte etwas erschöpft. Ich lehnte mich zurück und sah ihn an, nahm dann seine Hand und schrieb mit meinem Finger ein paar Buchstaben darauf: Danke Bill verstand und lächelte.

 
 
 
 
 

***

Und wie sich dann in der nächsten Stunde herausstellte, waren die beiden Mädchen in meiner Klasse. Was für ein Glück ich doch heute wieder habe… dachte ich mir, als ich mich auf meinem neuen Platz in unserem Klassenraum setzte. Zum Glück saß ich direkt neben dem Fenster und gegenüber von uns war noch ein weiterer Klassenraum. Anscheinend auch eine 9. oder 10.

„Holt bitte eure Deutschsachen heraus.“, hörte ich auf einmal jemand erwachsenen rufen und blickte auf. Eine Lehrerin kam herein und stellte ihr Tasche auf das Pult ab, zog ein Buch heraus und schlug eine Seite darin auf. Ich sah mich um, die anderen schlugen auch ihre Bücher auf.

Schnell kritzelte ich etwas auf meinen Block, meldete mich und wartete dass mich die Lehrerin bemerkte. Doch diese fing sofort mit dem Text an und blickte nicht einmal in die Klasse.

Ein Junge bemerkte, dass ich mich meldete und Räusperte sich nicht unmerklich. Jetzt endlich sah mich die Lehrerin und stoppte in ihrem Text. Ich warf dem Jungen einen Dankenden Blick zu und hielt meinen Zettel hoch.

„Ach, du musst das Mädchen sein, was nicht redet.“, stellte die Frau fest und las sich den Zettel durch den ich hoch hielt. „Du hast noch keine Bücher?!“, las sie und sah mich an, „Geht mal jemand mit ihr nach unten zur Sekretärin?!“ Der Junge von vorhin meldete sich sofort. „Ok, Andre. Geh mit ihr runter.“

Ich stand auf und zusammen verließen wir den Klassenraum. „Du wohnst neben Bill und Tom. stimmts?!“, lächelte er und ich nickte. „Cool, dann sehen wir uns wahrscheinlich öfters.“ Ich wusste nicht recht, was er damit nun meinte, fragte aber auch nicht danach.

„Komm.“, er deutete zu gehen und zusammen liefen wir schnell nach unten und zur Sekretärin.

„Frau Kahn. Cathrin…“, Andre sah mich an und überlegte, „so heißt du doch, oder?!“ Ich grinste und bestätigte ihm. „Sie hat noch keine Bücher.“ „Welche Klasse?“, kam es von der Frau, die vor dem PC saß und irgendetwas eintippte. „9.“ „Gut. Kommt mit.“

Wir folgten der Frau durch die Eingangshalle und in einen Abstellraum, der über und über mit Büchern, Heften und Ordnern voll gestellt war.

„Tom?“, rief sie plötzlich und lief die Gänge entlang. Schnell folgte ich ihr, denn Andre blieb bei der Tür stehen. „TOM!“ „Hier hinten.“, hörten wir eine etwas verschlafene Stimme, „Räumst du noch weiter auf?!“, Frau Kahn bog in einen der Gänge ein und blieb stehen und auf einmal erblickte ich Bills Bruder vor mir.

„Such …“, die Frau sah mich an und überlegte kurz wie ich denn hieß, „… such ihr einfach die passenden Bücher raus. 9. Klasse.“ Und dann verschwand sie. Ich sah Tom fragend an. „Ach ich muss hier aufräumen, weil ich im Unterricht genervt habe.“, winkte er ab, als er meinen Blick sah und grinste mich breit an, „Dann wollen wir mal gucken…“, er wandte sich zu den hohen Regalen um und suchte nach den passenden Büchern für mich.

Währenddessen sah ich mich im Raum um. „Ähm Cathrin…“ Ich wandte mich um, „Da oben liegen deine Bücher…“, Tom hielt seine Hände zur Räuberleiter auf und wollte darauf deuten, dass er mich hoch heben wollte, damit ich sie holen konnte.

Ich ging zu ihm, holte einmal kurz Schwung und stieg auf seine Hände. Tom gab etwas unter meinem Fliegengewicht nach, konnte sich jedoch schnell wieder fangen. Schnell griff ich mir die Bücher und sprang gekonnt zurück auf den Boden. „Du wiegst aber auch nicht viel.“, lächelte er und ich zuckte grinsend mit den Schultern.

 

***

 

zu meiner Verwunderung sprach sich sehr schnell herum, dass jetzt ein neues Mädchen auf der Schule war, die nicht spricht – und das war nicht zu meinem Vorteil, so wie ich ziemlich schnell herausfand.

Sogar die Lehrer beachteten mich im Unterricht nicht einmal. Nach dem Motto: die kann sowieso nichts im Mündlichen zum Unterricht beitragen!

 

Mit hängendem Kopf, war ich auf den nach Hause weg. Aber was hatte ich mir auch anderes erwartet, das alle mich unterstützen, mir helfen?!

Auf einmal hielt ein Wagen neben mir und ich sah mich verwundert um, „Hey, sollen wir dich mitnehmen?!“, Tom streckte den Kopf aus dem Autofenster. Ich schüttelte den Kopf Nein danke. Ich will lieber etwas allein sein „Warum nicht? Bis nach Hause ist es noch ziemlich weit…“ Ich schüttelte wieder den Kopf Schon gut.

„Wirklich nicht?!“, jetzt sah auch Bill aus dem Fenster und ich musste leicht lächeln – schüttelte jedoch wieder den Kopf. „Warte, dann komm ich mit.“, Bill wollte aussteigen. „HMHM!“, meinte ich nur und winkte ab, doch Bill hörte nicht auf mich, verabschiedete sich von seiner Mutter und kam ums Auto zu mir gelaufen.

Tom winkte mir noch einmal kurz und der Wagen fuhr weg. Ich sah Bill groß an, warum will er mitgehen?! „Ist irgendetwas? Du siehst traurig aus.“

Ich blickte auf den Boden und ging langsam weiter. Doch auf einmal hielt mich Bill fest und streckte mir seine Hand hin. Zuerst war ich etwas irritiert, doch dann wusste ich was er wollte, nahm seine Hand und strich mit meinem Finger die Buchstaben darüber Ist egal!

Ich wollte Bill nicht wirklich sagen, was mich bedrückte. Er war mir eigentlich ein fremder Junge und dem erzählt man doch nicht gleich seine Probleme.

Als Bill las was ich schrieb, ging er langsam weiter, steckte seine Hände in die Hosentasche und kickte einen Stein vor sich her. Schnell holte ich ihn ein und passte mich dann seinem Tempo an. irgendwie war es beruhigend jemanden in der Nähe zu haben, auch wenn wir nicht sprachen – einfach nur jemanden, der da ist.

 

„Hey, wenn du mal Lust hast, kannst du uns ja mal besuchen. Weißt ja wo wir wohnen.“, Bill zwinkerte mir zu, bevor wir uns an den Gartentoren verabschiedeten. Schnell nickte ich kurz und öffnete das kleine Tor.

Auf einmal schoss mir ein Gedanke durch den Kopf. Tommy, mein kleiner Bruder. Er war immer total eifersüchtig, wenn ich mit anderen Jungs etwas unternahm. Mein Blick fiel auf Bill, der mich die ganze Zeit beobachtete wäre er bei Bill und Tom auch eifersüchtig gewesen? Lautes Bellen ließ mich von Bill wegschauen und sein Hund kam freudig aus dem Haus gerannt bestimmt hätte er sie gemocht – allein schon wegen dem Hund. Ich lächelte und schloss das Gartentor hinter mir.

Simone stand in der Tür der Zwillinge und begrüßte lächelte ihrem Sohn. meine Eltern waren bestimmt noch nicht zu Hause – sie arbeitet immer länger. Manchmal sah ich meinen Vater auch Wochen nicht. Doch ich fand das ab und zu auch mal ganz entspannend.

Ich lief ins Haus schmiss meine Jacke in die Ecke und ging in die Küche um mir etwas zu essen zu machen. Als ich einen flüchtigen Blick aus dem Fenster warf, bemerkte ich, dass gegenüber auch die Küche der Zwillinge war. ich sah die beiden mit ihrer Mutter am Tisch sitzen und essen.

Irgendwie sah das Bild komisch aus. die beiden taten immer so cool und unabhängig, wollten immer ihren Willen durchsetzten, und dann sitzen sie da mit ihrer Mutter ganz brav am Tisch.

Ich schüttelte lächelnd den Kopf, schaltete das Radio an und sah in den Kühlschrank.

 

Ich wachte mit Rückenschmerzen auf und blickte mich im dunklen Raum um. Wo bin ich?! Ich musste ein paar Mal blinzeln, biss ich registrierte, dass ich anscheinend auf dem Sofa eingeschlafen war. da ich nur auf dem Sessel lag, tat mir nun der rücken höllisch weh. Langsam rappelte ich mich auf und streckte mich – meine ganzen Wirbel knackten einmal hinunter und dann ging es wieder.

Ich wunderte mich nur, dass meine Eltern mich nicht geweckt hatten, oder waren sie noch gar nicht zu Hause?

Ich stolperte über das Geschirr auf dem Boden – mein Abendbrot – und huschte dann über den kalten Flur hinauf in mein Zimmer.

Das Licht schaltete ich erst gar nicht ein. stattdessen zog ich mir meiner Kleider aus und meinen Schlafanzug schnell an.

Vorsichtig tastete ich nach meinem Hochbett und kletterte die Stufen hinauf in mein weiches Bett. Plötzlich bemerkte ich, dass drüben im Haus noch Licht in Bills Zimmer brannte. Zwar nur ein kleines, aber wahrscheinlich war er noch wach.

Was er jetzt wohl noch macht? Leider konnte ich ihn nicht entdecken und so drehte ich mich um, zog meine decke bis unters Kinn und mummelte mich darin ein – der Winter kam.

 

Ich wurde durch das grelle Sonnenlicht, dass mir ins Gesicht schien wach. Verschlafen schaute ich auf meinen Wecker 05:04Uhr Ich schreckte auf – mein Wecker tickte nicht mehr. Er war stehen geblieben und ich hatte gleich schon am zweiten Tag verschlafen.

Scheiße, Scheiße, Scheiße noch mal! Schnell sprang ich vom Bett, kramte in meinem Schrank herum und machte mich fertig.

 

Tut mir leid – ich habe verschlafen… schrieb ich schnell auf einen Zettel, bevor ich die Klasse betrat. Ich klopfte und drückte die Klinke herunter, doch die Tür ließ sich nicht öffnen. Stutzig sah ich mich um, was haben wir denn jetzt für ein Fach?!

Mist, ich wusste es nicht und sah auf die Uhr die im Flur hing. Die große Pause würde erst in 20 Minuten anfangen. Also ging ich zurück in die Pausenhalle, setzte mich an einen der Tische, zog meinen Block und eine Stift heraus und fing an irgendetwas darauf herumzukritzeln.

Etwas später hörte ich die Glocke klingeln und die ersten Schüler kamen mir entgegen. die meisten beachteten mich gar nicht, andere jedoch sahen mich abschätzend an.

„Schnell komm mit!“, jemand tauchte plötzlich hinter mir auf, zog mich von meinem Platz und aus der Schule heraus. Zuerst wusste ich gar nicht was hier los war, doch als ich Bill und Tom mit einem weiteren Mädchen erkennen konnte, ließ ich sie mich hinter her ziehen.

Leider konnte ich nicht fragen wohin, denn die drei liefen vom Schulgelände in den gegenüberliegenden Park.

Auf einmal stolperte ich über die Äste die auf dem Rasen lagen – denn es wäre ja zu einfach gewesen den Weg anstatt den Rasen zu nehmen ^__^ - und verlor das Gleichgewicht, doch zum Glück konnte ich mich noch an dem Mädchen abstützen und lief weiter.

Das Mädchen sah mich erst verwirrt an, doch als sie merkte dass ich beinahe gefallen wäre, lächelte sie mich an.

Von weitem sah ich weitere drei Jungs auf einer Bank hocken und Steine in einen See schmeißen. Bill und Tom steuerten direkt auf die Drei zu und verlangsamten ihr Tempo.

„HEY. Wir sind da!“, rief das Mädchen freudig und umarmte Andre, den ich als einzigen von den dreien noch kannte.

Langsam ging ich zu ihnen und blieb neben Tom stehen. Neben Andre saß ein etwas älterer Junge, vielleicht geschätzte 17 oder 18 und hatte braune etwas längliche Haare. Der Dritte war ein etwas Kleinerer vielleicht in unserem Alter und trug eine Käppi über seinen Blonden Haaren.

Wer sind denn die? Und was soll ich hier?!
 

***

Gustav und Georg… „Und das ist Cathrin.“, stellte mich Tom grinsend seinen Freunden zu. Ich lächelte und blickte das Mädchen an, Wer ist das?! Bill bemerkte meinen Blick, doch anstatt mir zu sagen wer dieses Mädchen sein, lenkte r schnell ein neues Thema ein, „Alex?!“ „Ja. Wollen wir endlich losgehen, sonst macht das Alex auch bald wieder zu.“, grinste Georg nach einem flüchtigen Blick auf seine Armbanduhr.

Doch bevor alle aufbrechen konnten, hielt ich Bill fest, zog seine Hand zu mir und schrieb: Was wollt ihr machen? Und wieso habt ihr mich mitgeschleift?! „Was macht ihr denn da?“, fragte Gustav stutzig, als er bemerkte, dass ich etwas auf Bills Hand schrieb. Doch Bill ignorierte die Frage und antwortete stattdessen mir, „Wir wollten feiern. Und die Schule wäre heute sowieso langweilig gewesen – noch zwei Stunden Reli, das wars dann auch schon.“ „Willst du nicht mit?“, fragte das Mädchen.

Ich sah alle nach einander an, wieso denn nicht? Und nickte etwas zögernd.

 

Von dem Laden von dem die anderen sprachen, hatte ich bis jetzt immer nur mal so nebenbei gehört: das Alex. Doch irgendwie konnte ich mir darunter nichts vorstellen. Ich trottete den anderen einfach mal hinter her und sah mir ein wenig die Gegend an.

Ab und zu bemerkte, ich wie das Mädchen mir flüchtige Blicke zuwarf und leicht lächelte. Gustav kam irgendwann zu mir und erzählte irgendetwas, „Du bist neu hier her gezogen oder?!“ Ich nickte um seine Frage zu bestätigen.

„Neben Bill und Tom, wenn ich das richtig verstanden habe.“ Wieder nicken. Gustav runzelte schon die Stirn über mein Verhalten. Doch bevor er noch irgendetwas sagen konnte, waren wir angekommen.

Wir standen vor einem Cafe wo in grünen Buchstaben ALEX oben auf einem Schild stand. Ich hätte es mir ganz anders vorgestellt, doch irgendwie gefiel es mir.

„Na los, komm!“, Bill winkte mir schon vom Eingang aus zu und schnell lief ich ihnen hinter her. Georg und Tom hatten sich schon weiter hinten eine kleine Ecke zum sitzen ausgesucht und hielten bereits die Karte in der Hand.

Ich ließ mich neben das Mädchen auf die Bank fallen und blickte mich um. „RedBull für alle!“, rief Georg und der Kellner nickte nur von weitem – anscheinend waren sie hier nicht unbekannt.

„Nun denn. Dann lasst uns mal euren Erfolg feiern.“, grinste das fremde Mädchen. Ich sah alle fragend an, denn mir wurde immer noch nicht erzählt worum es eigentlich ging. „Tom erzähl ihr die Geschichte.“, meinte Bill schnell und kramte nach seinem klingelnden Handy.

„Nun gut. Also. Georg, Gustav, Bill und ich sind in einer Band….“, Tom erzählte wie ein Wasserfall ihre ganze Geschichte, wie sich die vier kennen lernten und von den vielen Auftritten, „… und nun wurden wir endlich entdeckt. Wir bekommen wahrscheinlich einen Plattenvertrag.“, grinste er mich breit nach seiner Story an.

Ich staunte nicht schlecht. So etwas hörte man sonst nur in Soaps oder irgendwelchen Geschichten.

Mittlerweile waren unsere Getränke angekommen. „Also….. auf eure Erfolgreiche Zukunft und dass ihr später für mich mit verdient.“, lachte das Mädchen und hielt ihre Dose RedBull in die Höhe. Die Jungs taten es ihr gleich und wir stoßen auf ihr Erlebnis an.

Auf einmal wandte sich Georg an mich, „Du bist wohl nicht so die Gesprächige, was?!“, lächelte er. Ich stockte und blickte Bill an. „Ähm… sie spricht nicht.“, sagte dieser schnell. „Wie: sie spricht nicht?!“ Auch das Mädchen neben mir sah mich fragend an. „Nun ja. Sie spricht nun mal nicht. Sagt kein Wort.“

Mir war es etwas unangenehm, dass Bill den dreien das so erklärte – aber was sollte er denn auch anderes machen.

„Du sagst kein Wort? Kannst du nicht reden?!“, fragte Georg etwas taktlos meiner Meinung nach und das spürte er dann auch, als er meine Reaktion sah. Ich öffnete den Mund und brachte nur irgendwelche Laute hervor. Ich wollte unbedingt etwas sagen, doch es kam nichts aus mir heraus.

„Sie kann eigentlich sprechen, doch irgendwie tut sie es nicht mehr.“, meinte Tom und sah mich leicht mitleidig an. „Und wieso?!“ Jede einzelne Frage tat mir irgendwie weh – vor allem dass die alle so sprachen, als säße ich nicht dabei. Doch wie sollten es Bill und Tom den anderen sonst erklären, sie wussten den wirklichen Grund ja eigentlich auch noch nicht.

Ich blickte auf meine Dose und drehte sie verlegen in meinen Händen.

„Und wie verständigst du dich? Schreibst du alles auf Zettel?!“, fragte das Mädchen. „Ach deswegen hast du vorhin so komische Zeichen auf Bills Hand gemalt!“, fiel Gustav ihr ins Wort.

Ich seufzte und verdrehte die Augen. Ist ja auch verständlich, dass sie neugierig sind, aber ich wurde noch nie so offen darauf angesprochen wie jetzt.

„Ist doch jetzt egal!... Wollen wir gleich noch in den Proberaum?!“, lenkte Bill einfach so vom Thema ab und strich sich seine dicke Haarsträhne aus dem Gesicht.

 

***

Nun gut – da ich dann nach dem Gespräch im ALEX eigentlich keine Lust mehr hatte noch irgendetwas zu machen, verabschiedete ich mich lieber von den anderen und machte mich mit meinen Schulsachen auf den Weg zurück nach Hause.

Ich lief durch den Park, da ich dachte, dass es dort entlang schneller ging. Einige Bäume trugen schon keine Blätter mehr und unter meinen Füßen hörte ich das Laub rascheln. Ich band mir meinen Schal etwas fester um den Hals und sah mich im Park um während ich langsam den Weg entlang schlenderte.

Einige Leute waren mit ihren Hunden unterwegs und hier und da sah man Mütter mir Kinderwagen herum fahren.

Ich kam an einem Spielplatz vorbei und sah Kinder dort herumtoben. Plötzlich blieb ich stehen. Ich stutze leicht und musste etwas lächeln. Mein Blick haftete an einem kleinen Jungen – in dem Alter von Tommy. Er lief mit einer großen Schaufel in der Hand im Sandkasten herum und baute eine Burg – dich diese wurde immer wieder von einem großen Hund umgerannt.

„EY! Ich hab doch gesagt spiel da drüben!“, der Kleine zeigte dem Hunde seinen ´bösen` Finger und schubste das Tier weg. Anscheinend hatte er gar keine Angst vor dem großen Hund. Ich sah mich kurz um und ging dann über die Wiese um mich auf eine Bank zu setzten – doch als ich die Schaukeln bemerkte, setzte ich mich lieber auf eine von denen.

Zuerst bemerkte mich der Junge gar nicht und baute munter weiter. Doch als der Hund mal wieder sein Bauwerk überrannte, sah er auf und blickte mich fragend an. Ich lächelte ihm zu und fing an zu schaukeln.

Der Junge sah mich weiter hin an und ließ seine Schaufel sinken. „Du bist doch schon viel zu alt um hier zu spielen.“, stellte er auf einmal fest. Ich lachte kurz auf und schaukelte mit mehr Schwung um dann im Hohen Bogen abzuspringen.

Der Kleine sah meinen Sprung fasziniert an – Tommy hatte so etwas auch immer bewundert, sich aber nie getraut es nachzumachen. „Das kann ich auch!“, sagte der Junge herausfordernd. Ich zog eine Augenbraue hoch und deutete auf die Schaukel. Sofort zeigte mir der Kleine sein Kunststück und sprang ebenfalls von der Schaukel im Hohen Bogen ab. Ich Klatsche begeistert und der Junge grinste mich breit an.

Dann kniete ich mich nieder, nahm einen kleinen Stock, strich den Sand glatt und fing an etwas zu schreiben. Der Kleine sah mir geduldig zu und las dann laut vor was ich schrieb. „Wie… hei.. heißt du?“, er sah mich an, „Wie ich heiße?!“ Ich nickte. „Dino.“, sagte er. Ich stutze Dino?

„Und du?“ Ich strich meine Frage aus dem Sand wieder weg und schrieb dann in großen Buchstaben CATHRIN. „Cathrin? Cathi hört sich aber besser an und ist nicht so lang.“, plapperte der Kleine. Und anscheinend machte es ihm nichts aus, dass ich alles in den Sand schrieb, er fand es sogar irgendwie lustig und interessant – zum Glück fragte er nicht danach.

„DINO!“, eine Frau rief vom Parkweg aus und der Kleine wandte sich um, „WIR WOLLEN LOS“ „JA ICH KOMMEM GLEICH!“, rief Dino zurück. Ich stand auf und schüttelte den Sand von meiner Hose.

„Kommst du morgen auch wieder her? Dann kann ich dir ein Geheimversteck zeigen… DU darfst es aber dann niemanden verraten – sonst ist das fies!“ Ich lächelte und nickte dann. „Ok, dann bis morgen.“, Dino winkte mir zum Abschied, schnappte sich seine Schaufel und lief zu seiner Mutter die ihn den Arm nahm.

Dino… lustiger Junge

Ich sah mich nach meiner Tasche um, nahm sie aus dem Sand und lief auch weiter nach Hause.

 

***

Endlich Wochenende. Ich wachte irgendwann gegen frühen Mittag auf und kletterte noch etwas verschlafen aus meinem Bett.
Mein ganzer Rücken tat weh. Wahrscheinlich lag ich heute Nacht beim schlafen irgendwie falsch. Also streckte ich mich und gähnte müde.
Jetzt erst viel mir auf, dass alles ruhig war im Haus. Wo sind Mama und Papa?! Ich lief die Treppe hinunter und sah mich überall im Haus um. Auf einmal klingelte es. Ich lief nur im Schlafanzug zur Tür und öffnete sie ohne drüber nachzudenken, dass ich ja kaum was an hatte. „Oh das nenn ich mal ne Begrüßung.“, grinste mich Tom breit an. ich sah an mir herunter und erschrak etwas.
„Ich wollte nur schnell sagen, weil ich dich grade im Fenster gesehen hatte, dass uns deine Eltern gesagt hatten, dass sie übers Wochenende bei deinen Großeltern sind. Sie wollten dich glaube ich nicht wecken, deswegen haben sie es meiner Mutter gesagt.“, er zuckte mit den Schultern. „Hmhm.“, machte ich nur und erblickte die Brötchen in Toms Hand. Sofort fing mein Magen an zu knurren und das nicht unmerklich.
Tom lachte auf, „Noch nichts gegessen?!“, und bevor ich antworten konnte, nahm er den Haustürschlüssel, der auf einem Schränkchen im Flur lag, zog mich an der Hand hinaus und rüber zu den Zwillingen, „Iss mit uns. Unsere Eltern sind auch grade nicht da.“
Was? aber ich hab kaum was an… Tom klingelte und sofort wurde die Tür von Bill geöffnet, der mich ebenfalls breit angrinste, als er meinen Aufzug sah, „Na grade aufgestanden.“, lachte er. Ich musste auch anfangen zu lachen und so gingen wir alle in die Küche, wo schon laut das Radio lief, jedoch noch kein Tisch oder sonst was gedeckt war.
„EY! Wir haben abgemacht: ich hol Brötchen – du deckst den Tisch!“, rief Tom empört und schmiss die Tüte auf den Tisch. „Tut mir leid. Musste mich erst noch fertig machen. Sarah kommt gleich.“ Ich hörte der kleinen Auseinandersetzung kaum zu, denn ich sah mich nach irgendetwas zum schreiben um und fand dann einen Notizblock, schnappte ihn mir schnell und schrieb: Es ist etwas kalt. Kann ich vielleicht irgendetwas zum anziehen bekommen?
Die beiden lasen was ich schrieb und sofort nahm Bill mich an die Hand, „HEY! Tisch decken!“, Tom hielt seinen Bruder zurück mit mir nach oben zu verschwinden und nahm mich stattdessen an die Hand.
Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen, doch dann wurde ich schon die Treppen hochgezogen und Bill fing an endlich den Tisch unter viel Protest zu decken.

„So, mal gucken was wir haben.“, Tom öffnete seinen Schrank und suchte ein paar Klamotten zum überziehen zusammen. währenddessen sah ich mir staunend sein Zimmer an. die Wände waren blau und eine Gitarre stand in der Ecke. Bett, Schreibtisch, Schrank, Sofa und viele Poster von irgendwelchen leicht bekleideten Frauen. Irgendwie hatte ich mir sein Zimmer auch so vorgestellt: nicht wirklich ordentlich mit noch zwei drei Tellern von eventuell letzter Woche und vielen Skizzen und anderem Krams.
„Hier, das müsste eigentlich gehen.“ Ich sah mich um und bemerkte nur ein großes weißes XXL shirt von irgendeinem Basketballspieler. Wie passt er nur in solche Klamotten sein? Das ist doch alles viel zu weit. Doch ich sagte mal lieber nichts, sondern zog mir schnell das Ding an und dann ging es auch schon wieder runter in die fertige Küche.
Es roch nach Kaffe, trinken die beiden das Zeug etwa schon? Ich mochte Kaffe auf den Tod nicht. „Willst du…“ Schnell schüttelte ich den Kopf, als mir Bill das Ekelzeug anbot und stattdessen bekam ich Apfelsaft.
„Nun denn. Ich fang an – sterbe schon fast vor Hunger.“, verkündete Tom und ließ sich auf einen der Stühle fallen. Ich tat es ihm gleich und bekam sofort ein aufgeschnittenes Brötchen in die Hand gedrückt.
Während dem Essen beobachtete ich die beiden Zwillinge immer wieder zwischen durch. Sie taten ab und zu exakt dasselbe und ohne es zu merken: dieselben Handbewegungen, dieselben Blicke, dieselben Essensangewohnheiten.
„Hast du keinen Hunger?!“, fragte Bill auf einmal und erschrocken blickte ich von ihm auf mein Brötchen. „Du hast noch gar nichts gegessen.“ Ich zog mir den Block her und schrieb Doch, doch. Aber ist es nicht ein bisschen komisch für euch wenn ich die ganze Zeit hier schweigend sitze?
„Was? nein. Gar nicht.“, lachte Tom, als er las was ich auf den Zettel kritzelte, „Unsere eine Cousine ist taubstumm, da sind wir so etwas schon gewohnt“ Ich staunte Und wie verständigt sie sich? Als ich diesen Satz schrieb, fiel mir auf, dass ich genau so neugierig war wie gestern Georg, Gustav und das Mädchen.
„Sie kann so´ne komische Zeichensprache… Moment, vielleicht kann ich auch noch was…“, Bill legte sein Brötchen weg und überlegte. Da klingelte es auch schon und Tom machte schnell auf. Aus dem Flur hörte ich eine freudige Mädchenstimme. „Bill! Sarah ist da.“, rief sein Bruder und schon streckte das Mädchen von gestern den Kopf in die Küche.
Als sie mich erblickte, lächelte sie und stutzte dann wegen dem Shirt von Tom und dass ich darunter so gut wie nichts trug. Sarah stieß Tom ihren Ellenbogen grinsend in die Rippen und machte eine leichte Deutung auf mich. Doch Tom war schon wieder mit seinem Frühstück beschäftigt und das Mädchen setzte sich zu uns.
„Ist du auch noch was?“, fragte Bill, doch Sarah sah nicht danach aus, denn se wippte ungeduldig mit den Füßen hin und her, „Beeil dich. Wir müssen reden!“
wir sahen uns alle gleichzeitig groß an.
schnell stopfte Bill den letzten Rest seines Essens in den Mund und dann verschwanden die beiden nach oben. „Und was haben wir beiden Hübschen heute noch vor?!“, grinste Tom und fing an sein drittes Brötchen für heute zu schmieren. Ich staunte nicht schlecht, denn er sah gar nicht danach aus, dass er so viel essen konnte.
Ich zuckte mit den Schultern um seine Frage zu beantworten. „Einkaufen? Oder… ich kann dir ja mal Magdeburg zeigen wenn du willst.“ „Hmhm“, ich nickte schnell und fing endlich auch an mir ein Brötchen zu schmieren.

Nach dem kurzen Essen, half ich Tom noch schnell alles aufzuräumen. Wo hast du meinen Schlüssel hingelegt?! fragte ich Tom, der mich fragend ansah. „Wie? Hast du den nicht?“ Ich schüttelte den Kopf und da fiel ihm ein, dass er den Schlüssel mir aus dem Haus genommen hatte.
„Warte…“, in Gedanken ging Tom noch mal den ganzen Vormittag durch und lief dann nach oben – kam jedoch einige Minuten später ohne Schlüssel wieder. In der Küche oder im Flur war er auch nicht zu finden.
„Wo hab ich den hingelegt?!“ Wie soll ich denn jetzt zu mir kommen? Meine Eltern sind ja auch das Wochenende weg „Ich weiß nicht. Wenn du willst, kannst du hier so lange übernachten. Vielleicht finden wir den Schlüssel dann irgendwann…. Hoffe ich doch.“, sagte Tom schon wieder überlegend vor sich hin.

***

Nun ja. Und da wir auch irgendwie keine Lust hatten jetzt eine große Suchaktion zu starten, bekam ich einfach noch eine Hose und ne Jacke von Bill und so machten sich Tom und ich auf den Weg nach Magdeburg. Wir fuhren mit dem Zug aus Zielitz, ein Nachbarort, da das schneller ging. Die zwei Kilometer Landweg liefen wir jedoch zu Fuß zu diesem Ort.

Wir kam an einem alten Bahnhof vorbei. die Scheiben waren eingeschlagen und überall lag Müll und leere Bierflaschen – die Wände waren mit irgendwelchen Grafitti bemalt. „Guck mal, das ist meins.“, sagte Tom auf einmal stolz und zeigte auf einen bunten Schriftzug. Er sah gar nicht mal schlecht aus.

Doch wie konnten uns nicht lange aufhalten. Ich zeigte Tom meine Uhr, wie spät es schon sei und schnell legten wir ein Tempo zu, damit wir den Zug noch erreichen konnten. Von weitem sah ich schon den kleinen Ort. Er sah alt aus – sehr alt.

Und meine Vermutung bestätigte sich. im Dorf angekommen, fand ich mich zwischen alten Backsteinhäusern und kleinen Hofläden wieder. Sogar die Schranken wurden noch per Hand geöffnet. Das es so etwas nicht gibt…. Ich schüttelte lächelnd den Kopf.

„Was?“, Tom hatte das lächeln anscheinend bemerkt. Ich zog den Block aus meiner Jacknetasche, den ich mitgenommen hatte und schrieb ihm auf, was ich grade festegestellt hatte und er stimmte mir sofort zu, „Deswegen ist hier auch total tote Hose!“

An unserem Bahnsteig erkannte ich schon weitere Jugendliche. Sie waren etwas älter als wir, wahrscheinlich 2 Jahre älter, also 17. Tom ging ein paar Schritte näher bei mir, als er die Typen auch bemerkte.

„Olala. Was ist denn da. Dich kenn ich ja noch gare nicht.“, lächelte auf einmal der eine Junge mir zu und zwinkerte. Die anderen beiden fingen an zu lachen. „Wie heißt du denn, kleine.“

Tom und ich versuchten sie nicht zu beachten und wollten an den dreien vorbei gehen. „Hey! Ich rede mit dir.“, der Junge hielt mich plötzlich am Arm fest. „EY!“, sofort zog mich Tom zur Seite. „Was willst du denn Kleiner.“, die drei Jungs bauten sich vor Tom auf und ich sah schon, wie er etwas entgegnen wollte. doch lieber zog ich ihn weiter, als dass er sich hier noch eventuelle prügeln würde.

Ich hörte den Zug anfahren und wir stiegen ein, auf den Weg in die Stadt.

 

Magdeburg hatte ich mir bis jetzt immer irgendwie aufregender vorgestellt. Doch irgendwie war es hier gar nicht mal so toll. Ok, McDonalds sah schon irgendwie ganz toll aus von innen und man hatte hier sone coole Strandbar, aber das war’s auch schon, der Rest war eigentlich uninteressant.

„Was ist?“, fragte Tom schon zum xten Mal. Denn anscheinend sah ich ziemlich verwirrt aus und immer gab ich ihm die gleiche Antwort: hier ist es nicht toll.

Langsam stieg in mir auch ein Heimwehgefühl auf. Ich wollte einfach nur noch zurück, wo ich herkam. Durch bekannte Straßen laufen, bekannte Gesichter wieder treffen und in meine Stammläden spazieren. Doch das konnte ich nicht – ich war fast 300km weg von zu Hause.

„Komm. Gustav und Georg sind im Alex. Lass uns doch mal vorbei gehen.“ Gustav und Georg.. das waren doch die beiden vom letzten Mal… Doch ich ließ mich überreden und ging mit Tom ins Alex.

 

Auf dem Weg dorthin, kamen wir an dem Spielplatz vorbei, wo ich Dino kennen gelernt hatte. Und als mein Blick über den Sandkasten schweifte, bemerkte ich einen kleinen Junge, der mal wieder einen Hund beiseite schob, der seine Sandburg zerstörte, indem er darauf herum trat.

Instinktiv blieb ich stehen und musste lächeln. „Kennst du den?“, fragte Tom, dem es auffiel, dass ich auf einmal nicht weiter ging. Ich zuckte mit den Schultern.

„Cathrin?!“, der Kleine blickte auf und fing auf einmal wild an zu winken, als er mich erkannte. Ich grinste und ging auf ihn zu. Dino sprang von seinem Platz und lief mit aufgerissenen Armen auf mich zu. schnell hockte ich mich hin und er sprang mir in die offnen Arme.

Kurz verlor ich das Gleichgewicht, doch zum Glück stand Tom mehr oder weniger hinter mir und fing mich auf. „Ich hab auf dich schon gewartet.“, plapperte der Kleine munter drauf los und wollte mir gleich erzählen was er schon alles gemacht hatte heute.

Doch auf einmal stockte er. Mir liefen Tränen an der Wange herunter, doch ich lächelte. „Warum weinst du?“, fragte Dino. Tom sah mich ebenfalls fragend an. Ich schüttelte den Kopf und drückte den kleinen Jungen noch einmal ganz fest an mich – genau wie Tommy… will der ganzen Welt seine Geschichten erzählen

Schnell stand ich auf und wischte mir durchs Gesicht. „Alles in Ordnung?!“, fragte jetzt auch Tom, der mir eine Hand auf die Schulter legte. Ich nickte und sah zu, wie Dino wieder diesen Hund von seinem Bauwerk verscheuchte.

Ich schrieb in Toms Hand: Lass uns bitte gehen! Tom nickte und so verschwanden wir ohne ein weiters Wort.

 

***

 
   

Tja und da ich leider nicht zu nach Hause rein kam, musste ich nun mit zu den Zwillingen. Und das machte mir schwer zu schaffen – ich wollte alleine sein. Ich musste alleine sein, sonst würde ich nur wieder anfangen zu weinen und Tom würde fragen was mit mir los sei. Doch ich war noch nicht bereit ihm alles zu erzählen – dazu kannten wir uns noch nicht genug.

Im Flur blieb ich stehen, ohne mir die Schuhe oder die Jacke auszuziehen. Tom sah mich schweigend an. ich konnte ihm ansehe, dass er wissen wollte was los war, doch er verkniff sich diese Fragen, worüber ich sehr dankbar war.

Plötzlich lief er an mir vorbei nach oben und ich hörte, wie er eine Tür aufriss. –Stille- er kam die Treppe zurück gelaufen, schnappte sich meine Hand und zog mich hinauf in ein Zimmer – nicht ins seins. Es war orange und ein riesen Poster von NENA blitze von den Wänden.

Bills Zimmer… schoss es mir durch den Kopf. Und ohne ein Wort, schleifte er mich hinein, warf mir einen letzten, lächelnden Blick zu und schloss die Tür hinter sich, als er das Zimmer wieder verließ. Zuerst verstand ich nicht. Doch dann kam es mir in den Sinn, dass er anscheinend gemerkt hatte, dass ich Ruhe brauchte, dass ich alleine sein wollte.

Ich blieb unschlüssig im Raum stehen und sah mich um. Mein Blick fiel aufs Fenster, denn eigentlich müsste ich ja direkt in mein Zimmer sehen können – und so war es auch. Ich hatte freien Blick in mein Reich. ich lehnte mich über den Schreibtisch auf die breite Fensterbank und blickte in den Garten unter mir.

Die Bäume färbten sich braun und rot und einige Blätter fielen hinab. Auf einmal wurde die Tür langsam geöffnet und Tom streckte den Kopf hinein, „Wenn du irgendwas brauchst, komm runter…!“ Ich nickte und war sofort danach wieder alleine.

Ich hörte die Klingel läuten und ging zur Tür um zu hören wer das sein konnte, nicht dass Bill wieder kam und ich hier in seinem Zimmer saß. Leise öffnete ich die Tür und lauschte. Es waren zwei Jungen die Tom begrüßte, „Tut mir leid, dass wir nicht ins Alex gekommen sind…“, sagte Tom. Georg und Gustav mussten da unten sein und so schloss ich die Tür mit einem leisen Knarren wieder.

Langsam öffnete ich meine Jacke und ließ sie auf den Boden fallen, auch meine Schuhe zog ich aus und ließ sie einfach da stehen. Dann suchte ich mir ein Kissen, was ich auf dem Bett fand und kletterte über den Schreibtisch auf die Fensterbank. Sie war grade breit genug, dass ich mich bequem darauf setzen und an die Wand lehnen konnte.

Anscheinend saß Bill hier auch öfters, denn auf einmal erblickte ich Notizen und kleine Kritzelein auf der Wand vor mir.

Ich ließ meine Kopf gegen die kalte Scheibe sinken und sah hinaus auf die Felder die unsere Häuser umgaben und den riesen Sandberg. Ein paar Vögel zogen vorbei – wahrscheinlich auf den Weg in den Süden.

Unter mir spürte ich die Wärme der Heizung aufsteigen und ich umklammerte mein Kissen nur noch mehr. Heute war das geschehen, was ich eigentlich die ganze Zeit versuchte hatte zu vermeiden – ich hatte vor anderen geweint. Ich biss mir auf die Unterlippe. Ich hatte vor den anderen geweint, doch das wollte ich nie tun. Ich wollte nie meine Gefühle zeigen, hatte bis jetzt immer versuchte sie zu unterdrücken, zurückzuhalten, einfach nicht an die Oberfläche kommen zu lassen – doch anscheinend bin ich nicht stark genug.

Es fing an zu regnen und die Tropfen prasselten leise gegen die Scheibe. Der Himmel verdunkelte sich und die schwarzen Wolken zogen auf.

Auf einmal schreckte ich auf und lauschte. Ein Kind war zu hören – es lachte laut. Ich blickte auf. Wieder das Lachen. Doch als ich mich umsah, stiegen mir Tränen in die Augen. Hier war kein Kind und hier lachte niemand. Es war Tommys Stimme, die immer noch in meinem Kopf wieder hallte. Wenn ich die Augen schloss, konnte ich meinen kleinen Bruder direkt vor mir sehen, wie er mich angrinste und spielen wollte, oder wie er mich einfach in den Arm nahm – ich konnte seinen kleinen Hände und seinen Griff auf meinen Armen spüren.

Ich ließ meinen Kopf in das Kissen sinken und schluchzte laut auf. Ich wollte meine kleine Nervensäge wieder haben. Ich wollte meinen kleinen Bruder einfach wieder ärgern, mit ihm spielen und mit ihm einschlafen.

 

Gegen späten Abend hörte ich Schritte auf dem Flur und wischte mir schnell die letzten Tränen aus dem Gesicht. Ich saß die ganze Zeit auf der Fensterbank und hatte geweint. Doch jetzt hatte ich keine Kraft mehr. Ich war müde und erschöpft.

Es klopfte und ich blickte zur Tür, „Cathrin!?“, eine Mädchenstimme rief mich leise und klopfte wieder. „Kann ich rein kommen? willst du reden?“ Ich antwortete nicht und sah wieder aus dem Fenster, wo man schon die ersten Sterne erkennen konnte.

Dass hörte ich es Knarren und das Mädchen kam herein – Sarah. Sie sah mich mitleidig an, wahrscheinlich hatte Tom schon erzählt, was passiert war. „Willst du reden?“, wiederholte sie und stand reglos im Zimmer. Ich zögerte und schüttelte dann den Kopf. Ich hatte Angst mit jemanden darüber zu sprechen, denn dann hatte ich nichts mehr woran ich mich festhalten konnte. Und obwohl ich diesen Schmerz nicht mehr ertragen konnte, wollte ich nicht reden, denn ich hatte Angst diesen Schmerz zu verlieren und so dann auch die Erinnerung an meinen Bruder und do schwieg ich.


***

Tja und da ich leider nicht zu nach Hause rein kam, musste ich nun mit zu den Zwillingen. Und das machte mir schwer zu schaffen – ich wollte alleine sein. Ich musste alleine sein, sonst würde ich nur wieder anfangen zu weinen und Tom würde fragen was mit mir los sei. Doch ich war noch nicht bereit ihm alles zu erzählen – dazu kannten wir uns noch nicht genug.

Im Flur blieb ich stehen, ohne mir die Schuhe oder die Jacke auszuziehen. Tom sah mich schweigend an. ich konnte ihm ansehe, dass er wissen wollte was los war, doch er verkniff sich diese Fragen, worüber ich sehr dankbar war.

Plötzlich lief er an mir vorbei nach oben und ich hörte, wie er eine Tür aufriss. –Stille- er kam die Treppe zurück gelaufen, schnappte sich meine Hand und zog mich hinauf in ein Zimmer – nicht ins seins. Es war orange und ein riesen Poster von NENA blitze von den Wänden.

Bills Zimmer… schoss es mir durch den Kopf. Und ohne ein Wort, schleifte er mich hinein, warf mir einen letzten, lächelnden Blick zu und schloss die Tür hinter sich, als er das Zimmer wieder verließ. Zuerst verstand ich nicht. Doch dann kam es mir in den Sinn, dass er anscheinend gemerkt hatte, dass ich Ruhe brauchte, dass ich alleine sein wollte.

Ich blieb unschlüssig im Raum stehen und sah mich um. Mein Blick fiel aufs Fenster, denn eigentlich müsste ich ja direkt in mein Zimmer sehen können – und so war es auch. Ich hatte freien Blick in mein Reich. ich lehnte mich über den Schreibtisch auf die breite Fensterbank und blickte in den Garten unter mir.

Die Bäume färbten sich braun und rot und einige Blätter fielen hinab. Auf einmal wurde die Tür langsam geöffnet und Tom streckte den Kopf hinein, „Wenn du irgendwas brauchst, komm runter…!“ Ich nickte und war sofort danach wieder alleine.

Ich hörte die Klingel läuten und ging zur Tür um zu hören wer das sein konnte, nicht dass Bill wieder kam und ich hier in seinem Zimmer saß. Leise öffnete ich die Tür und lauschte. Es waren zwei Jungen die Tom begrüßte, „Tut mir leid, dass wir nicht ins Alex gekommen sind…“, sagte Tom. Georg und Gustav mussten da unten sein und so schloss ich die Tür mit einem leisen Knarren wieder.

Langsam öffnete ich meine Jacke und ließ sie auf den Boden fallen, auch meine Schuhe zog ich aus und ließ sie einfach da stehen. Dann suchte ich mir ein Kissen, was ich auf dem Bett fand und kletterte über den Schreibtisch auf die Fensterbank. Sie war grade breit genug, dass ich mich bequem darauf setzen und an die Wand lehnen konnte.

Anscheinend saß Bill hier auch öfters, denn auf einmal erblickte ich Notizen und kleine Kritzelein auf der Wand vor mir.

Ich ließ meine Kopf gegen die kalte Scheibe sinken und sah hinaus auf die Felder die unsere Häuser umgaben und den riesen Sandberg. Ein paar Vögel zogen vorbei – wahrscheinlich auf den Weg in den Süden.

Unter mir spürte ich die Wärme der Heizung aufsteigen und ich umklammerte mein Kissen nur noch mehr. Heute war das geschehen, was ich eigentlich die ganze Zeit versuchte hatte zu vermeiden – ich hatte vor anderen geweint. Ich biss mir auf die Unterlippe. Ich hatte vor den anderen geweint, doch das wollte ich nie tun. Ich wollte nie meine Gefühle zeigen, hatte bis jetzt immer versuchte sie zu unterdrücken, zurückzuhalten, einfach nicht an die Oberfläche kommen zu lassen – doch anscheinend bin ich nicht stark genug.

Es fing an zu regnen und die Tropfen prasselten leise gegen die Scheibe. Der Himmel verdunkelte sich und die schwarzen Wolken zogen auf.

Auf einmal schreckte ich auf und lauschte. Ein Kind war zu hören – es lachte laut. Ich blickte auf. Wieder das Lachen. Doch als ich mich umsah, stiegen mir Tränen in die Augen. Hier war kein Kind und hier lachte niemand. Es war Tommys Stimme, die immer noch in meinem Kopf wieder hallte. Wenn ich die Augen schloss, konnte ich meinen kleinen Bruder direkt vor mir sehen, wie er mich angrinste und spielen wollte, oder wie er mich einfach in den Arm nahm – ich konnte seinen kleinen Hände und seinen Griff auf meinen Armen spüren.

Ich ließ meinen Kopf in das Kissen sinken und schluchzte laut auf. Ich wollte meine kleine Nervensäge wieder haben. Ich wollte meinen kleinen Bruder einfach wieder ärgern, mit ihm spielen und mit ihm einschlafen.

 

Gegen späten Abend hörte ich Schritte auf dem Flur und wischte mir schnell die letzten Tränen aus dem Gesicht. Ich saß die ganze Zeit auf der Fensterbank und hatte geweint. Doch jetzt hatte ich keine Kraft mehr. Ich war müde und erschöpft.

Es klopfte und ich blickte zur Tür, „Cathrin!?“, eine Mädchenstimme rief mich leise und klopfte wieder. „Kann ich rein kommen? willst du reden?“ Ich antwortete nicht und sah wieder aus dem Fenster, wo man schon die ersten Sterne erkennen konnte.

Dass hörte ich es Knarren und das Mädchen kam herein – Sarah. Sie sah mich mitleidig an, wahrscheinlich hatte Tom schon erzählt, was passiert war. „Willst du reden?“, wiederholte sie und stand reglos im Zimmer. Ich zögerte und schüttelte dann den Kopf. Ich hatte Angst mit jemanden darüber zu sprechen, denn dann hatte ich nichts mehr woran ich mich festhalten konnte. Und obwohl ich diesen Schmerz nicht mehr ertragen konnte, wollte ich nicht reden, denn ich hatte Angst diesen Schmerz zu verlieren und so dann auch die Erinnerung an meinen Bruder und so schwieg ich.

 

und da man mich oben nicht alleine sitzen lassen wollte, wurde ich auch sofort von Sarah mit der Ausrede, ich könne ja nicht da oben versauern, mit hinunter geschleppt zum dem größten Tumult den ich je gesehen hatte.

So viele Leute waren auf einmal hier. Einige hatte nicht ihre Jacken und Schuhe an und es sah irgendwie nur so aus, als wären sie kurz vorbeigekommen. „Was macht ihr denn alle hier?“, fragte auch Sarah jetzt irritiert als sie die andre begrüßte. „Tja. die dachten wohl, da wir schon mal alleine sind…“, fing Bill an, hielt jedoch sofort inne, als er mein gequältes Gesicht bemerkte. „Ach so. Ihr wollt Party machen!“, lachte Sarah und umarmte erst mal die ganzen Mädchen.

Ich blieb in der Tür stehen und verschränkte mehr oder weniger schützend die Arme vor meinem Bauch. Ich fühlte mich unwohl und wollte doch nur alleine sein. Mein Blick schweifte über die Masse. Ich glaube an die 20 Leute waren da und einige hatten sogar Bierflaschen dabei.

Ich sah, wie sich Sarah einen Jungen um den Hals warf und ihn wild abknutschte. War sie nicht mit Bill zusammen?! anscheinend nicht, denn sofort wurde sie von einem weiteren Jungen weggezogen und bekam ebenfalls von ihm einen dicken Knutscher.

Ich wandte mich verwirrt ab. Und sah mir währenddessen den bescheidenen Flur der Zwillinge an – sehr nett… stellte ich fest und seufzte. Was würde ich nicht alles dafür geben jetzt alleine zu sein. Hinter mir hörte ich die Stimmen und das Gelächter der anderen und schloss für einen kurzen Augenblick die Augen – mein Kopf tat weh.

Plötzlich griff jemand, der an mir vorbei wollte, meine Hand und zog mich mit, die stufen wieder hinauf und in Bills Zimmer. Wassen jetzt, moserte ich und sah auf – Bill!

„Was machst du da unten?!“, fragte er und sah mich mitleidig an, anscheinend hatte Tom unsere Geschichte schon dem ganzen Dorf erzählt. „Ach..“, winkte er leicht verärgert ab, schloss die Tür und das Stimmenwirwar wurde abgeschnitten. Endlich ruhe und ich entspannte mich langsam.

Bill latschte etwas müde zu seinem Bett und ließ sich darauf fallen und lehnte sich mit dem Kopf an die Wand. „Ich hab jetzt echt keinen Bock, dass die alle da sind.“, meinte er und strich sich durch die Haare. „Hm, hm.“, stimmte ich zu und setzte mich neben ihn.

„Hast du Kopfschmerzen?!“, fragte er auf einmal. Ich sah hinter mich, ihm direkt fragend ins Gesicht. „Du hast dir vorhin sie Stirn gerieben und die Augen geschlossen.“

Ich war erstaunt, dass ihm das aufgefallen war. doch dann schüttelte ich den Kopf, lehnte mich auch zurück und schrieb auf die Wand über uns: nettes Zimmer, und grinste: Und toller Ausblick! Damit deute ich auf das Fenster und meinte den Blick in mein Zimmer. „Oh ja, du musst ab und zu auch mal deine Gardinen benutzen…! Also nicht, dass ich was gesehen habe, aber…“, Bill grinste und sah auf das Fenster.

Ich erschrak und spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss – schnell schlug ich ihn leicht auf den Arm. „Hey! Ich hab nicht hingeguckt! Ehrlich!“, schwor er und ich musste lächeln.

Für einen kurzen Augenblick vergaß ich meinen Kummer und lachte wieder. Bill lenkte mich von meinen Sorgen komischerweise ab, aber vielleicht auch nur, weil er nicht wusste, was mich plagte.

 

***

 

***
 
ich atmete ganz leise und hörte Bills ruhigen, gleichmäßigen Atem zu. er schlief, tief und fest neben mir im bett. Wir waren irgendwann nebeneinander eingeschlafen. Doch jetzt war ich weder hellwach und draußen war es noch dunkel – bis auf dem Mond, der direkt ins Zimmer schien und es erhellte. Es war grade genug Licht um mir Bill anzuschauen.
Ich war immer noch erstaunt, auf was er alles achtet (meine Kopfschmerzen waren ihm aufgefallen) anscheinend betrachtete er die Personen mit denen er zu tun hat ganz genau – irgendwie gefiel mir diese Art. Ich fühlte mich auf einmal beachtet, was vorher sonst nicht oft vorkam.
Von unten kamen ab und zu nur leise Wortfetzen, vielleicht schliefen die Partyleute unten auch schon oder die Hälfte war schon gegangen, ich hatte keine Ahnung.
Etwas ungemütlich und eingequetscht lehnte ich mich zurück, neben die Wand ins Bett und sah an die Decke. Bill machte sich ziemlich breit und ein Bein lag halb auf meinem – doch das hatte auch schon wieder etwas Beruhigendes. Obwohl ich bei mehr oder weniger fremden Leuten am Anfang den Körperkontakt mied, da ich mich immer etwas unwohl fühlte, wenn jemand, den man kaum kennt, gleich schon auf die Pelle rückt – mir kam so etwas immer komisch vor und ich hielt lieber erst einmal Abstand. Doch bei Bill war es anders, da hatte ich nicht so ein unwohles Gefühl – irgendwie war es schon fast normal, dass er mich immer mal ab und zu berührte und ich musste zugeben, dass ich es genoss.
Auf einmal drehte sich Bill mit dem Körper zu mir. ich sah ihn an, doch er schlief weiter und atmete ruhig. Keine Anzeichen, dass er wach war, also wanderte mein Blick wieder zur Decke und ich hing meinen Gedanken hinter her. Jetzt erst fiel mir auf, dass das Bett total nach Bill roch. Er benutze irgendein Parfüm oder DEO – doch es gefiel mir.
„Was überlegst du?!“, kam es plötzlich leise. Ich zuckte leicht zusammen, da ich mich erschrocken hatte und eigentlich dachte, dass Bill schliefe, denn als ich wieder zu ihm sah, hatte er weiterhin die Augen geschlossen. Doch da ich nicht Antwortete, öffnete er langsam eins und wiederholte seine Frage, „Was denkst du grade?!“, fragte er wieder ganz leise.
Ich sah zurück an die Decke. Was dachte ich? Dass Bill gut roch… dass ich seine Nähe genoss… aber so etwas konnte ich doch nicht sagen.

Jetzt sah mich Bill ganz an, „Meinst du, du könntest irgendwann wieder sprechen?!“, fragte er leise und sah ziemlich ernst aus. ich sah ihn schweigend an – ich hoffte von Anfang an, dass ich irgendwann die Kraft hätte wieder zu sprechen, doch meine Hoffnung schwand mit jedem Tag, denn ich brachte nur merkwürdige Geräusche hervor und keine Buchstaben oder Wörter.

„Ich hoffe…“, sagte ich lautlos und Bill verstand was ich sagte, denn er nickte und lächelte leicht.

 

Ich hätte den ganzen Tag über so neben Bill liegen können. Doch leider wurde unsere Zweisamkeit gegen 7Uhr morgens gestört, denn leise, knarrend ging die Tür auf und Sarah streckte den Kopf herein. Bill wandte sich um und anscheinend hatte sie mich zuerst gar nicht bemerkt, „Ist Cathrin weg?“, fragte sie und kam herein.

Ich stützte mich ab und sah über Bill hinweg und jetzt bemerkte sie mich auch, blieb stehen und war leicht erstaunt, dass ich hinter Bill im Bett lag – sie sah fasst fassungslos aus, als könnte sie es nicht glauben. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihr damit wehtat.

„Ich ähm…“, stotterte sie und hatte total den Faden verloren. Ich setzte mich ganz auf, rutschte ans Bettende und kroch heraus, sah mich nach meinen Sachen um, packte alles schnell zusammen und wollte gehen.

„Warte! Wo willst du hin?!“, fragte Bill, als er merkte, dass ich los wollte. doch ich beachtete ihn nicht, denn mein Blick wanderte immer wieder zu Sarah, der ihre Verzweiflung ins Gesicht geschrieben war, doch Bill fiel es nicht auf.

Ich hatte alle Sachen beisammen und ging ohne Sarah noch einen Blick direkt in die Augen zu werfen an ihr vorbei und verließ das Zimmer.

Auf dem Flur stolperte ich fast über die erste schlafende Person. Es war ein Mädchen und sie hatte noch eine halb volle Flasche Sekt in der Hand. leicht unbeholfen kletterte ich über sie hinüber und schlich die Treppe hinunter. „HEY! CATHRIN!“, hörte ich es von oben rufen, doch da wurde schon die Tür von Bills Zimmer zugeschmissen und es war ruhig.

Ein flüchtiger Blick ins Wohnzimmer und in die Küche, verriet mir, dass die Zwillinge mächtig ärger bekommen würden, wenn sie bis Mittag das Chaos nicht beseitigt hätten.

Hier unten war gestern Abend wohl eine riesen Party, doch oben bei Bill hatte ich davon gar nichts mitbekommen.

 

Ich fror mir den ganzen Tag sonst was ab, denn langsam zog der Winter ins Land und ich saß nur im Pulli und langer Hose vor unserer Tür und wartete darauf, dass meine Eltern endlich einmal antrudeln würden. Ich zitterte schon die ganze Zeit, doch ich wollte auch nicht zurück zu den Zwillingen – nicht zu Bill und Sarah, aber auch nicht zu den Schnapsdrosseln im Wohnzimmer (wozu ich Tom grade einfach mal mit zählte)

Also saß ich nun da und zitterte so lieb vor mich hin. Doch auf einmal hörte ich Stimmen und zwei Jungs tauchten auf der Straße auf, einer mit Käppi und der andere mit länglichen braunen Haaren – Gustav und Georg. Oh nein. Nicht auch noch die… stöhnte ich innerlich und wandte mich ab, als ob ich sie nicht gesehen hätte. Doch zu meinem Glück, dass ich heute nun mal hatte, wollten die beiden grade zu den Zwillingen marschieren und so führte ihr Weg an unserem Garten vorbei.

Doch bevor sie mich entdeckten, wurde auf einmal die Tür bei den Zwillingen aufgerissen und Bill kam heraus gestürzt. Ich sah ihn verwundert an.

„NEIN!“, schrie er wütend zurück. „Aber… was soll das? Warum das ganze dann?!“, Sarah lief ihm hinter her, doch Bill ließ nicht mit sich reden und so blieb sie in der Tür stehen, „Warum?!“, wiederholte sie traurig und sah mich auf einmal. Sofort verfinsterte sich ihr Blick und die Tür wurde laut zugeknallt.

Etwas verdattert wanderte mein Blick zu Bill, der mit Georg und Gustav redeten und dann verschwanden die drei – Bill hatte mich nicht einmal hier drüben bemerkt.

 

***

 

nach der ganzen Aktion war ich ziemlich verunsichert, zum Glück kamen ein wenig später meine Eltern schon von ihrem Ausflug zurück.

Schnall sprang ich auf und tat so, als würde ich grade wieder nach Hause kommen und winkte den beiden fröhlich zu.

„Na wie wars?!“, rief mir meine aus dem Wagenfenster zu. ich lächelte und nickte um ihr zu versichern, dass alles in Ordnung sei.

 

Noch am gleichen Tag machte ich mich wieder auf die Socken. Ich wollte etwas frische Luft schnappen und über die letzte Nacht nachdenken. Wieso hatte ich das bloß getan?!

Mein Weg führte mich automatisch wieder zu dem Spielplatz. Ich blieb stehen und sah auf den Sandkasten, doch ich erblickte kein Kind. Enttäuscht trottete ich durch den Park weiter und sah dabei auf meinen Füße, die einen Stein vor mich her kickten.

Auf einmal hörte ich Stimmen und sah auf. Einen Gruppe Jugendlicher tauchte vor mir auf – 17 – 20 jährige Jungs nahm ich mal an. ich überlegte kurz, ob ich umdrehen solle und zurückging, doch die Jugendlichen waren grade mit irgendetwas anderem beschäftigt und so trottete ich weiter an ihnen vorbei.

„EY!“, rief af einmal einer. Ich wandte mich nicht um und ging einfach weiter. „EY! DU!“, wurden die Jungs lauter. Ich bekam ein ungutes Gefühl und musste wieder bemerkten, wie unsicher ich anderen gegenüber doch geworden war. hätte mich die Gruppe vor einem Jahr angepöbelt, wäre ich zurückgegangen und hätte ihren plumpen Antworten perfekt gekontert – doch jetzt… jetzt nicht mehr.

Meine Schritte wurden schneller und ich versuchte die Sprüche zu ignorieren, die mir hinter her geschrieen wurden.

Auf einmal blieb ich stehen und stutze. Welchen Monat hatten wir grade? … September?!!! Ich sah in den Himmel und hatte Recht. Es fing an zu schneien. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht und ich ging schnell weiter – denn langsam spürte ich auch die Kälte.

Ich kam aus dem Park heraus und zur Straße. Vor mir begann die Einkaufsmeile und rechts ging es zur Schule, links war ich noch nie. Also trat ich den Weg nach Rechts an.

 

Die Schule ragte vor mir auf und ein paar Jugendliche saßen auf den Tischtennisplatten auf dem Hof, einige spielten auch Basketball und eine Gruppe Mädchen stand kichernd daneben.

Auf einmal bemerkte ich Sarah. Sie stratze stur auf eine Gruppe Jungs zu. und als ich mir die Jungs genauer ansah, erkannte ich Gustav, Georg, Bill und drei andere.

Was hat sie bloß vor? Ich ahnte schon, dass sie nichts Richtiges vorhatte und lief schnell zu ihr um sie davon abzuhalten – was auch immer sie machen wollte.

Ich ergriff ihren Arm und sie wirbelte erschrocken herum. Doch als sie sah, dass ich es war, verfinsterte sich ihr Blick, sie riss sich aus meinem Griff los. Ich schüttelte den Kopf, immer und immer wieder – damit sie verstehen sollte, dass sie lieber nicht zu Bill gehen sollte.

„Du… nur wegen dir… seid dem du da bist…“, fing sie an und fand schon gar nicht mehr die richtigen Worte, weil sie so wütend war. ich wusste nicht recht was sie meinte, doch trotzdem versuchte ich sie immer noch zu greifen und wegzuziehen, damit sie bloß keinen Fehler jetzt machte, denn ich spürte, dass sie verliebt war – was sollte es sonst sein?!

„LASS MICH!“, schrie sie und schlug meine Hand beiseite. Damit war es dann zu ende. Schließlich war es mir egal geworden ob sie es sich nun bei Bill verscherzt oder nicht. Ich drehte mich um und ging. So was muss ich mir doch nicht gefallen lassen!

Doch dann blieb ich doch wieder stehen und wandte mich um. Sarah sprach schon mit Bill, der sie eigentlich nur ignorierte. Sarah wurde lauter und lauter und fing dann plötzlich an zu weinen. Doch Bill sah sie nicht ein einziges Mal an. doch dann sagte sie etwas und sein Gesicht wurde weicher und er nahm sie in den Arm.

Ich stutze, was hatte sie bloß gesagt, dass Bill sie in den Arm nahm?! Auf einmal sah Bill mich an, er wirkte ganz ruhig. Ich wurde etwas nervös, da er mich bemerkt hatte. Bills Blick verfinsterte sich wieder und ich erstarrte. Der kühle Blick galt mir – aber warum, was hatte ich denn damit zu tun?!

Bevor ich noch irgendetwas machen konnte, lief ich lieber schnell weg. Sollte sie mich doch mal alle Kreuzweise! Langsam hatte ich auch die Schnauze voll!

 

Am nächsten Tag in der Schule ignorierten wir uns alle. Außer Tom – er wusste von nichts und begrüßte mich mit seinem Aufreißer-Lächeln.

„Klassendienst machen diese Woche… Bill und…. Und Cathrin. Dann haben wir alle. Also nächste Woche geht es dann wieder von vorne los. Und Bill: du zeigst Cathrin alles.“, rief der Lehrer nach der letzten Stunde. Was? ich sollte mit Bill jetzt auch noch alleine Klassendienst machen? ist ja wie im schlechten Film hier… stöhnte ich und nicht nur ich, sondern Bill war genau das gleiche anzusehen – volle Begeisterung (-.-).

Es klingelte und der Rest der Klasse packte ein und konnte nach Haue gehen. Ich blieb auf meinem Platz sitzen und atmete tief durch.

„Na dann. Und wehe die Klasse ist nicht sauber!“, verabschiedete sich der Lehrer nun auch noch von uns und wir waren alleine. Ich sah verzweifelt aus dem Fenster und hörte auf einmal, wie Bill den Mülleimer aus der Ecke holte und ihn aufeinen Tisch stellte. „Wisch die Tafel und schieb dann die Stühle alle ran.“, sagte er und ich glaubte einen leichten Ton von Versöhnung zu hören, doch als er mir den Schwamm zuwarf, verwarf ich das Gefühl wieder und stand auf.

Ich sah, wie Bill die Klasse ausfegte und dafür Stühle und Tisch beiseite schob. Er sah mich nicht einmal an und das machte mich nur noch trauriger. Denn ich wusste eigentlich immer noch nicht, wieso er auf mich sauer war, oder wieso wir uns eigentlich stritten.

Enttäuscht trottete ich zur Tafel, klappte sie auf und wischte sie ab. „Mit Wasser!“, kam es von hinten, „Musst du dir einen Eimer vom Hausmeister holen und Wasser aus den Toiletten.“ Ohne mich umzudrehen, ließ ich den Schwamm sinken und marschierte los um Wasser zu holen.

Die Schule war schon leer – nur einige andere Klassendienstler waren an ihrer Arbeit.

Nach einigen Minuten kam ich mit dem Eimer Wasser wieder und sah Bill grade die Pflanzen gießen. Ich tauchte den Schwamm in das kalte Nass und fing endlich an die Tafel zu wischen. Ab und zu, wenn ich den Schwamm auswusch, blickte ich zu Bill – der jedoch war in seine Arbeit konzentriert, oder tat jedenfalls so als ob er schwer konzentriert wäre.

„Du machst das total falsch! Da sind doch dann überall streifen drauf.“, mosterte auf einmal und ich ließ wieder den Schwamm sinken, doch diesmal war ich leicht genervt – sollte er es doch besser machen. Und das tat er auch, „Bring den Müll runter!“ und damit nahm er mir den Schwamm ab und wischte selber die Tafel. Wütend stapfte ich zum Eimer, schnappte ihn mir und brachte ihn weg. „>du machst das falsch< >du musst er dies und dann das<“ äffte ich Bill gereizt nach und brachte den Müll weg.

„Hab den Müll weggebracht.“, kam ich zurück und erblickte Bill immer noch bei der Tafel, „Den Rest mache ich schon, geh nach Hause.“ jetzt reichte es mir, was war bloß los mit ihm?!

Ich ließ den Eimer fallen, ergriff die Kreide und fing an zu schreiben.

„HEY. Spinnst du? Ich wische grade die Tafel!“, meckerte Bill.

Warum bist so wütend? Schrieb ich und bevor ich das Fragezeichen zeichnen konnte, wurde mir die Kreid abgenommen und Bill schrieb Sarah!
Und warum?!
Ist geheim!
Blödmann
Nerv nicht Tussi
Irgendwie tat es mir weh, dass er mich s behandelte und auf einmal spürte ich eine einzelne Tränen an meinem Gesicht herunter laufen. Ich dachte ich hätte endlich wieder einen Freund gefunden…

Bill schrieb nichts, sondern sah mich erstaunt an

Ich hoffe du löst bald das Problem mit dir und Sarah – sie mag dich… ich mag dich …

Mit den letzten Buchstaben ließ ich die Kreide fallen und bemerkte, dass Bill noch mehr erstaunt war, was ich dort schrieb und er wirkte auf einmal traurig. Und erst jetzt wurde mir bewusst, was ich dort eigentlich geschrieben hatte und spürte, wie ich rot anlief.

Das letzte zählt nicht!!! Schrieb ich schnell und griff nach dem Schwamm um es wieder wegzuwischen. Doch als ich ansetzte, legte Bill seine Hand auf meine, die den Schwamm hielt und hinderte mich daran es wegzumachen.

„Nicht.“, Bill starrte immer noch auf diesen letzten Satz, „Ich schaue es mir noch ein bisschen an.“, sagte er dann und nahm mir den Schwamm weg.

Mein Herz fing an zu Pochen und ich starrte ihn verunsichert an. Lauf weg! Lauf weg! LAUF WEG!!! Und das tat ich, ich schnappte mir meine Tasche und verließ so schnell ich konnte das Klassenzimmer, dass ich dabei jedoch zwei Tische mit umriss, bekam ich gar nicht mehr mit – ich wollte eigentlich nur noch weg.

  ***
 

Was hatte ich da bloß geschrieben?! Aber als ich länger darüber nachdachte, wurde mir bewusst, dass es nur die Wahrheit war – ich mochte Bill. und zwar nicht so wie Tom, obwohl ich ihn auch mochte, doch bei Bill war es anders. Ihm konnte ich alles erzählen und er hörte auch zu. bei Tom wäre das vielleicht anders gewesen – er hätte wahrscheinlich nicht so viel Geduld gehabt.

 

Ich kickte auf dem nach Hause weg mal wieder einen Stein vor mir her und war total in Gedanken verloren. Das passierte bei mir in letzter Zeit ziemlich oft, stellte ich fest – aber auch erst, seitdem ich Bill kennen gelernt hatte.

 

Nach dem Abendbrot ging ich rauf in mein Zimmer, ich musste noch meine Hausaufgaben für morgen machen. Meine Tasche lag auf dem Boden, ich hockte mich hin und nahm mir die Schulsachen heraus, setzte mich an meinem Schreibtisch und schaltete die kleine Lampe an, da es schon lange dunkel war. doch bevor ich mit den Matheaufgaben anfangen konnte, sah ich aus dem Fenster.

Drüben war das Haus dunkel, anscheinend keine da, also fing ich an mit den Hausaufgaben.

Leider saß ich fast ne Stunde daran, denn ich hatte heute in der Schule nicht wirklich aufgepasst und so wusste ich nicht recht, was wir bei den Aufgaben machen sollten und so las ich mir die Bücher alle noch einmal durch.

Langsam bekam ich schon einen steifen Nacken und reckte mich einmal. Licht! In Bills Zimmer brannte Licht.

Ich stand auf und sah hinüber. Doch ich konnte niemanden sehen und als ich wieder auf die Aufgaben blickte, stöhnte ich genervt, schlug das Buch zu und wollte die Sachen einfach morgen vor den Stunden machen.

Ich streckte mich und wandte mich um. In meinem Zimmer sah es auch mal wieder aus wie Sau! Überall lagen Klamotten herum und auch noch der Teller von gestern.

Ich taumelte schon total müde zu meinem Bett hinüber, schnappte mir meinen Schlafanzug und zog mir meine Kleidung aus. als ich mir mein Shirt über den Kopf zog, fiel mein Blick wieder aus dem Fenster und ich erblickte Bill, wie er hinüber sah. Ich blieb wie erstarrt stehen und sah ihn an. er wirkte total vertieft und in Gedanken, als ob er mich gar nicht ansehen würde, obwohl er zu mir sah.

Plötzlich schüttelte er den Kopf und erblickte mich. Erschrocken stieg ihm das Blut in den Kopf und ich sah, wie er leicht rot anlief. Ich fing an zu lächeln, nahm mir meinen Schlafanzug und lief schnell, nur in Unterwäsche vom Fenster weg – er musste ha nicht alles von mir sehen.

Doch bevor ich in mein Bett kletterte, blickte ich noch einmal aus dem Fenster – doch diesmal erblickte ich Sarah! Sie sah wütend aus und ich nahm an, dass sie sich mal wieder mit Bill stritt.

Plötzlich zog sie ihr Shirt aus und ich war ziemlich erstaunt, denn Bill drehte sie um und betrachtete ihren Rücken. Leider stand sie seitlich zu mir und so konnte ich nichts erkennen – doch nach Bills Reaktion war irgendetwas passiert, denn auf einmal nahm er sie in den Arm und entschuldigte sich, soweit ich das erkennen konnte.

Und dann sah Sarah herüber – direkt zu mir. sie verzog keine Miene, hielt weiter hin Bill im Arm und sah mich nur an. schnell wandte ich mich um und stieg ins Bett.

Was war das bloß zwischen den beiden. Irgendetwas tat in mir weh, wenn ich sie zusammen sah und ich wusste auch wieso. Bill war mich wichtig geworden und ich wollte nicht, dass er sich mit Sarah abgibt, weil sie nicht das ist, was er glaubt.

 

Ich hielt mich die nächsten Tage von allem fern. Ich wollte nicht in irgendetwas hinein geraten, wozu ich nichts konnte. Nur noch mit Tom hatte ich was zu tun und meinem Anschein nach, fand Bill das gar nicht in Ordnung – und das zeigte er auch offen.

Tom und ich schlenderten und das Einkaufszentrum in Magdeburg. Inzwischen fand ich mich in der Stadt ziemlich gut zurecht und hatte hier und da schon meine Lieblingsplätze und Läden vor allem – OLYMP UND HADES gefiel mir am besten und dort konnte man mich auch am meisten antreffen.

„Ich brauche unbedingt neue Kappis und ne neue Hose.“, meinte Tom und stieg vor mir auf die Rolltreppe, damit wir in den ersten Stock konnten. Ich lief ihm schweigend in ein Geschäft hinter her. „Ich probier ein paar Sachen an.“, verabschiedete er sich und lief los. Ich blieb im Eingang stehen und sah mich hilflos um, denn hier gab es nur Klamotten für Jungs. Also folgte ich der Richtung in der ich Tom vermutete und sah mich ein wenig um.

Von weitem sah ich ihn mit einem Stapel Hosen in eine Kabine gehen und ich setzte mich davor auf einen Sessel.

Nach kurzer Zeit streckte Tom seinen Kopf aus der Kabine, „Guck mal.“, meinte er. Ich stand auf und zog den Vorhang beiseite. Oh mein Gott! Wie hässlich!!! Schnell schüttelte ich den Kopf, denn Tom trug einen braune Lederartige Baggie oder so etwas was eine Baggie darstellen sollte. Sofort kam die nächste Hose. Die war ein wenig besser, doch weiten zu groß, was Tom jedoch nicht verstand, er fand sie perfekt. Die dritte gefiel mir schon eher, sie war nicht ganz soooo weit wie die erste, saß besser und hatte keine komischen Zeichen oder war aus keinem komischen Stoff gemacht. „

„Ich glaube die zweite…“, höre ich Tom aus der Umkleide sagen. Ich stöhnte, die hässliche doch nicht…. Die wird er nie im Leben anziehen!

Plötzlich klingelte sein Handy und ich hörte wie er ran ging, „Ja?... ach…. Jaja, wir sind im Magdeburg…. Catti auch…. Ja… mom…“ BILL! das hörte ich auch schon, wie Tom mit ihm sprach, doch was wollte er von mir? Tom streckte den Kopf wieder heraus und hielt mir das Telefon hin, doch bevor er sagen konnte wer dran sei, schüttelte ich schon den Kopf. „Aber. Bill ist dran.“, sagte er verwirrt. Wieder schüttelte ich den Kopf.

„Sie will nicht…. Ich weiß nicht wieso… ja… ok.“, Tom legte auf und zog sich um. „Warum wolltest du nicht mit Bill reden?!“, fragte er und kam aus der Kabine um die hässliche Hose zu bezahlen.

Ich ging ohne eine Reaktion zum Eingang und wartete auf Tom, „HEY! Was los?“, rief er mir nach, doch ich ignorierte ihn – ich wollte nicht mit Tom darüber sprechen, denn ich verstand Bills Verhalten ja selber nicht…. Um zuzugeben, verstand ich MEIN Verhalten auch nicht.

Tom bezahlte und verabschiedete sich. „Was denn los? Ich dachte ihr versteht euch so gut.“, fragte Tom weiter ohne nachzugeben. „Habt ihr euch gestritten?“ Hör auf! Hör auf! Hör auf! Ich wurde langsam wütend, wieso verstand Tom nicht, dass ich darüber nicht reden wollte, doch anscheinend verstand er es wirklich nicht, denn auf einmal fing er an mir Bill, „… er ist in letzter Zeit auch so komisch und dann ist da auch immer Sarah jetzt bei uns… ich weiß einfach…“ ich ballte meine Hände zu Fäusten um nicht gleich an die Decke zu gehen und ging schweigend an den ganzen Passanten vorbei weiter. „… er redete auch nicht mehr mit mir… ich glaube….“ „ÖR AUHHHHHHHF!“, krächzte ich wütend und wirbelte herum.

Tom blieb erschrocken stehen und starrte mich an. auch ich war verwundert und hörte auf die Fäuste zu ballen, was war das grade eben?

„Oh mein Gott! Sag noch mal etwas.“, forderte mich Tom auf. Ich wagte erst gar nicht den Mund zu öffnen, doch dann versuchte ich es einfach, „Alllllohhhh.“, brachte ich kaum verständlich hervor und ich merkte, dass ich noch einige Buchstaben verschluckte, aber das gröbste verstand man. Tom fing an zu grinsen, „WOOOHOOO!“, rief er und umarmte mich stürmisch. Auch ich fing an zu grinsen, obwohl ich immer noch nicht recht glauben konnte, dass ich grade ein paar Worte hervor gebracht hatte – es kam mir noch so unwirklich vor und es war ein komisches Gefühl endlich nach so langer Zeit mal wieder etwas zu sagen.


***

auch meine Eltern konnten es kaum glaube, dass ich wieder anfing zu sprechen, doch die meisten Wörter verstand man noch gar nicht, denn ich verschluckte die Buchstaben noch zu oft, nur das A O U F G D und so etwas konnte ich irgendwie verständlich herausbringen, der Rest ging unter.

Gegen Abend nahm ich mir eins meiner Lieblingsbücher aus dem Schrank und fing laut zu lesen an, damit ich langsam wieder in Übung kam.

Doch ein Problem blieb trotzdem noch. Ich sah aus dem Fenster in das beleuchtete Zimmer und sah Zwei die sich in den Armen lagen – zwei die sich gefunden hatten, auch wenn die eine Person hinterhältig ist. zwei hatten sich gefunden. Von Tag zu tag wurde mir bewusster, dass ich zu spät war, dass ich meine Gefühle die ganze Zeit ignoriert hatte, denn ich war mit anderen Sachen beschäftig.

Es tat weh Bill und Sarah zu sehen und es tat weh, das zwischen Bill und mir kein Kontakt mehr war. ich zog die Beine an den Körper und wippte langsam hin und her - um die Tränen zu unterdrücken, biss ich mir auf die Unterlippe.

Es tat so weh… und ich merkte es erst, als ich das verloren hatte, was ich am meisten brauchte – ich verlor denjenigen, der mich dazu brachte wieder zu sprechen. Doch es war zu spät. Sarah und Bill lagen sich in den Armen und ich saß alleine bei mir im Zimmer – alleine mit meinen Gefühlen, die ich am liebsten abgestellt hätte.

 

In der Schule saß ich abwesend auf meinem Platz und hing meinen Gedanken hinterher. Ich wagte es nicht einmal in Bills Richtung zu schauen. Ich hatte Angst – Angst davor, dass es wieder wehtun könnte

Auch zu Hause saß ich nur noch in meinem Zimmer und ließ mich unten bei meinen Eltern kaum noch Blicken, geschweige denn raus zu gehen. Selbst Tom konnte nichts an meiner Laune ändern. Ich wollte nur noch alleine sein – alleine sein für immer. Dann würde man auch nicht verletzt werden!

Selbst das Sprechen wurde mir egal. Wozu sollte ich es denn auch noch brauchen?!

„Cathrin!“, rief Tom wütend und stapfte schon die ganze Zeit in meinem Zimmer auf und ab. „Hör endlich auf in Selbstmitleid zu zergehen…. Du hast noch nicht mal einen Grund dafür – jedenfalls sagst du ja nie was los ist!“

ich sah Tom verzweifelt an, ihm konnte ich einfach nicht sagen, was ich fühlte, oder was in mir vorging – bei ihm war irgendeine Blockade in mir die das nicht zuließ.

„Ach… ich gebs langsam auf. Wenn du nicht mit mir reden willst…“, meinte Tom beleidigt und wollte seine Sachen nehmen. „Es tuht mihr lehid…“, stammelte ich und hatte Angst, dass jetzt auch noch Tom wütend auf mich wurde. „…Schon in Ordnung. Ich kann dich ja auch nicht dazu zwingen mit mir zu reden… ach so, Sarah wollte mit dir reden meinte sie gestern in der Schule.“ „Wahs?“ „Sarah wollte mit dir reden.“, wiederholte Tom. was will die von mir?!

 

und später am Abend bestätigte sich Toms Aussage. Sarah stand vor der Tür und meine Mutter ließ ich nach oben zu mir. ich war ziemlich überrascht über ihren Besuch und dachte, dass ich jetzt irgendeine Predigt erhalte, dass ich mich von Bill fernhalten solle oder so etwas in der Art.

Doch so war es nicht.

„Cathrin. Wir müssen reden.“, fing sie an und ohne auf eine Antwort zu warten, setzte sie sich neben mich auf mein Bett und fing an. „Ich bin nicht mit Bill zusammen und ich will auch nichts von ihm…“ „Uhnd?“, meine Stimme zitterte merkwürdigerweise, obwohl ich das gar nicht wollte.

„Ich kann ihn so nicht mehr sehen. Ich habe ihm gesagt er soll sich von dir fern halten, weil ich seine Hilfe brauche – doch das war ein Fehler.“, sie machte eine Pause und fing an meiner Decke herumzuzupfen, anscheinend war sie nervös und angespannt, „Ihm geht es total schlecht. Du musst ihm helfen. Von mir will er nicht haben, was er braucht… das kann er auch nicht…“ „Wahs? Wohrm get ehs dehnn?“, ich wusste überhaupt nicht was mir Sarah sagen wollte.

„Bill braucht dich. Doch im Moment geht es noch nicht – erst brauche ich ihn…“ „Woführ dehnn? Wahs is dehnn lohs?“ „Ich… ich brauche ihn halt grade eben… dass kann ich dir nicht sagen. Aber! Auch wenn Bill im Moment sehr abweisend zu dir ist… das hab ich ihm gesagt, dass er das muss… aber bitte versteh das nicht falsch. Er mag dich! Er mag dich sehr und du ihn anscheinend auch… deswegen sei ihm nicht böse.“

WAS? ich verstand kein Wort. Was war los mit Sarah? Irgendetwas war mit ihr, doch was? und wozu brauchte sie Bill?!

„Bitte… vertrau mir… ich muss gehen.“, sie stand auf und sah mich hilflos an. ich wollte noch was sagen, doch Sarah schüttelte den Kopf und verließ dann schnell mein Zimmer.

Schnell lief ich in den Flur zum Fenster und sah nach draußen. Sarah lief den kleinen Weg von unserem Haus zur Straße und stieg in einen Wagen, indem Licht brannte. Ich erkannte einen Mann und er schien wütend zu sein – die beiden Diskutierten kurz und dann fuhr der Wagen weg.

Verwirrt wollte ich zurück in mein Zimmer, doch dann bemerkte ich noch jemanden im Nachbargarten: Bill. er stand im Schatten der Bäume und hatte das Auto beobachtet. Er trat aus den Schatten in die dämmernde Sonne und sah genauso verzweifelt aus wie Sarah vorhin.

 

Etwas später beschloss ich zu Bill zu gehen, auch wenn das vielleicht keine so gute Idee sei. Er schien besorgt und ich wollte endlich wissen was los war.

Ich schnappte mir einen Schlüssel und lief durch die Büsche zu den Zwillingen nach Hause, klopfte an die Tür und wartete in der Kälte. Zuerst machte niemand auf. Dann drückte ich doch auf die Klingel und das Licht ging im Flur an. jemand kam die Treppe herunter gestolpert und riss die Tür auf.

„…“, Bill stand vor mir und wir sahen uns nur schweigend an. „Kahhnn ichh rehn kohmm?“, fragte ich leise und fing schon an zu zittern. Bill sagte nichts, trat jedoch zur Seite und ließ mich herein. Er hatte überhaupt nicht mit mir gerechnet und wusste nicht recht, was er nun sagen sollte.

 

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